„Qype erreicht jetzt den Break-Even“

Gelbe Seiten boomen in Internet. So gehört der US-Marktführer Yelp mit über 15 Millionen Visitors pro Monat zu den am schnellsten wachsenden Web-Angeboten in Amerika. Auch Qype, dass deutsche Pendant, entwickelte sich im vergangenen Jahr zur einer Erfolgsgeschichte. Gründer Stephan Uhrenbacher verrät im MEEDIA-Interview, dass sein Start-up 2008 bereits zwei mal die selbst gesteckten Ziele übertroffen hat. Yelp ist für den Hamburger zwar das große Vorbild, aber Qype war aber niemals eine Kopie.

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Gelbe Seiten boomen in Internet. So gehört der US-Marktführer Yelp mit über 15 Millionen Visitors pro Monat zu den am schnellsten wachsenden Web-Angeboten in Amerika. Auch Qype, das deutsche Pendant, entwickelte sich im vergangenen Jahr zur einer Erfolgsgeschichte. Gründer Stephan Uhrenbacher verrät im MEEDIA-Interview, dass sein Start-up 2008 bereits zwei mal die selbst gesteckten Ziele übertroffen hat. Yelp ist für den Hamburger zwar das große Vorbild, aber Qype war niemals eine Kopie.

 
Wieweit haben Sie sich bei der Gründung von „Qype“ von „Yelp“ inspirieren lassen? 
Uhrenbacher: “Egal, ob das nun glaubwürdig ist oder nicht: gar nicht. Ich hatte die Idee im August 2005 in einem  „green field approach“. Ich hab mich gefragt, welche Informationen gibt es bislang noch nicht im Netz? Und dann hab ich eine erste Version entwickelt. Im Oktober 2005 sind wir dann über einen Bericht in Forbes über Yelp gestolpert. Yelp ist aber in jedem Fall ein Vorbild.“
Wie unterscheiden sich Ihrer Meinung nach „Qype“ von „Yelp“? 
Uhrenbacher: “Yelp verfolgte von Anfang an einen sehr aufwändigen Ansatz: „City by City“. Zu Anfang kam San Francisco, dann LA, später die Ostküste und die größeren Städte. Hierfür wird intensives lokales Marketing gemacht. Inhalte für kleine Städte waren oft gar nicht zu finden. In Deutschland wäre dies mit der anderen Verteilung der Menschen nicht machbar gewesen, und mit unserem europäischen Ansatz ist so ein aufwändiges Marketing auch nicht vereinbar. Wir haben von Anfang an etwas mehr auf „Autoren“, Blogger und Menschen gesetzt, die nicht ständig durch Parties dazu animiert werden müssen.”   
 
Wird „Qype“ noch mehr in Richtung „Yelp“ gehen?  
Uhrenbacher: “Wir sind völlig anders als Yelp gestartet, mit einem reinen Web 2.0 Ansatz. Aber wie immer gilt: Amerikanische Websites sind unseren oft in Sachen User Experience überlegen,und da ist Yelp Benchmark.“ 

„Yelp“ hat inzwischen 15 Mio. Unique Visitors und über 4 Mio. Reviews.  Wieviele Reviews hat Qype? Welche Ziele für Unique Visitors/Reviews hat Qype für 2009? 

Uhrenbacher: “Wir sind im letzten Jahr von 900.000 Unique Usern auf über 6 Mio. Unique User gewachsen und haben aktuell 550.000 Reviews. Die nächsten uns bekannten europäischen Wettbewerber liegen unserer Zählung nach um die 50.000. Für 2009 streben wir 12 Mio. Unique User an, allerdings haben wir unsere Planzahlen in 2008 schon zweimal nach oben verschoben, da wir die Ziele übererfüllt hatten.”
Wie hoch war bisher die Investitionssumme für Qype? Schreiben Sie inzwischen schwarze Zahlen?  
Uhrenbacher: “Qype ist ursprünglich mit 300.000 Euro gegen einen Wettbewerber angetreten, der 6 Mio. zur Verfügung hatte. Ursprüngliche Kapitalgeber waren primär aus dem Ebay-Umfeld, aber auch Namen wir Lars Hinrichs oder Lukasz Gadowski waren dabei. Mittlerweile wurden über drei Jahre von den VCs Partech (Paris) und Advent (London) weitere 5 Mio. investiert, und wir haben vor 6 Wochen eine neue Finanzierung über Wellington (München) mit 8 Mio. abgeschlossen. In Deutschland werden wir jetzt im November Break Even erreichen, aber die anderen Märkte sind noch länger nicht profitabel. Gerade in England haben wir einen unglaublichen Wettbewerb erlebt mit 4 anderen ähnlichen Sites. Mittlerweile sind wir dort dreimal so groß wie der nächste Wettbewerber.“
War es schwierig, vor sechs Wochen noch einmal Geld zu bekommen, denn generell nimmt ja die Finanzierungsfreudigkeit von VC mit der immer schwierigeren Wirtschaftslage ab. 

Uhrenbacher: „Es wird grundsätzlich im Moment nicht einfacher, aber wir waren in einer sehr guten Ausgangslage.“
Wenn Sie sagen, Sie werden jetzt im November den Break even-Punkt erreichen, auf welcher Erlösbasis geschieht das? Es fällt auf, dass man auf Qype relativ wenig Werbung sieht. 
Uhrenbacher: „Wir machen alleine in Deutschland einen siebenstelligen Umsatz über Werbung, insbesondere über unsere hoch effizienten Geschäftseinträge für Unternehmen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Einrägen in gelben Seiten funktionieren die.“ 
In den USA wirft man Yelp.com vor, seine Anzeigenkunden regelrecht zu erpressen. Wer eine Anzeige schaltet, bei dem rutschen positive Kritiken nach oben, negative nach unten? Kann so etwas auch bei Qype passieren?  

Uhrenbacher: „Wir machen sowas nicht. Punkt. Es gibt technisch im System keine Möglichkeit, Kritiken nach oben oder unten zu verschieben.“  
Über 13 Millionen Euro Investitionssumme sind ja wahrlich kein Pappenstil. Wie wollen Sie diese Summe wieder einspielen? Da bleibt doch eigentlich nur ein Verkauf an einen Konzern, denn aus laufenden Gewinn kann man solche Vorlaufkosten ja unmöglich zurückbezahlen?  
Uhrenbacher: „Wir haben bislang ja nicht so viel Geld ausgegeben, sondern uns ein Polster für die Zukunft angelegt, was im Nachhinein nicht ganz dumm war. Mir fällt auf Anhieb kein deutsches Web 2.0 Unternehmen ein, das mit den 5 Mio. Euro, die wir für die drei Jahre seit Gründung bis Sommer diesen Jahres zur Verfügung hatten, so weit gekommen ist.“ 
Wieviel persönliche Anteile halten Sie noch an Qype? 
Uhrenbacher: „Noch genug, um über jedes Detail, was noch nicht funktioniert, den Schlaf verlieren zu können“. 

Wie sehen Sie generell die Internet-Landschaft 2009: werden den großen, kapitalkräftigen Konzernen nicht serienweise kleine Internet-Firmen in den Schoß fallen, denen in der Rezession das Geld ausgeht? 

Uhrenbacher: „Unternehmen, die noch kein Geschäftsmodell gefunden haben, oder perspektivisch keinen Gewinn einspielen, sind im Moment auch für die Konzerne nicht attraktiv. Auch bei Holtzbrinck z.B. ist im Moment Cash King. Für Unternehmen, die einen „clear path to profitability“ bieten, steht meist auch noch Geld in der VC Szene bereit, so dass diese verschiedene Optionen haben dürften, wenngleich zu drastisch gesunkene Bewertungen.“

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