„SZ“ will Kosten 2009 um 20 Prozent senken

Schocknachricht für die Redaktion der "Süddeutschen Zeitung": Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, steht die überregionale Qualitätszeitung vor einer einschneidenden Sparrunde. Insgesamt sollen rund 15 Millionen Euro eingespart werden. Grund dafür ist der drastische Einbruch des Anzeigengeschäfts seit Mai. Geschäftsführer Karl Ulrich will nach MEEDIA-Informationen 2009 die Ausgaben um 20 Prozent senken. Am Dienstag wird der Betriebsrat über Einzelheiten informiert.

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Auch am Donnerstag saß Karl Ulrich, der Geschäftsführer der „Süddeutschen Zeitung“, wie üblich in der großen Redaktionskonferenz. Aber anders als sonst wohnte Ulrich nicht nur der Blattkritik bei. Ulrich hatte schlechte Nachrichten zu übermitteln, bei der „SZ“ muss drastisch gespart werden. Im Rahmen eines Kostensenkungs-Programms ist ein deutlicher Stellenabbau geplant, jede fünfte Redakteursstelle soll gefährdet sein. Betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden, sind aber nicht ausgeschlossen. Den Mitarbeitern sollen Teilzeitregelungen und Abfindungsangebote unterbreitet werden. Die geplanen Einsparungen soll jeweils zu einem Drittel von der Redaktion, dem Verlag sowie Herstellung und Vertrieb getragen.

Der Sparkurs bei der „Süddeutschen“, die seit knapp einem Jahr zur Südwestdeutschen Medien Holding gehört, kommt nicht überraschend: Auf den Münchener Medientage Ende Oktober nannte Ulrich die Krise bei den Printmedien eine „Krise mit Ankündigung“. Seit Mai habe sich das Anzeigengeschäft verschlechtert, im September sei es vollständig eingebrochen: „Ein Anzeigenverkäufer hat im April vielleicht noch mit jedem fünften Anruf einen Abschluss erzielt. Jetzt ist es so, dass der Anzeigenverkäufer dreißig, vierzig, fünfzig mal telefoniert und keinen Abschluss macht – und wenn er den Hörer auflegt und in seine Buchungen schaut, hat er fünf Stornos.“

Seit Mai analysiert der Süddeutsche Verlag den Niedergang des Anzeigenmarkts, die Konsequenzen daraus sind eine der drastischsten Sparrunden in der Verlagsgeschichte.

Der „Süddeutschen Zeitung“ stehen schwere Zeiten bevor: Nach dem unter den Mitarbeitern wenig populären Umzug aus der Innenstadt an den Stadtrand hatte die Geschäftsführung am Mittwoch bekannt gegeben, dass die lange geplante Sonntagszeitung aus Kostengründen nicht realisiert werde. Ein Tag später gab Karl Ulrich das Sparprogramm bekannt. Die Stimmung unter den Angestellten, so ist vom Münchener Stadtrand zu hören, ist jedenfalls schwer gereizt.

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