Dauerkrise: Rezession und Intel-Schock

Es kracht an allen Ecken und Enden: Die deutsche Konjunktur ist nun auch offiziell da angekommen, wo sie Ökonomen längst gesehen hatten – unter der Nulllinie. Auch jenseits des Atlantiks überschlagen sich die Horrormeldungen. Der weltgrößte Chiphersteller Intel warnt vor massiven Umsatzeinbußen. "Die Prognose ist schockierend schlecht", kommentieren Analysten. Die amerikanischen Aktienmärkte stürzen daraufhin zeitweise auf neue Jahrestiefs. Nicht Neues: Die Krise ist längst Bestandteil des Alltags.

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Drama, Drama, Drama – das ist für Anleger wie auch für Nachrichtenleser seit der Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers Mitte September Alltag. Diese spektakuläre Bankenpleite bildete den Auftakt zur größten Finanzmarktkrise der letzten 80 Jahre – nichts ist seitdem mehr, wie es einmal war.

Das gilt nun auch für die reale Wirtschaft, die das Ausmaß der Finanzmarktkrise längst mit voller Wucht erreicht hat. Seit heute ist es amtlich: Deutschlands Wirtschaft, die 2006 und 2007 noch so stark wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr zugelegt hatte, wächst nicht mehr. Genauer: sie schrumpft. Um 0,5 Prozent im dritten Quartal. Und weil sie das bereits das zweite Quartal in Folge tut, sprechen Ökonomen nun auch von offiziell von der Rezession, die als konjunkturelles Horrorszenario schon lange die Zukunftsaussichten bestimmt hatte.

Intel-Schock: Krachende Umsatzwarnung

Diese finsteren Prognosen bestimmen längst unsere Gegenwart. Mit welcher Wucht die Finanzmarktkrise die Geschäftstätigkeit der Unternehmen inzwischen auch schon getroffen hat, mussten Anleger erst gestern nach Handelsschluss an der Wall Street erfahren. Nach nicht einmal der Hälfte des laufenden Quartals sprach Intel, der größte Chiphersteller der Welt, eine Umsatzwarnung aus, die sich gewaschen hat.

Statt mit einem Umsatz von 10,2 Milliarden Dollar rechnet das Dow Jones-Mitglied im laufenden vierten Quartal nun nur noch mit Erlösen zwischen 8,7 und 9,3 Milliarden Dollar – also mit 0,9 bis 1,5 Milliarden Dollar bzw. im Worstcase 14 Prozent weniger. Nicht einmal vier Wochen ist es her, dass Intel noch ein Umsatzziel von 10,1 bis 10,9 Milliarden Dollar herausgegeben hatte: Nun die krachende Revision.

Intel-Signalwirkung: „Ein Desaster, schockierend schlecht“

Die Signalwirkung für die Branche könnte größer kaum sein. Intel gilt als Chiphersteller als extrem konjunktursensibler Wert – als Seismograf für den Zustand der Technologiebranche. Geht es Intel schlecht, dürften auch die Geschäfte bei Microsoft, Dell oder IBM betroffen sein, unken Branchenexperten.

So deutet John Dryden von Charter Equity die neuen Intel-Prognosen dann auch als Indiz für ein äußert schwaches Weihnachtsgeschäft: „Wenn der Umsatz so tief fällt, heißt das, die Menschen haben ihren Urlaubs-Konsum im Wesentlichen eingestellt.“ Hans Mosemann, Analyst bei  Raymond James & Associates Inc., äußerst sich unisono: „Die Weihnachtssaison ist gelaufen. Die Prognose ist schockierend schlecht. Ich und viele andere haben falsch gelegen, wie schlimm die Lage tatsächlich sein könnte. Das hier ist ein Desaster“.

Mehr Hiobsbotschaften: US-Arbeitsmarkt am Boden – Medienkrise verschlingt Valleywag

Ähnlich sieht die Lage auch bereits auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt aus. Die Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe stiegen in der Vorwoche noch stärker als erwartet. Das Arbeitsministerium in Washington teilte mit, dass die Zahl der Bezieher von Arbeitslosenhilfe saisonbereinigt um 32.000 auf 516.000 gestiegen sei. Das ist der höchste Stand seit sieben Jahren – seinerzeit war die US-Konjunktur nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center in eine Rezession gerutscht.

Wo die Not groß, sind die Schlagzeilen meist spektakulär. Doch selbst das scheint in diesen Tagen nicht mehr zu reichen: Völlig überraschend wurde gestern dann auch noch das Ende des beliebten Technologieklatschportals Valleywag bekannt gegeben.  Das stets gut informierte Branchenblog, das zum Gawker-Netzwerk gehört und mit Insiderberichten aus dem Silicon Valley  („You people in Silicon Valley are far too busy changing the world to care about sex, greed and hypocrisy)“ zu den beliebtesten Angeboten der Web 2.0-Ära aufgestiegen war,  sah sich nicht imstande, der längst gegenwärtigen Medienkrise zu begegnen.

Gawker-Macher Nick Denton selbst geht von Einbrüchen auf dem US-Werbemarkt von bis zu 40 Prozent aus. Immerhin: Er will das Blog mit Kultautor Owen Thomas als Kolumne auf Gawker weiterführen. „Verleger sollten sich jetzt auf das Schlimmste einstellen“, glaubt Denton. Thomas tut das bereits  – und will für die neue Arbeit dann auch einen Ortwechsel vornehmen, der den schweren Zeiten angemessen ist. „Die Kolumne werde ich aus dem neuerdings erschwinglichen Island schreiben“, lauten die vorerst berühmten letzten Worte des beliebten Bloggers.  Das nennt man wohl Adaption an die Krise.

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