Anzeige

Steigt jetzt Bartl zum Vorstandschef auf?

Bei ProSieben Sat.1 bleibt kein Stein auf dem anderen. Der Umzug von Sat.1 von Berlin nach München ist beschlossene Sache. Die Sales-Abteilungen rücken zusammen. Sat.1-Chef Matthias Alberti wird Co-Geschäftsführer der German Free-TV Holding des Konzerns. Das nährt Spekulation, dass der bisherige alleinige Free-TV-Chef Andreas Bartl bald Guillaume de Posch als Vorstandschef beerben könnte. Durch den Konzern-Umbau fallen insgesamt 225 Stellen weg.

Anzeige

In Berlin sind von den Umzugsplänen 350 Mitarbeiter betroffen. Jeder von ihnen erhalte aber ein Job-Angebot in München, teilte der Sender mit. An der Holding-Zentrale im Münchner Vorort Unterföhring sollen bis Juni 2009 Sat.1, ProSieben und kabeleins zusammengeführt werden. N24 und die Sat.1-Zentralredaktion bleiben in Berlin. Die Sat.1-Zentralredaktion wird in eine eigene GmbH umgewandelt. N24-Chef Thorsten Rossmann ist künftig für die Zentralredaktion mit-verantwortlich. Mit allen Tochterfirmen behält ProSiebenSat.1 am Standort Berlin 450 Mitarbeiter.

Auch die Verkaufsabteilungen der Gruppe sind von den Änderungen betroffen. SevenOne Media, der TV-Vermarkter, und SevenOne Interactive, der Online-Vermarkter, sollen künftig enger zusammenrücken und mit gemeinsamen Teams crossmediale Kampagnenkonzepte anbieten. Die Gruppe hofft damit offenbar, das verkorkste Werbeverkaufsmodell, das zum Teil für die Katastrophenzahlen der jüngsten Zeit verantwortlich ist, zu korrigieren.

Auf der Mitarbeiterversammlung am Donnerstagmorgen im Berliner Hilton Hotel sorgten diese Neuigkeiten für Aufruhr und Pfeifkonzerte gegen die Senderchefs. Der Betriebsrat hat zudem angekündigt, rechtliche Schritte gegen die Konzernleitung zu prüfen. Die Arbeitnehmervertreter fühlen sich nicht rechtzeitig über die tiefgreifenden Änderungen informiert. Erst eine Stunde vor der Versammlung habe der Vorstand den Betriebsrat eingeweiht. Dies sei zu kurz, um angemessen auf solch umwälzende Umstrukturierungen zu reagieren, so der Betriebsrat.

Spekuliert wird in der Branche nun vor allem über die Zukunft von Andreas Bartl. Er ist im Konzernvorstand für das deutsche Free-TV-Geschäft zuständig. Mit der Berufung von Matthias Alberti als zusätzlichem Free-TV-Geschäftsführer wäre der Weg für Bartl frei, Guillaume de Posch als Vorstandschef zu beerben. De Posch geht Ende des Jahres. Einen adäquaten Nachfolger von außerhalb es Unternehmens haben die Eigner Permira und KKR bisher vergebens gesucht. Die Sendergruppe steht wegen hohen Schulden und massiven Spar-Programmen extrem unter Druck. Offenbar will sich das Abenteuer ProSiebenSat.1 kein namhafter Manager von außen antun. Bartl hat in der Gruppe bisher schon eine kometenhafte Karriere hingelegt. Von kabeleins wechselt er auf den Chefsessel von ProSieben und zog als Verantwortlicher für die deutschen Free-TV-Sender in den Vorstand ein. Ob er tatsächlich de Posch als Holding-Chef beerbt oder die Eigentümer noch einen Überraschungskandidaten aus dem Hut zaubern, wird sich zeigen

Fest steht, dass der bisherige kabeleins-Chef Guido Bolten neuer Geschäftsführer von Sat.1 wird. Nachfolger von Bolten als Geschäftsführer von kabeleins wird zum 1. Januar 2009 Jürgen Hörner, bislang stellvertretender Geschäftsführer bei ProSieben. Thorsten Rossmann bleibt Co-Geschäftsführer von Sat.1 und Chef des Nachrichtenkanals N24.

Alle Proteste der Mitarbeiter, den Senderstandort von Sat.1 in der Hauptstadt zu belassen, blieben damit wirkungslos. Auch ein Appell des Berliner Senats, die Standortverlegung zu überdenken, verpuffte. Für Berlin ist der Abzug eines nationalen TV-Senders ein deutlicher Verlust an Prestige und Wirtschaftskraft. Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf hat ProSiebenSat.1-Chef Guillaume de Posch via Brief bereits darauf hingewiesen, dass das Land im Falle eines Umzugs von Sat.1 prüft, ob gezahlte Fördergelder zurückverlangt werden können. Laut Betriebsrat haben trotz der aktuellen Ereignisse nach der Mitarbeiterversammlung erneut hunderte Berliner Beschäftigte des Konzerns gegen eine Verlagerung von Sat.1 nach München protestiert. Nützen wird das wohl nichts.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige