Springer: Noch schnurrt die Geldmaschine

Die Axel Springer AG wird immer effizienter. Springer-Chef Mathias Döpfner hat die Jahresprognose bestätigt. Der Konzern will erneut Umsatz und operativen Gewinn im Vergleich zum Rekordjahr 2007 steigern. Und Verlegerin Friede Springer nutzt den dümpelnden Aktienkurs, um für über 15 Millionen Euro zuzukaufen. Die Geldmaschine Zeitungen Inland mit "Bild" und Co. schnurrte von Januar bis September mit einer sagenhaften Umsatzrendite von 26,2 Prozent. Aber: Die Netto-Erträge sanken.

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Die deutschen Zeitungen setzten im Berichtszeitraum 6,2 Prozent weniger mit Anzeigen um als im Vorjahreszeitraum. Trotzdem wurde der operative Gewinn (EBITDA) der Zeitungen im dritten Quartal um 7,6 Prozent auf 86,3 Mio. Euro gesteigert. Das zeigt, wie effizient vor allem die „Bild“-Gruppe aufgestellt ist. Die Taktik, wegbrechende Werbe-Erlöse mit Preiserhöhungen und Sparmaßnahmen aufzufangen und überzukompensieren funktioniert. Noch.

Positiv beeinflusst wird das Neun-Monats-Ergebnis von Springer vor allem durch den Verkauf und die Dividende der Anteile an der ProSiebenSat.1 Media AG. Springer machte im Berichtszeitraum unterm Strich einen Überschuss von 560,5 Millionen Euro. Ohne das Geld aus dem ProSiebenSat.1-Verkauf wären es „nur“ 133,2 Millionen Euro gewesen und damit weniger als im Vorjahreszeitraum (179,6 Mio. Euro). Man kann also davon ausgehen, dass der Verlagskonzern nur dank der Sondereffekte 2008 wieder einen Umsatz und Ergebnisrekord vorlegen kann. Trotz dieser Einschränkung steht Springer mit seinen Zahlen im Vergleich zu anderen Medienhäusern glänzend da.

Das Kerngeschäft mit Anzeigenerlösen schwächelt zwar, ist aber immer noch gesund. Bei einem Seitenblick auf den katastrophalen Zustand der ProSiebenSat.1 Media AG könnte Springer-Chef Döpfner eigentlich froh sein, dass die Kartellbehörden vor Jahren verhindert haben, dass er das Sender-Konglomerat aufkauft. Ob die Konzernzahlen mit ProSiebenSat.1 an Bord ebenso glänzen würden, das ist doch sehr fraglich.

Ungewiss auch, was die Zukunft bringt. Wie alle, sagte auch Döpfner, dass die kommenden Monate für die Medienbranche eine „erhebliche Herausforderung“ darstellen. 2009 dürfte es für Springer ein Ding der Unmöglichkeit werden, die Spitzenergebnisse der vergangenen Jahre zu toppen oder auch nur zu wiederholen. Diese Skepsis zeigt sich auch am Aktienmarkt. Innerhalb eines Jahres ist die Springer-Aktie von deutlich über 100 Euro auf 48 Euro abgerutscht, trotz guter Zahlen. Verleger-Witwe Friede Springer nutzt die Gelegenheit, um sich für über 15 Millionen Euro mit weiteren Springer-Aktien einzudecken. Gerade vor wenigen Tagen erst hat sie schon einmal Aktien für über 630.000 Euro dazugekauft. Die Gelegenheit ist eben günstig.

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