Was Facebooks Finanzchef in Dubai will

Lange Zeit überschlugen sich die positiven Schlagzeilen über Facebook förmlich. Es war das coolste, das beliebteste und das schnellstwachsende Social Network. Daran hat sich bis jetzt wenig geändert – bis auf die Finanzierung. In Zeiten der weltweiten Kreditklemme wurde Facebook-CFO Gideon Yu nämlich zuletzt auffällig lange in Dubai gesichtet. Der Schluss liegt nahe: Auch beim Super-Startup scheint Geld plötzlich eine nicht ganz unwesentliche Rolle zu spielen.

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Die Zahlen sprechen für sich. 1 Million Dollar verbraucht Facebook. Pro Monat. Für Strom. Weitere 500.000 Dollar für Internet-Bandbreite. Ein Vielfaches davon machen Serverkosten und Mieten aus. Ganz zu schweigen von den zuletzt exorbitant steigenden Personalkosten. Keine Frage: Facebook wächst und wächst – und muss dafür bluten. Das ist die einfache Logik der Arithmetik, die dem aufstrebendsten Start-up der Welt in diesen Tagen zum Verhängnis werden könnte.

Die „Burn-Rate“, jenes Überlebens-Kriterium, das das Wirtschaftsmagazin „Barrons“ für boomende, aber dünn finanzierte Startups im Frühjahr 2000 einst einführte, könnte nun plötzlich auch für Facebook zum Thema werden. Die Anzeichen dafür mehren sich: Erst in der vergangenen Woche kam im Zuge der Kündigungswelle im Silicon Valley die Diskussion auf, ob Facebook sein rasantes Wachstum der Belegschaft in Zeiten der Finanzmarktkrise fortsetzen kann. Bis auf 1000 Mitarbeiter wollte das junge kalifornische Unternehmen dieses Jahr noch aufstocken. Doch derzeit sieht es eher nach einem Einstellungsstopp aus, munkelt etwa der Branchenblog Valleywag.

Burning fast: Wie viel Geld hat Facebook noch?

Oder doch nach mehr? Internetexperten unken bereits, dass die Lage deutlich ernster sein könnte als bislang angenommen. „Die 2008er-Umsätze könnten sich gegenüber den Vorjahresschätzungen durchaus um 100 Millionen Dollar verringern“, glaubt etwa TechCrunch-Gründer Michael Arrington.  „Und wenn die Wirtschaft tatsächlich komplett entgleist, könnte Facebook in ernsthaften Schwierigkeiten sein“, so Arrington.

Das Tempo der Trendwende überrascht. 240 Millionen Dollar hatte Facebook erst im vergangenen Herbst von Microsoft erhalten. Weitere 235 Millionen Dollar wurden in einer Finanzierungsrunde in diesem Frühjahr in die Kassen gespült. Und nun besteht also bereits weiterer Bedarf?

„Ein Großteil der knapp 500 Millionen Dollar, die die Firma erlöst hat, sind weg“, glaubt TechCrunch. „Noch mehr wird nächstes Jahr aufgebraucht sein, wenn die internationalen Wachstumsraten anhalten. Facebook könnten die Cash-Bestände schnell bis auf ein Jahr Handlungsfähigkeit zusammenschmelzen, ohne dass ein IPO-Fenster auch nur in Sichtweise wäre“.

Dubai-Tour: Facebook-CFO in Gesprächen mit  Investmentgesellschaften?

Dann müssen andere Optionen her. Mit übergroßem Interesse wird daher aktuell im Valley die Dienstreise des Finanzchefs Gideon Yu beäugt, der sich auffällig lange in Dubai herumtreibt. Was Yu in der  Scheich-Domäne will, ist für Branchenexperten schnell klar: Geld.

Es geht also um eine neue Finanzierungsrunde. Offenbar, so mutmaßt der Branchenblog TechCrunch, könnte dafür die Investmentgesellschaft Dubai International Capital in Frage kommen. Und zwar möglichst schnell: „Wenn sie nicht jetzt einen dicken Batzen erlösen, dürfte es in den nächsten Monaten 12 – 18 Monaten nur zu noch ganz anderen Bewertungen möglich sein“, glaubt Arrington.

Zuckerberg sieht keinen Finanzierungsbedarf – zumindest öffentlich

Es sieht ganz danach aus, als würden bei Facebook andere Zeiten anbrechen. Mark Zuckerberg könnte sein Beharren, in den letzten Jahren zu keinem Preis verkaufen zu wollen, nun zum Waterloo werden. 15 Milliarden Dollar war Facebook im Zuge des Microsoft-Investments wert gewesen – zumindest rein rechnerisch. Angesichts der anhaltenden Finanzmarktkrise wäre eine solche Bewertung im gegenwärtigen Börsenumfeld im Rahmen eines IPO kaum mehr zu erzielen.  

Mögliche Pleite-Gerüchte, die bei besonders spitz formulierten Postings zuletzt kursierten, erscheinen dagegen allerdings relativ abwegig. Facebook ist eine eingeführte Marke, die sich in jedem Web-Portfolio einer der großen Player aus der Internet- oder Technologiebranche gut machen würde. Zudem erlöst das Unternehmen in diesem Jahr bereits geschätzte 300 Millionen Dollar. Ein Tritt auf die Kostenbremse, ein paar Kündigungen oder die – bislang nie diskutierte, aber sicher durchsetzbare – Einführung von Abo-Gebühren, und das Social Network #1 wäre vermutlich mit einem Schlag in den schwarzen Zahlen.

Entsprechend gelassen versucht Mark Zuckerberg den zuletzt ungewöhnlich unangenehmen Fragen zu begegnen. „Wachstum bleibt unsere Priorität“, erklärte der 24-Jährige gestern am Rande des Web 2.0 Summits in San Francisco. Auf die Frage, ob Facebook Geld brauche, reagierte der sonst um keine Antwort verlegene Posterboy des Web 2.0 indes schmallippig – mit „Nein“.  

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