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Die WAZ macht ernst mit Synergien

Über Synergien wird ja immer gerne geredet. Meistens bleiben die viel beschworenen Effekte aber im Klein-Klein des Tagesgeschäfts stecken. In der sich nunmehr abzeichnenden Krise einiger Print-Medien gibt es einen gewissen Handlungsdruck, der hier und da zu echten Synergien führt. Beispiel WAZ-Gruppe. Die von „WAZ“-Chefredakteur vorangetrieben neue Struktur der Regionalzeitungen wird bei manchem Mitarbeiter für […]

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Über Synergien wird ja immer gerne geredet. Meistens bleiben die viel beschworenen Effekte aber im Klein-Klein des Tagesgeschäfts stecken. In der sich nunmehr abzeichnenden Krise einiger Print-Medien gibt es einen gewissen Handlungsdruck, der hier und da zu echten Synergien führt. Beispiel WAZ-Gruppe. Die von „WAZ“-Chefredakteur vorangetrieben neue Struktur der Regionalzeitungen wird bei manchem Mitarbeiter für Heulen und Zähneklappern sorgen. Sein Plan ist aber grundsätzlich richtig. Dass mehrere Regionalzeitungen mit eigenen Mantelredaktionen nebeneinanderher arbeiten, ist heutzutage nicht länger darstellbar.

Stattdessen sollte man die Ressourcen der Mantelredaktionen bündeln und noch mehr Gewicht auf starke Regionalteile legen. So könnten beide Teile der Zeitung profitieren, der überregionale und der regionale. Das Festhalten an eigenen Mantelredaktion lässt sich bei Regionalzeitungen nicht wirklich mit Vernunft, sondern nur mit Starrköpfigkeit und einem Festhalten an einmal erreichten Positionen erklären. Die Politik-Redakteure von Regionalblättern wollen halt auch lieber was Schlaues zur großen Bundespolitik schreiben, als allzu tief in die Niederungen des Kommunalen hinabzutauchen. Das ist verständlich aber nicht mehr bezahlbar.

Man sollte sich stattdessen überlegen, wie man eine Zeitungsgruppe heute von Null aufbauen würde, ohne bestehende Sachzwänge und Erbhöfe. Man würde wohl eine zentrale, mit Online integrierte überregionale Mantelredaktion schaffen und vor Ort starke Regionalredaktionen, die mit dem Material der Mantelredaktion arbeiten können und es gegebenenfalls nach regionalen Bedürfnissen auch anpassen. Genauso, wie es die WAZ gerade vormacht.

Anderes Beispiel: Warum braucht ein Verlag wie M.DuMont Schauberg eine überregionale Redaktion für den „Kölner Stadt-Anzeiger“ und die „Frankfurter Rundschau“? Antwort: Weil es sie gibt. Genau das gleiche gilt für die gebeutelten Zeitungen der Zeitungsholding von David Montgomery. Warum sollten „Berliner Zeitung“, „Berliner Kurier“ und „Hamburger Morgenpost“ nicht auf denselben Pool an überregionalen Politik, Wirtschafts- und Kulturthemen zugreifen können? Warum hält man an schwindsüchtigen Vollredaktionen fest, die sich kaum noch finanzieren lassen? Antwort: Weil man es schon immer so gemacht hat.

Man darf die Beharrungskräfte in Unternehmen nicht unterschätzen. Die Chancen stehen aber gut, dass die Häuser, die die schmerzlichen Veränderungsprozesse heute angehen, morgen zu den Gewinnern der Krise zählen werden.

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