Yahoo: Riskanter Börsenpoker um Yang

Die Spekulationen um die Zukunft von Yahoo reißen nicht ab. Nach Monaten des Abwehrkampfes gegen den Softwareriesen Microsoft scheint der Online-Pionier die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und verweigert sich offenbar nicht mehr einer Übernahme. Mehr noch: Der Deal sei eine Frage der Summe, ist inzwischen zu hören. Und der Köpfe: Sei gestern kursieren nämlich bereits Gerüchte, dass Yahoo-CEO Jerry Yang sein Amt zur Verfügung stellen könnte. Die Aktie legt daraufhin kräftig zu.

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So klingt eine Kapitulation. „Das Beste, was Microsoft heute tun kann, ist, Yahoo zu kaufen“, erklärte Yahoo-Vorstandschef Jerry Yang gestern am Rande  einer Web-2.0-Konferenz.

Wie bitte?

Monatelang hatte der 37-jährige Yahoo-Gründer alles dafür getan, die Übernahme zu verhindern. 31 Dollar je Aktie hatte der Redmonder Softwarekonzern noch im Frühjahr geboten. Auf 33 Dollar war Mr. Softee sogar bereit aufzustocken, doch Yahoo wollte mehr. Nun bekommt der Online-Pionier weniger – wenn überhaupt.

Bereits die letzten Quartalszahlen hatten offenbart, wie es um Yahoo steht. Nur noch einen Gewinn von 54 Millionen Dollar konnte der Web-Veteran seinen Aktionären präsentieren – zwei Drittel weniger als noch im Vorjahreszeitraum.  

Keine Frage: Yahoo steht mit dem Rücken zur Wand. Das Online-Portal kämpft an mehreren Fronten: Yahoo wird im Kampf mit Google aufgerieben und scheint für die kommende Rezession nicht gerade optimal positioniert. Die Restrukturierungsmaßnahmen haben nicht gegriffen. Mit einem Börsenwert von nur noch 20 Milliarden Dollar ist Yahoo hinter Google, Amazon und eBay längst nur noch vierte Kraft im Web. Und es droht, weiter zurückzufallen.

Der Yahooverwaltungsrat sei nun „offen für alles“, erklärte Yang gestern.
Diese Einsicht nur allzu nachvollziehbar und richtig. Sie kommt nur viel zu spät und kostet das Unternehmen Milliarden.

Was jetzt passiert, dürfte nach dem Lehrbuch des Werbens und Zierens ablaufen. In Redmond dürfte man sich die Hände reiben, seinen Wunschpartner im Web nun zum Discount-Preis zu bekommen. Als zu groß wird die öffentliche Freude indes nicht sein, schließlich möchte man sich nicht den Preis kaputtmachen. Also dürfte Microsoft öffentlich weiter sein Desinteresse bekunden, um hinter den Kulissen mit der Gnadenlosigkeit des absoluten Siegers den Preis zu drücken.

Bei 33 Dollar lag das letzte Gebot, das im Mai zurückgezogen wurde. Bei 14,50 Dollar notiert die Aktie heute. Irgendwo dazwischen dürften sich die Positionen treffen. In den hohen 20ern wird Yahoo versuchen, noch für das Unternehmen zu erzielen. Kaum mehr als 20 Dollar wird Microsoft heute jedoch noch bieten, 18, 19 Dollar vielleicht in einer ersten Offerte. Wenn alles seinen erwarteten Gang geht, dürfte man sich in der Mitte bei 22, vielleicht 23 Dollar treffen – das wäre gegenüber dem heutigen Aktienkurs immer noch ein Aufschlag von mehr als 50 Prozent. So kann man die Übernahme nach außen verkaufen.

Tatsächlich wäre es jedoch auch ein Drittel weniger, als Jerry Yang noch vor einem halben Jahr hätte erzielen können.  In realen Werten wurden somit rund 11 Milliarden Dollar vernichtet. Dafür – da braucht es keine prophetischen Gaben – wird der zurückhaltende CEO seinen Hut nehmen müssen.

Bereits jetzt spekuliert die Börse offen darauf. Als heute Rücktrittsgerüchte aufkamen, stieg die Yahoo-Aktie gegen den Markttrend um mehr als 3 Prozent an. Das ist nicht nur ein trauriges – es ist auch ein gefährliches Spiel. Will Microsoft tatsächlich nicht mehr, ist nicht nur die Yahoo-Aktie verbrannt, sondern ihr CEO gleich mit.

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