Gewerkschaften starten WAZ-Frustblog

Bislang galten die WAZ-Männer um ihren Chef Bodo Hombach als höchst öffentlichkeitsscheu. Doch seit ihrer Ankündigung, 30 Millionen Euro einzusparen, sind die ruhigen Zeiten vorbei. Ver.di und DJV sehen in den Plänen übertriebenen Aktionismus der Manager und haben nun WAZ-Watchblog Medienmoral gestartet. Die Gewerkschaften wollen damit auf die Gefahr "publizistischen Einheitsbreis" hinweisen und den Angestellten eine Plattform bieten, auf der sie ihren Frust wegschreiben können, "garantiert vertraulich".

Anzeige

Bislang galten die WAZ-Männer um ihren Chef Bodo Hombach als höchst öffentlichkeitsscheu. Doch seit ihrer Ankündigung, 30 Millionen Euro einzusparen, sind die ruhigen Zeiten vorbei. Ver.di und DJV sehen in den Plänen übertriebenen Aktionismus der Manager und haben nun WAZ-Watchblog Medienmoral gestartet. Die Gewerkschaften wollen damit auf die Gefahr „publizistischen Einheitsbreis“ hinweisen und den Angestellten eine Plattform bieten, auf der sie ihren Frust wegschreiben können, „garantiert vertraulich“.

Schon der erste Satz des Einleitungstextes des neuen WAZ-Watchblogs medienmoral-nrw.de zeigt den Ernst der Lage: „Umwälzungen in einem bisher nicht für möglich gehaltenen Ausmaß bedrohen die Presselandschaft im Ruhrgebiet.“

Gemeint ist die Situation bei der WAZ-Gruppe, zu der die Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ), der Neue Ruhr / Neue Rhein Zeitung (NRZ), der Westfälischen Rundschau (WR) und der Westfalenpost (WP) gehören. Wegen der sich verschärfenden Anzeigen- und Auflagenkrise will der Verlag rund 30 Millionen Euro einsparen. Maßnahmen: Die Seitenzahl der Tageszeitungen wird auf 32 begrenzt. Angeblich stehen 300 der rund 900 Redakteursstellen zur Disposition, genauso wie eine weitere Zusammenarbeit mit der Deutschen Presse Agentur (dpa). „Die Äußerungen der Geschäftsführung zur wirtschaftlichen Situation der vier WAZ-Titel lesen sich, als ob der Gang zum Konkursverwalter kurz bevor steht“, schreibt das Blog. „Die Seite soll dazu beitragen, Informationen schnell auszutauschen. Sie soll aber auch den Lesern, der Wirtschaft und der Politik in NRW die Gefahr aufzeigen, in großen Teilen des Ruhrgebiets künftig publizistischen Einheitsbrei zu erhalten. Auch Sie sind eingeladen, sich an der Diskussion über Presse- und Meinungsvielfalt zu beteiligen.“
Verantwortlich für das Blog ist der Deutsche Journalisten-Verband und die Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten Landesverband Nordrhein-Westfalen (e.V.). Seit dem 27. Oktober ist die Seite online. Fünf Einträge wurden bisher veröffentlicht. Das aktuelle Posting beschäftigt sich mit dem 42. Essener Presseball, der „Gaumenfreuden bis zum Morgengrauen” verspricht und den die WAZ als Förderer unterstützt. Schon dieser Eintrag zeigt: Die Macher des Blogs sind sauer auf die WAZ-Geschäftsführung und haben – zumindest im Moment – den festen Willen, den Verlagsmanagern das Leben so schwer wie möglich zu machen.

Zusätzlich soll das Weblog den Angestellte des Großverlages aber auch als eine Art Kummerkasten dienen. „Nicht zuletzt ist die Seite dazu da, eigene Befindlichkeiten, eigene Ängste und eigenen Ärger los zu werden. Absolute Vertraulichkeit ist garantiert“, heißt es im Hintergrundtext von medienmoral-nrw.de

Wenn es den Gewerkschafts-Bloggern gelingt, ihr Protest-Projekt aktuell, flexibel und aggressiv zu führen, kann es in der Essener Konzernzentrale noch für viel Ärger und vor allem für viel ungeliebte Öffentlichkeit sorgen. 
>> Pottblog
>> Netzjournalist

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige