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Schwulen-Sender TIMM geht an den Start

Mit TIMM startet am Samstag Deutschlands erster Fernsehsender für Schwule. Der Spartenkanal will mit einem Mix aus Eingekauftem und Eigenproduktionen die rund drei Millionen homosexuellen Männer in Deutschland ansprechen. Helfen soll das eigene Internetportal. Im Gegensatz zu internationalen Vorbildern verzichten die Macher auf die lesbische Community. Das ist in Zeiten der Medienkrise ein gewagtes Unternehmen, zumal für einen werbefinanzierten Sender.

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„Woll`n se nicht was Schwules schalten?“. Mit diesen Worten wollte ein Bild-Anzeigenverkäufer in diesem Sommer Frank Lukas zur Schaltung einer Anzeige in einer „Bild“-Sonderbeilage zum Christopher Street Day überreden. Ein paar Monate später will der Geschäftsführer und Programmdirektor von TIMM Deutschlands ersten Sender für schwule Männer erfolgreich im Markt positionieren.

2001 war der gebürtige Braunschweiger von Zuschauern zum neuen Moderator des RTL-Magazins für Homosexuelle „anders TREND“ gewählt worden. Sieben Jahre später, am kommenden Samstag, geht sein Sender unverschlüsselt und bundesweit empfangbar auf Sendung – allerdings nur im digitalen Kabelnetz und über den Satelliten Astra Digital. Wer TIMM empfangen will, muss sich einen digitalen Receiver zulegen. Wie bei den Spartenkanälen DMAX und Comedy Central setzen die Macher von TIMM in erster Linie auf eingekaufte Inhalte. Mit der Datingshow „Homecheck“ und neuen US-Serien wie „Noah’s Arc“ oder „Mile High“ und Szene-Kultfilmen wie „Flesh“ wollen die Berliner die schwule Zielgruppe täglich von 18 bis 24 Uhr mit Neuem aus ihrer Lebenswelt versorgen.

Blondes Gift im Programm

Dabei sollen die Zuschauer so oft wie möglich interaktiv in den Programmverlauf eingebunden werden. TIMM ist im Netz ebenfalls als Livestream und über den P2P-Dienst Zattoo zu empfangen. Dass so etwas nicht nur Inhalte von Männern für Männer bedeuten muss, beweist das Vorabendprogramm. Dort läuft das Talkformat „Blondes Gift“ mit Barbara Schöneberger. Allerdings nur die Wiederholung der Sendung aus den Jahren 2001 bis 2005.

Mit vier Moderatoren werden auch eigene Formate produziert, unter anderem eine Nachrichtensendung. Mit „TIMM Today“ sollen in 15 Minuten die wichtigsten Themen aus Politik, Wirtschaft und Szene zusammengefasst werden. Oliver Lock wird „Timmousine“ moderieren. Wie der Titel schon verrät, fährt der Moderator in einer Limousine durch Deutschland, um seinen Fahrgästen delikate Details aus ihrem Privatleben zu entlocken.

Crossmedia ist Pflicht
TIMM will aber mehr als ein Fernsehsender sein. Ähnlich wie arte.tv nach seinem Relaunch will man das Programm crossmedial gestalten. Wichtig für die Rückmeldung des Publikums soll vor allem das eigene Internetportal werden. Kurzfristig sollen so 30.000 Zuschauer gewonnen werden. Zu empfangen ist TIMM über das digitale Kabelnetz und via Satellit (Astra digital).
In anderen Ländern wie den USA, Kanada und Frankreich gibt es bereits Kanäle für Homosexuelle. Viacom, der Konzern hinter dem MTV Network, hat erfolgreich logo gelauncht. In Kanda sendet OUTtv für die homosexuelle Zielgruppe. Um dem Trend zu folgen, sollte TIMM ursprünglich im Herbst 2007 auf Sendung gehen. Ein Jahr später können sich die Zuschauer von November an sechs Stunden täglich über Neuigkeiten aus ihrer Lebenswelt informieren. Aus diesem Grund hat TIMM ein Netzwerk aus Videojournalisten in den Ballungszentren München, Köln und Hamburg aufgebaut. Die Fäden laufen in Berlin zusammen.

Noch kein eigenes Medienhaus

Zur Zeit arbeitet das TIMM-Team auf mehrere Etagen verteilt. Die Eigenproduktionen werden in einem anliegenden Studio produziert. Und das, obwohl die Anzahl der Mitarbeiter enorm gewachsen ist. Waren es vor vier Monaten noch 20 Mitarbeiter, sind es nun 60, darunter 50 Männer, die sich in den Büros in Berlin Charlottenburg tummeln. Obwohl nur ein Drittel der Beschäftigten heterosexuell ist, gelte Homosexualität nicht als Einstellungskriterium, sagte eine Sendersprecherin.

Ein weiteres Problem dürfte die Finanzierung durch Werbung sein. Abgesehen von Anzeigenrückgängen in der Medienbranche unterscheidet sich TIMM allerdings von allen bisherigen schwul-lesbischen Sendern. Sie alle haben auf eine Verknüpfung von schwulen und lesbischen Themen gesetzt. TIMM hingegen geht durch die Fixierung auf die männliche Zielgruppe die lesbische Community als werberelevante Zielgruppe verloren.

Die vielen gescheiterten Lancierungen von schwulen Monatszeitschriften in den letzten Jahren zeigen, dass eine derart eng zugeschnitte Zielgruppe die Finanzierung erschweren kann. Die Vorstellung, dass Homosexuelle vermögend und trendbewusst sind, kann teilweise zutreffen. Ob sich damit auf Dauer ein Sendermodell wirtschaftlich erfolgreich betreiben lässt, ist angesichts der schwelenden Medienkrise fraglich.

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