dpa: Jetzt will auch Ippen aussteigen

Zu teuer, zu langsam und zu langweilig: Die Deutsche Presse Agentur gerät immer stärker unter Druck. Seit zwei Tagen ist bekannt, dass die WAZ-Gruppe überlegt, ihren dpa-Vertrag nicht zu verlängern und jetzt folgt Verleger Dirk Ippen (Münchner Merkur). Laut Textintern verriet er auf den Münchner Medientagen, dass man bereits eine Kündigung prüft. Für die dpa eine brenzlige Situation: Die lauten Überlegungen der deutschen Verlagsmanager könnten zu einem Dominoeffekt führen.

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Die kleine Bemerkung über die interne Prüfung einer dpa-Kündung ließ Dirk Ippen Öffentlichkeitswirksam beim so genannten „Printgipfel“, einer Podiumsdiskussion auf den Müncher Medientagen, fallen. Der Besitzer des Münchener Zeitungsverlags (u. a. Münchner Merkur) sagte laut Textintern, dass sich „die kleineren ländlichen Lokalzeitungen vor allem mit einem konsequenten Fokus auf lokale Berichterstattung in Print und Online auch in Zukunft unersetzlich machen.“

In vielen Lokalredaktionen – bzw. bei vielen Verlags-Managern – scheint die Gewissheit zu wachsen, dass man ohne überregionales dpa-Material auskommt. Schuld daran ist das Internet. Denn wenn zum Beispiel Spiegel Online jede relevante Ticker-Meldung schnell in seinem Nachrichtenportal veröffentlicht, können die Tageszeitungen die Geschichte auch kostengünstig aus dem Web ziehen. Die Hamburger Agentur kann gegen dieses Vorgehen kaum etwas unternehmen. Die Folge: Ihr lukratives Geschäftsmodell könnte gehörig aus den Fugen geraten.

Eine gewisse Mitschuld tragen die Hamburger an der drohenden Kündigungswelle allerdings auch: „Die meisten Kunden sind unzufrieden mit der Leistung: langsam, viele Fehler und folgende Berichtigungen, langweilige Sprache, kein Pepp. Das hört man immer wieder, macht man seine Ohren in der Branche mal auf“, bloggt Frank Miener bei Onlinejournalismus.

Viele Beobachter werten das Verhalten der WAZ-Manager und Ippen, vor allem als taktische Finte, um die Abo-Kosten für den dpa-Basisdienst zu drücken. Allein Medienhaus aus Essen könnte wohl bis zu vier Millionen Euro einsparen. Der Clou daran: Die Verlage schnitten sich aber auch ins eigene Fleisch. Denn sie alle zusammen besitzen die Deutschen Presse Agentur. Aktuell halten rund 190 Medienunternehmen Anteile an den Hamburgern. Kein Gesellschafter darf dabei mehr als 1,5 Prozent des Stammkapitals erwerben.

Aber nicht alle Verlage sägen am Geschäftsmodell der Agentur. So sprang auf dem Münchner Printgipfel Richard Rebmann den Hamburgern bei. Der Geschäftsführer der Südwestdeutschen Medienholding sagte, dass bei der Süddeutschen Zeitung eine Kündigung nicht zur Disposition steht.

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