BBC suspendiert Skandal-Moderatoren

Der Skandal um die obszönen Telefonanrufe, mit denen zwei Moderatoren der BBC während einer Radio-Show einen Schauspieler beleidigten, hat zu Konsequenzen geführt. Nachdem mehr als 27.000 Beschwerden eingingen und sich Premierminister Gordon Brown persönlich eingeschaltet hatte, zog die BBC am Mittwoch endlich Konsequenzen: Wegen "grober Verletzung des Anstands" ("gross lapse of taste") suspendierte der Sender die Moderatoren Brand und Ross.

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In der Russel Brand-Show vom 18. Oktober hatten Brand und Co-Moderator Jonathan Ross während einer Sendung mehrmals den Schauspieler Andrew Sachs angerufen und auf dessen Anrufbeantworter gesprochen. Der 78-jahrige Sacks spielte den Kellner „Manuel“ in dem Comedy-Klassiker „Fawlty Towers“.

In der Art von Telefonstreichen hinterließen Brand und Ross respektlose Mitteilungen, die in Ross‘ Worten gipfeln: „He fucked your granddaughter.“ Bei anderer Gelegenheit scherzen die Moderatoren darüber, dass Sachs als Folge der Anrufe Selbstmord begehen könnte. Weitere Geschmacklosigkeiten folgen.

Was die Affäre besonders brisant macht: Bei der betreffenden Show handelt es sich nicht um einen Live-Unfall. Die Sendung war vorher aufgenommen worden – die verantworlichen Redakteure hatten die beleidigenden Anrufe also bewusst genehmigt.

Die Reaktionen ließen nicht auf sich warten. Der Abgeordnete Philip Davies sprach seine Hoffnung aus, dass „die BBC anerkennt, dass Ross diesmal die Grenze überschritten hat“. Der Medien-Sprecher der Tory-Partei Jeremy Hunt sagt, es sei „falsch, wenn der Rundfunk Programme produziert, die negatives soziales Verhalten legitimieren.“ Premier Brown nannte das Verhalten der Moderatoren „unpassend und inakzeptabel“. Politiker und die Öffentlichkeit forderten rigorose Konsequenzen für die Moderatoren und die Verantwortlichen des Senders.

Jetzt hat der Sender gehandelt: Zumindest für die Dauer der internen Untersuchungen des Falls setzt die BBC die betreffenden Sendungen aus. Brand verzichtete daraufhin auf seinen hochdotierten Job bei Radio 2; er hat mit seiner wöchentlichen Radio-Show pro Jahr 200.000 Pfund verdient. Ross, der noch keine persönlichen Konsequenzen gezogen hat, erhält für seine Radio 2-Show sowie einen TV-Talk und ein Kino-Magazin jährlich sogar sechs Millionen Pfund. Doch für die Moderatoren steht mehr auf dem Spiel als finanzielle Einbußen. Auf beleidigende und böswillige Telefonanrufe steht in Großbritannien bis zu sechs Monate Haft.

Der Skandal ist noch nicht vorbei. Zu langsam und zögerlich hat die BBC auf die Verfehlungen reagiert, so der vielstimmige Vorwurf. Noch am Dienstag hatte der Director von Audio and Music bei der BBC, Tim Davie, versucht, die Wogen zu glätten, indem er gegenüber dem Fernsehen versprach, „sich gründlich anzusehen, was geschehen ist, und angemessene Maßnahmen zu ergreifen“. Die internen Untersuchungen dauern indes an.

Ein Sprecher sagte: „Wir wissen derzeit noch nicht, wer die Genehmigung für die Sendung erteilt hat“. Die verantwortlichen Vorgesetzten sind noch immer nicht zur Rechenschaft gezogen worden. Unterdessen hat auch die britische Medien-Aufsichtsbehörde eigene Untersuchungen aufgenommen. Sollte sich der Verdacht auf Bruch des Rundfunk-Verhaltenskodex bestätigen, droht dem Sender ein Bußgeld von 250.000 Pfund.

Nachdem er drei Tage lang geschwiegen hatte, hat sich BBC-Generaldirektor Mark Thompson immerhin zu einer öffentlichen Entschuldigung durchringen können: „Die öffentliche Meinung zeigt ganz klar, dass diese Sendung eine ernste Verärgerung ausgelöst hat und ich teile diese Meinung“.

Die Affäre spielt Kritikern in die Hände, die der öffentlich-rechtlichen British Broadcast Corporation die Überschreitung ihres Auftrags und einen verschwenderischen Umgang mit öffentlichen Geldern vorwerfen – und schon lange eine Reglementierung fordern.

Tatsächlich übertrifft die öffentliche Anteilnahme an dem Fall alles Dagewesene. Bei der BBC selbst gehen weiterhin Beschwerden ein. Die Aufnahme, die bei Youtube zu hören ist, wurde 700.000 mal abgerufen und hat hat bereits mehr als 9.000, überwiegend negative Kommentare provoziert.

Beide Moderatoren haben sich mittlerweile öffentlich entschuldigt. Das Opfer der Verunglimpfung, Andrew Sachs, hat die Entschuldigungen angenommen. Sachs‘ Enkelin Georgina Baillie ergriff mittlerweile die Gelegenheit, ihre Ansichten „exklusiv“ auf der Website des Boulevard-Blatts „The Sun“ zu schildern.

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