Anzeige

Angst bei G+J: Was wird eingestellt?

Gruner + Jahr ist so etwas wie der Daimler der Medienbranche. Ein starkes, renommiertes Vorzeige-Unternehmen, das von der Finanzkrise kalt erwischt wird und plötzlich strauchelt . Vorstandschef Bernd Kundrun hat jetzt eine Marktbereinigung angekündigt. Titel, die keine Aussicht haben, die Krise zu überstehen, sollen eingestellt werden. Womöglich noch in diesem Jahr. Außerdem kürzt der Verlag Kosten bei Spesen, Reisen und Events um 20 Prozent. Nun geht die Angst um.

Anzeige

Einige Gruner-Titel aufzuzählen, die nicht ganz so toll performen, um es vorsichtig auszudrücken, fällt nicht schwer. Der „stern“-Foto-Ableger „View“ fällt einem da ein oder das Psychologie-Magazin „Emotion“. Bei letzterem Heft ist die Auflagen-Entwicklung in der Tat so katastrophal, dass man sich verschärft Sorgen um das Blatt machen muss. Einzelverkauf nur 53.000 Exemplare, Abos etwas über 18.000 und mehr als 25.000 sonstige Verkäufe. Auch für das Edel-Magazin „Park Avenue “ dürfte es sehr eng werden. Das Heft existiert fast ausschließlich an Bord von Flugzeugen. Einer Bordauflage von über 37.000 Exemplaren stehen mickrige 22.436 einzeln verkaufte Hefte gegenüber. Autsch. Gebeutelt wurde in jüngster Zeit auch die „Essen & Trinken“-Gruppe. Der einstige Shooting-Star „essen & trinken für jeden Tag“ musste herbe Auflagenverluste von zuletzt 24 Prozent wegstecken.

Das alles sind aber womöglich die berühmten Peanuts im Vergleich zu einem der größten Verlustbringer des Hauses: das Sorgenkind „Financial Times Deutschland“. Im Jahr acht ihres Bestehens ist die Zeitung weiter weg von schwarzen Zahlen denn je. Eine Zeitung wie die „FTD“ ist extrem abhängig von Anzeigenkunden aus der Finanzbranche. Und die stornieren derzeit wie wild. Man braucht kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass die Anzeigenbudgets in diesem Sektor für das kommende Jahr auch nicht rosig ausfallen werden. Großes Einspar-Potenzial dürfte der Verlag bei der „FTD“ nicht mehr haben, will er die Qualität der Zeitung nicht gefährden. Eine Einstellung der „FTD“ aber wäre eine herbe Niederlage für Vorstandschef Bernd Kundrun. Immerhin hat er das Blatt 2000 als Zeitungsvorstand aus der Taufe gehoben. Und gerade erst zum Jahresbeginn 2008 hat G+J die 50 Prozent des bisherigen Partners Pearson, der die englische „Financial Times“ verlegt, aufgekauft. Allein, dass die Macher der Original-„FT“ kein Interesse mehr an einer „FTD“ haben, spricht Bände.

Die bisherigen, „sanften“ Sparmaßnahmen des Hauses greifen offenbar nicht weit genug. So hat Gruner bereits einen Einstellungsstopp verkündet und rund 60 Mitarbeitern Abfindungsangebote unterbreitet. Reicht alles nicht. Laut „Horizont“ rechnet man im Verlag mit einem Umsatzminus von 30 Millionen Euro im laufenden Jahr, wobei allein der „stern“ einen hohen einstelligen Millionen-Betrag verlieren soll. Nächstes Jahr wird es wohl noch schlimmer. Auch in anderen Ländern, in den G+J aktiv ist, sieht es düster aus. Die Spar-Maßnahmen treffen nicht nur Deutschland. In einem Brief an die Mitarbeiter schreibt Kundrun: „Anstehende Personalmaßnahmen sind und wirken für die Betroffenen hart, in der Verantwortung für das Gesamtunternehmen sind sie jedoch unausweichlich.“ Zudem sollen Spesen und Veranstaltungskosten in allen Unternehmensbereichen um 20 Prozent reduziert werden. Kein Zweifel: Die Mitarbeiter bei Gruner + Jahr sehen einem unruhigen Jahresabschluss entgegen.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige