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Skurrile Kandidaten für ZDF-„Lesen!“

Das ZDF hat "Lesen!"-Moderatorin Elke Heidenreich wegen ihrer Schmäh-Kritik am Sender gefeuert. Jetzt dreht sich das Nachfolge-Karussell. Und wie. Laut "Bunte" stehen drei Personen für eine ZDF-Büchersendung zur Debatte, die wohl niemand auf der Rechnung hatte: ARD-Bücherwurm Denis Scheck, Harald Schmidt und... Hape Kerkeling. Laut ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut soll Marcel Reich-Ranicki den Sender bei der Auswahl eines Heidenreich-Nachfolgers beraten.

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Die drei Namen der Nachfolge-Kandidaten werden vom ZDF nicht offiziell bestätigt. Wohl aus gutem Grund. Sollte das stimmen, würde sich der Sender der Lächerlichkeit preisgeben. Während Denis Scheck noch eine Expertise als Buchexperte hat und seit 2003 die monatliche Sendung „Druckfrisch“ sonntagabends im Ersten moderiert, erscheinen Hape Kerkeling und Harald Schmidt eher als (quotenträchtige) Gag-Kandidaten. Insider munkeln ja schon lange, dass das ZDF sehr an einer Zusammenarbeit mit Kerkeling interessiert ist. Aber ihm eine Büchersendung anbieten, nur weil er mit seinem Jakobsweg-Pilgerbuch „Ich bin dann mal weg“ gleichsam aus Versehen einen Bestseller gelandet hat? Dann könnten die Mainzelmännchen genauso gut Dieter Bohlen über Literatur reden lassen. Der ist auch nicht so doof, hat sogar mehrere Bestseller geschrieben und ist überregional bekannt. Sogar in der vom ZDF so heiß begehrten jungen Zielgruppe. Und Harald Schmidt, der zusehends lustlos seine wöchentliche Late-Night-Show herunterkurbelt? Kaum vorstellbar, dass er den Büchergeschmack des eher weiblichen Lese-Publikums ähnlich zu treffen vermag wie Elke Heidenreich.

Die soll sich laut „Bunte“ mittlerweile auch wieder mit Thomas Gottschalk versöhnt haben. Heidenreich war den Moderator in Ihrer Kritik zur Fernsehpreis-Verleihung übraus hart angegangen, hatte ihn als unintelligent, uncharmant und unwitzig gebrandmarkt. Gegenüber „Bunte“ sagte Gottschalk, dass er Heidenreich eine persönliche E-Mail geschrieben habe, die sie umgehend und ausführlich beantwortet habe. Heidenreich gilt in der Branche als nicht gerade einfach und impulsiv. Viele halten ihren Rauswurf darum für gerechtfertigt. Trotzdem hat das ZDF nun ein dickes Personal-Problem. Leute, die glaubwürdig und gut Büchersendungen im TV präsentieren können, gibt es nicht viele. Und auch Denis Scheck müsste erst einmal von der ARD losgeeist werden.

Was sich ZDF-Programmdirektor Bellut vom Rat des greisen Marcel Reich-Ranicki verspricht, ist zudem unklar. Belluts Vorstellung, dass MRR „jährlich ein, zwei Sendungen“ selbst moderieren könne, zeigt wie groß die Not beim Sender sein muss. Reich-Ranicki hat das ganze Theater eröffnet, indem er den Fernsehpreis für sein Lebenswerk ablehnte, mit der Begründung, die Preisverleihung sei eine „erbärmliche Veranstaltung“ und das Fernsehen biete überhaupt eine jämmerliche Qualität. Elke Heidenreich war dem Literaturkritiker in der „FAZ“ beigesprungen und hatte verkündet, sie schäme sich für ihren Sender, worauf das ZDF die Konsequenzen zog. Sollten die Personal-Spekulationen um ihre Nachfolge stimmen, hätte sie noch mehr Grund, sich für das ZDF zu schämen.

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