Geschichtsmagazine so schwach wie selten

Der Riesenerfolg der ZDF-Geschichtsunterrichts-Reihe "Die Deutschen" hat die gesamte Branche überrascht. Doch konnte man mit einem solchen Erfolg im Vorfeld rechnen? Steigt auch die Beliebtheit des Themas Geschichte am Kiosk? Im Gegenteil, wie die aktuellen IVW-Zahlen zeigen. Titel wie "Geo Epoche", "P.M. History", "Damals" und "G/Geschichte" befinden sich auf dem Weg nach unten, erreichen momentan so schwache Auflagen wie seit Jahren nicht mehr.

Anzeige

Der auflagenstärkste Titel der vier von der IVW geprüften Geschichtsmagazinen ist unangefochten „Geo Epoche“. Mit derzeit 179.256 verkauften Exemplaren liegt das immer wieder grandiose Gruner+Jahr-Magazin in etwa auf dem zweieinhalbfachen Auflagen-Niveau des zweitplatzierten „P.M. History“ (ebenfalls Gruner + Jahr). Zwar unterliegt die „Geo Epoche“-Auflage wegen der monothematischen Ausrichtung stärkeren Schwankungen als die von anderen Blättern, doch eine Abwärtstendenz ist seit 2007 klar erkennbar:

Noch vor einem Jahr verkauften sich 211.969 Hefte, im ersten Quartal 2007 sogar schonmal mehr als 225.000. [Nachtrag: Ein Teil des Auflagen-Minus könnte allerdings auch mit des Wechsels der Erscheinungsweise zusammenhängen, „Geo Epoche“ erscheint seit 2008 zweimonatlich statt vierteljährlich. Lesen Sie dazu bitte auch die Kommentare am Ende dieses Textes.] Mit aktuell 73.495 verkauften Heften folgt „P.M. History“ also auf Platz 2. Zwar verzeichnet das Magazin im Vergleich zum Vorjahresquartal ein Plus von rund 4.000 Heften, doch das damalige Quartal war auch das mit Abstand schlechteste aller Zeiten. Gleich auf Platz 2 der miesesten Quartale der vergangenen fünf Jahre folgt dann das aktuelle. Während die Abo-Auflage dabei recht stabil bleibt, zeigt vor allem die Kurve im Einzelverkauf deutlich nach unten:

Ebenfalls in unserer MEEDIA-Analyzer-Kurve zu sehen: Sonstige Verkäufe spielen bei „P.M. History“ wie auch bei „Geo Epoche“ keine Rolle, Bordexemplare werden überhaupt nicht verteilt. Den beiden kleineren Außenseitern des Segments, „G/Geschichte“ aus dem Johann Michael Sailer Verlag, und „Damals“ von der Konradin Medien GmbH, geht es keinesfalls besser als den großen Gruner+Jahr-Titeln. So rutschte „G/Geschichte“ mit 38.208 verkauften Exemplaren auf die schwächste Quartals-Auflage seit zwei Jahren, „Damals“ verkaufte sich mit 26.697 Heften sogar so schlecht wie seit 1993 nicht mehr. Im Vergleich zum Vorjahr gingen bei „Damals“ fast 13% der verkauften Auflage verloren.

Der sensationelle Erfolg der ZDF-Reihe „Die Deutschen“ lässt sich also mit einem allgemein gestiegenen Interesse an Geschichts-Themen nicht erklären. Zumindest am Kiosk bleibt das Historische ein Randthema, das sogar immer weniger Leute zu begeistern scheint. Vielleicht ist aber auch einfach noch kein Magazin auf dem Markt, dass die Geschichte so anschaulich erzählt wie es die ZDF-Reihe macht. Sollten die Quoten der zehnteiligen Doku allerdings so hoch bleiben, werden sich garantiert weitere TV-Sender und Verlage auf Geschichts-Themen stürzen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige