Sensationserfolg „Die Deutschen“: Qualität und Quote schließen sich nicht aus

Just als sich die Debatte um Qualität im deutschen Fernsehen wieder etwas abschwächt, sorgt ausgerechnet das TV-Publikum für den vielleicht wichtigsten Diskussionsbeitrag. Es will eben doch nicht nur Trash, US-Serien und Fußball sehen. Ausgerechnet eine zutiefst seriöse Geschichts-Doku des ZDF ist der Überraschungserfolg der Stunde: "Die Deutschen". 6,48 Mio. sahen den ersten Film des ZDF-Zehnteilers am Sonntagvorabend, […]

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Just als sich die Debatte um Qualität im deutschen Fernsehen wieder etwas abschwächt, sorgt ausgerechnet das TV-Publikum für den vielleicht wichtigsten Diskussionsbeitrag. Es will eben doch nicht nur Trash, US-Serien und Fußball sehen. Ausgerechnet eine zutiefst seriöse Geschichts-Doku des ZDF ist der Überraschungserfolg der Stunde: "Die Deutschen".

6,48 Mio. sahen den ersten Film des ZDF-Zehnteilers am Sonntagvorabend, darunter 1,98 Mio. 14- bis 49-Jährige. Marktanteile von 20,9% und 16,5%, sowie die Plätze 2 und 4 in den wie immer extrem umkämpften Sonntags-Quotencharts. Vor allem die Menge an jungen Zuschauern überrascht dabei. Zwar war der sonntägliche 19.30-Uhr-Doku-Sendeplatz schon immer ein Quotengarant, doch zuletzt ließ das Interesse dort spärbar nach. Bis jetzt. Mit 1,98 Mio. jungen Zuschauern übertrafen "Die Deutschen" den 12-Monats-Durchschnitt des Sendeplatzes (0,89 Mio.) um mehr als das Doppelte. Dass diese Steigerung mit einer aufwändig produzierten, aber keineswegs flachen und überdramatisierten Doku, sondern mit seriösem, intelligent erzähltem Geschichtsunterricht gelang, ist ebenso erfreulich wie die Tatsache, dass das junge Publikum den Film dem üblichen Sonntagvorabendprogramm der Konkurrenz vorzog und auf "Nur die Liebe zählt" oder "Effenbergs Heimspiel" verzichtete.

In ihrem stärksten Abschnitt, um 20 Uhr, sahen am Sonntag sogar 2,31 Mio. 14- bis 49-Jährige und insgesamt mehr als 7 Mio. Leute zu. Woher diese plötzliche Begeisterung für deutsche Geschichte kommt, lässt sich nur mutmaßen. Vielleicht ist es auch die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise, die die Menschen dazu veranlasst, sich lieber mit der Vergangenheit zu beschäftigen als mit der Zukunft. Ob der sensationelle Erfolg aber womöglich doch nur eine Eintagsfliege bleibt, zeigt sich schon am Dienstag, wenn das ZDF um 20.15 Uhr Folge 2 ausstrahlt. Die Konkurrenz besteht dann nicht mehr aus Kai Pflaume und Stefan Effenberg, sondern aus "CSI: Miami" und "In aller Freundschaft" – das sind andere Kaliber. Der Qualität im Fernsehen würde es sicher gut tun, wenn das Publikum, insbesondere das junge, auch am Dienstag die "2" auf der Fernbedienung wählen würde.

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