Börsen-Wahnsinn: Der schnelle Ritt vom Hoch in den Crash

Das Blutbad an den Aktienmärkten nimmt kein Ende – nur die Tonlage ändert sich. Tatsächlich scheint der anhaltende Dax-Crash längst zum Alltag geworden zu sein: „Nacktbilder schlagen Dax in der Aufmerksamkeit, letzterer fällt ja auch nur um 9,37 Prozent auf 4.096,17 Punkte“, twitterte PR-Blogger Klaus Eck zur Mittagszeit, als es Deutschlands prominentestem Nachrichtenportal – SPIEGEL […]

Werbeanzeige

Das Blutbad an den Aktienmärkten nimmt kein Ende – nur die Tonlage ändert sich. Tatsächlich scheint der anhaltende Dax-Crash längst zum Alltag geworden zu sein: „Nacktbilder schlagen Dax in der Aufmerksamkeit, letzterer fällt ja auch nur um 9,37 Prozent auf 4.096,17 Punkte“, twitterte PR-Blogger Klaus Eck zur Mittagszeit, als es Deutschlands prominentestem Nachrichtenportal – SPIEGEL Online – wichtiger war, boulevardesque mit dem Nackt-Scanner statt mit dem größten Kurssturz der letzten 21 Jahre aufzumachen.

Und der ging schließlich noch weiter: In der Spitze bis auf fast 4000 Punkte wurde Deutsche Aktienindex (Dax) zum Wochenausklang heruntergeprügelt: Ein nahezu unvorstellbares Niveau, wenn man bedenkt, von wo das Kursbarometer  der deutschen Wirtschaft 2008 gestartet war – bei 8067 Zählern nämlich. Mehr als 50 Prozent Minus also – davon allein heute noch einmal in der Spitze 11 Prozent.

Nur kosmetisch besser sieht es an der Wall Street aus – dem eigentlichen Epizentrum der Finanzmarktkrise. Mehr als sechs Prozent brachen die Notierungen im Leitindex Dow Jones und der Technologiebörse Nasdaq zum Handelsstart ein, um auf ein neues Mehrjahrestief abzutauchen. Der freie Fall scheint sich von Handelstag zu Handelstag zu beschleunigen.

Bemerkenswert dabei: Die gerade vorgelegten Quartalszahlen reflektieren diesen dramatischsten Ausverkauf seit mehreren Jahrzehnten nicht. Apple, Google, Microsoft oder IBM hatten in den vergangenen Tagen abermals Rekorddaten vorgelegt – von Bremsspuren im Zuge der Finanzmarktkrise, die ja nicht erst gestern ausgebrochen ist, ist immer noch wenig zu sehen.  

Was die Notierungen wie Blei zu Boden fallen lässt, sind die zum Teil haarsträubenden Prognosen zur weiteren Geschäftsentwicklung. Jeder weiß: Die Weltwirtschaft befindet sich längst in einer Rezession, die nur noch nachträglich faktisch belegt werden wird.

Doch reflektieren die gegenwärtig drastisch zusammengeschossenen Kurse damit tatsächlich 1:1 den realen Einbruch, der auf uns zukommt? Wer in diesen Tagen durch die Straßen geht – ganz gleich, ob in Hamburg oder New York – kann davon wenig spüren. Von Endzeitstimmung wie in den 30ern keine Spur. Haben die Leute keine Aktien – oder sind ihnen die Kursverluste egal?

Das Leben – und das ist vielleicht die größte Überraschung in diesen bewegten Tagen – scheint weiterzugehen, als wäre nichts gewesen. Vielleicht ist es das auch nicht: Die Prognosen, die die Unternehmen derzeit abgeben, sind nicht nur negativ – sie sind auch von tiefgreifender Verunsicherung geprägt. „Wir befinden uns in unerforschtem Territorium“, hatte etwa Google-CEO Eric Schmidt in der vergangenen Woche bei Veröffentlichung der jüngsten Quartalszahlen erklärt.  Apple-CFO Peter Oppenheimer ergänzte: „Eine genaue Prognose ist schwierig.“

Genau das ist der Punkt: Gegenwärtig nimmt der Markt alle Aktien in Sippenhaft und schießt die Notierungen brutal herunter: Manche um 50 Prozent wie Apple oder Google – manche aber auch um 70 Prozent wie den Blackberry-Hersteller Research in Motion. All diese Unternehmen haben seit Jahren ein hervorragend funktionierendes Geschäftsmodell, das die Krise überleben wird. Apple und Google  sitzen zudem noch immer auf Cash-Beständen in beachtlichen Höhen: Allein 23 von 83 Milliarden von Apples aktueller Börsenbewertung sind Cash – echtes Geld, jederzeit verfügbar.

Der Markt jedoch beginnt in diesen Tagen wahre Untergangsszenarien einzupreisen. Werden die Leute sich keinen Blackberry mehr leisten können? Wird das iPhone, das fast 7 Millionen Käufer in gerade  mal 90 Tagen gefunden hat, plötzlich zum Ladenhüter? Wird der Werbemarkt auf einmal komplett zusammenbrechen? Sicher nicht.

Klar ist: Die Krise wird kommen. Die 1-Billion-Dollar-Aufgabe besteht nun darin, vorherzusehen, wie drastisch der Abschwung seinen Niederschlag in der realen Wirtschaft findet – und in welchem Maß er in den heutigen Kursen bereits eingepreist ist. Gegenwärtig, so könnte es rückblickend betrachtet durchaus sein, sind Anleger in der Hysterie dieser Tage mit ihren Abverkäufen vielleicht schon zu weit gegangen. Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte der Börse. „Die Märkte“, so ein altes Börsianersprichwort, „laufen weiter als man denkt“ – und zwar in beide Richtungen…

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige