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Sind deutsche Start-ups wirklich uncool?

Top-Blogger Robert Basic fragt und das Web diskutiert: Warum sind deutsche Internet-Gründungen so uncool? Die deutschen Surfer nutzen lieber Youtube statt MyVideo und Sevenload. Im Gegensatz zu Yigg halten sie Digg für viel besser und Mister Wong gilt als Kopie von Del.icio.us. Die meisten US-Dienste haben sogar bessere Zugriffsraten in Deutschland als die einheimischen Plattformen. Große Ausnahme: StudiVZ, das Facebook keine Chance lässt.

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In seinem Beitrag liefert Basic keine Antworten. Er fragt nur: „Will der Deutsche keine deutschen Webservices? Will er keine Arbeitsplätze hier, sondern lieber Amis im Amiland beschäftigen? Glaubt man, dass die Amis die besseren Web-Architekten sind?“

Das Erfolgsgeheimnis von StudiVZ ist einfach erklärt: Sie waren weit vor Facebook in Deutschalnd online und damit aus nationaler Sicht Innovationstreiber. Als StudiVZ startete, kannten selbst in der digitalen Bohème nur die wenigsten das Vorbild Facebook. Das war bei anderen Start-ups wie Sevenload oder Yigg anders: Die US-Angebote waren bereits in den USA erfolgreich und in Deutschland als Firstmover bekannt. Damit hatten die einheimischen Unternehmen gleich das Etikett der Kopie anhaften.

Dieser Copycat-Vorwurf ist ein Makel, den die deutsche Web2.0-Szene kaum mehr los wird. Fragt man US-Experten wie den Techcrunch-Chef Michael Arrington nach Netz-Innovationen „made in Germany“, läuft der aufbrausende Blogger erst rot an, um dann wortgewaltig über die Deutschen als einen Haufen von Plagiatoren zu schmipfen. Zum Teil hat der Mann auch recht: Yigg und Webnews sind Kopien von Digg, StudiVZ von Facebook, Mister Wong von Del.icio.us und Verwandt von Geni.

Deutsche Visionen, Konzepte oder wenigstens interessante Variationen von bestehenden Erfolgsmodellen sind rar. Die Cornflakes-Revolutionäre von MyMuesli hatte eine eigene Idee, genauso wie die neue Geschmacksuchmaschine Armonicon, der Location-Dienst Plazes oder die Browsergame-Schmiede Bigpoint. Die Kreativität aller dieser Start-ups zahlt sich aus. MyMuesli verdient gutes Geld, für Palzes griff Nokia tief in die Tasche und Bigpiont wurde gerade teuer von NBC Universal eingekauft.

Einen weiteren Aspekt benannte Sevenload-Gründer Ibrahim Evsan in einem MEEDIA-Interview. Er glaubt, dass jede noch so kleine US-Idee hierzulande gleich diskutiert wird. Doch: „Europa wird von den Amerikanern kaum wahrgenommen. Aber wir sind hier Kämpfer. Das ist wie im Film „300“. Wir sind die Spartaner im Kampf gegen die gesamte mächtige amerikanische Internet-Welt.“

In den Kommentaren zu Basics-Text weist „Moti“ auf einen wichtigen Unterschied hin. „Die meisten deutschen Start-upper haben keine Ahnung von Marketing. Damit ist nicht die Vermarktung gemeint, sondern Marketing im Bezug auf den User, also echte Kundenorientierung. Statt Servicenutzen zu bieten, agiert man Innenorientiert.“

Was glauben Sie: Sind die deutsche Start-ups wirklich uncool?

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