Ein Feuerwehrmann für die WAZ

GWP-Chef Harald Wahls verlässt den Vermarkter der Verlagsgruppe Handelsblatt. Er wechselt voraussichtlich zur Essener WAZ Gruppe, um dort die deutschen Zeitungen auf Vordermann zu bringen. Geholt hat ihn WAZ-Chef Christian Nienhaus. Die beiden kennen sich aus gemeinsamen Zeiten bei der "Berliner Zeitung". Als Verlagsgeschäftsführer NRW bei der WAZ kommt auf Wahls eine große Aufgabe zu. Die Auflagen rauschen nach unten, Titel sind defizitär, die Belegschaft ist verunsichert.

Anzeige

Der Wechsel von Wahls zur WAZ ist zwar noch nicht offiziell. In der Branche wird aber davon ausgegangen, dass alles schon fix gemacht ist. Fraglich ist nur noch der Zeitpunkt. Wahls hat selbst gesagt, dass er seinen Vertrag bei der Verlagsgruppe Handelsblatt gerne erfüllen würde. Das würde bedeuten, er wechselt erst 2010 zur WAZ. Kaum vorstellbar, wenn man sich vor Augen hält, wie sehr bei der WAZ die Hütte brennt. WAZ-Boss Nienhaus braucht seinen Feuerwehrmann Wahls definitiv früher als 2010. Wahrscheinlich ist die Aussage von Wahls ein Signal an seinen Noch-Arbeitgeber, dass er so lange bleiben will, bis man seine Nachfolge ordentlich geregelt hat. Man darf davon ausgehen, dass dies deutlich vor 2010 geschehen wird.

Bei der Verlagsgruppe Handelsblatt ist auch Einiges im Umbruch. Gerade erst ist der Co-Geschäftsführer Laurence Mehl gegangen. Gegangen worden, meinen manche, die von Auseinandersetzungen mit Verleger Stefan von Holtzbrinck berichten. Für Wahls ist der Wechsel zur WAZ endlich die Rückkehr zum operativen Zeitungsgeschäft. Als GWP-Chef hat er einen guten Job gemacht, aber das Herz von Wahls schlägt fürs Zeitungsgeschäft. Als Geschäftsführer der „Saarbrücker Zeitung“ (gehört auch zu Holtzbrinck) und von Axel Springers „B.Z.“ und „Berliner Morgenpost“ hat er in der Vergangenheit anerkannt gute Jobs gemacht. Wahls gilt als Vollblut-Zeitungsmann. Bei Springer musste er seinen Hut nehmen, weil die „Morgenpost“ mit der „Welt“-Redaktion fusioniert wurde. Gut möglich, dass er bei der WAZ Gruppe Reformen von ähnlichem Ausmaß anschieben muss.

Die deutschen WAZ-Titel in Nordrhein-Westfalen, „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“, „Westfälische Rundschau“, „Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung“ und „Westfalenpost“ zählen zu den großen Verlierern in der aktuellen IVW-Auflagen-Analyse. Alle Titel werden dort nur gemeinsam gezählt. Sie verloren gemeinsam 3,2 Prozent an verkaufter Auflage, das sind fast 30.000 Exemplare. Nienhaus will die Titel mit allen Mitteln wieder in die Gewinnzone bringen. Bei der WAZ stellt man sich wegen des bevorstehenden Sparkurses auf eine harte Auseinandersetzung mit den Arbeitnehmern ein. Der Betriebsrat hat bereits Juristen engagiert und bereitet sich auf Arbeitsrecht-Prozesse vor. Die Unternehmens- und Personalberatung Schickler durchkämmt das Haus. Ein größerer Stellenabbau ist angekündigt. Es gibt viel zu tun für den neuen WAZ-Mann Wahls.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige