Deutscher Dr. House heißt „Dr. Molly“

Auch Sat.1 hat jetzt seinen Dr. House. Er ist unverschämt, rüde, sarkastisch genial und – eine Frau. Ab heute startet die neue eigenproduzierte Medical-Serie „Dr. Molly & Karl“. Doch kann die deutsche Version des Rüpel-Doktors dem Sender dieselben Traumquoten bescheren wie RTL-Halbgott Dr. House der Konkurrenz? Bislang fielen deutsche Kopien von US-amerikanischen Serienhits beim Publikum regelmäßig durch. Ob „Dr. Molly“ dasselbe Schicksal droht? MEEDIA hat die Serie vorab angesehen.

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„Mein Name ist Dr. Carlotta Edelhardt. Ich freue mich!“ „Und mein Name ist Bye-Bye-Psychotante. In dieser Klinik ist kein Platz für uns zwei“. So in etwa hört es sich an, wenn Dr. Susanne Molberg (Sabine Orléans) neue Kollegen willkommen heißt. Die Ärztin, wegen ihrer Leibesfülle Dr. Molly genannt, ist zwar eine Koryphäe auf dem Gebiet der Neurochirurgie, fällt aber regelmäßig durch ihre rüde Art und ihrem scharfen Sarkasmus gegenüber ihren Mitmenschen völlig aus der Rolle.

Um nicht wichtige Fördergelder und Patienten zu verlieren, sieht Klinikdirektor Dr.Klarholdt (Dominik Bender) nur eine Möglichkeit: Die Psychologin Dr. Edelhardt (Susanne Simon) soll Molly bremsen. Aber schon an ihrem ersten Arbeitstag werden Wetten im Klinik-Team abgeschlossen, wie lange sie es an Mollys Seite aushalten wird. Dr. Carlotta Endelhardt – von Molly nur abwertend „Karl“ genannt – erweist sich allerdings als erstaunlich resistent und lässt sich von der resoluten Medizinerin verbal nicht in die Knie zwingen.

Mit schnellem Tempo und intelligenten Dialogen werden die beiden Damen nun die nächsten 13 Wochen immer donnerstags zur Primetime auf die Sat.1-Zuschauer losgelassen. Die Ähnlichkeiten mit RTL-Quotenbringer Dr. House sind dabei unübersehbar: Jede Folge wird ein komplizierter medizinischer Fall mit recht unkonventionellen Methoden vom Team um Dr. Molly gelöst. Das Original wird dabei -vom gemeinschaftlichen Diagnose-Ratespiel bis hin zu Musik-Einspielern während der Operationen- gnadenlos kopiert.

Und natürlich Dr. Molly: Was Wortwitz und Sarkasmus angeht, kann sie es durchaus mit dem großen Vorbild aufnehmen. Doch während Dr. House mit seiner spröden Art, dem Dreitagebart und seiner schlechten Laune cool & sexy wirkt, nervt der immergleiche Blick und die monotone Tonlage von Sabine Orléans alias Dr. Molly zuweilen gewaltig. Zum Glück hat sie mit Susanne Simon einen sanften Gegenpart zur Seite gestellt bekommen. Im Team funktionieren die beiden Schauspielerinnen nämlich meist ganz ausgezeichnet.

Überhaupt wird es bei „Dr. Molly & Karl“ immer dann spannend, wenn sich die Serie weniger an ihrem Original orientiert. Im Gegensatz zum einsamen Dr. House hat Molly Kinder. Und wenn sie abends, nach geglückter Operation, ruhig und sanft ins Auto ihres Ehemannes steigt, erlangt die Figur durch den Bruch eine Tiefe, von der auch ein Dr. House lernen könnte.

Schade nur, dass die Serienmacher just in diesen Momenten die Finger nicht von der Kitsch-Kiste lassen können: Molly: „Sag mal, warum schmeckt Suppe noch besser wenn sie aufgewärmt wird?“- Ehemann: „Vielleicht weil es ist, wie wenn man einen alten Freund wieder trifft: Seit man ihn zuletzt gesehen hat, hat der andere sein Leben gelebt, genau wie man selbst. Aber es gibt ihn noch, genau wie einen selbst“.

Auch an anderen Stellen ruckelt es gewaltig: Während das Team um Dr. Molly gut besetzt ist, irritieren die Nebenrollen. Collin Fernandes als Krankenschwester „Sonnenschein“ ist schauspielerisch ein Witz und Klinikseelsorger Jack Gildenstein (Roman Knizka) sieht aus, als hätte ihn die Popstars-Jury gecastet.

Insgesamt fehlt „Dr. Molly & Karl“ noch der gewisse Feinschliff. Den Vorwurf, nur eine billige Kopie zu sein, muss sich die Serie dank des hervorragenden Drehbuchs von Martin Rauhaus dennoch nicht gefallen lassen. Mit ein wenig Zeit und Mut zur Emanzipation vom großen Vorbild könnte „Dr. Molly & Karl“ ein Highlight in der deutschen Serienlandschaft werden – vorausgesetzt die Zuschauer geben dem ungewöhnlichen Format eine Chance.

„Dr. Molly & Karl“ läuft immer donnerstags 21:15 Uhr bei Sat.1

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