Apple beeindruckt mit Milliarden-Gewinn

Zweite Woche der US-Berichtssaison: Nach Google, eBay und Intel legte nun auch Apple seine Quartalszahlen vor. Die Präsentation der jüngsten Geschäftsdaten wurde zum Triumphzug – wieder einmal konnte das Kultunternehmen aus Cupertino ein Rekordquartal verkünden. Besonders die iPhone-Absätze verblüfften Analysten und Anleger. Doch die Präsentation kam mit einer Giftpille daher: Der Ausblick für das laufende Quartal ist erschreckend schwach.

Anzeige

Showtime für Apple. Wieder einmal war es so weit: Apple, das wahrscheinlich meistgeliebte Technologieunternehmen der Welt, musste Farbe bekennen. Die Spannung hätte kaum größer sein können: Würde Apple die Auswirkungen der Finanzmarktkrise zu spüren bekommen, würde das Momentum der vergangenen Jahre, in denen Apple kontinuierlich an Marktanteil gewonnen hat, schließlich zu Ende gehen?

Auf den ersten Blick sieht es nicht danach aus. Ganz im Gegenteil: Apple verkündete auch im abgelaufenen Dreimonatszeitraum Juli bis September, der zugleich das vierte und letzte Geschäftsquartal des Unternehmens darstellt, Rekordergebnisse. Und was für welche! Im abgelaufenen Quartal konnte das Kultunternehmen aus Cupertino bei Umsätzen von 7,9 Milliarden Dollar einen Netto-Gewinn von 1,14 Milliarden US-Dollar bzw. 1,26 Dollar je Aktie erzielen.

Apple selbst hatte seine Schätzungen bei exakt 1,00 Dollar taxiert, während die von Thomson Reuters befragten Analysten von 1,10 Dollar je Anteilsschein ausgegangen waren. Im Vorjahresquartal hatte Apple noch bei Umsätzen von 6,22 Milliarden US-Dollar einen Netto-Gewinn von 904 Millionen US-Dollar oder 1,01 US-Dollar pro Aktie erzielt. Der Gewinn sprang damit immer noch um 26 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, während die Umsätze gar um 27 Prozent zulegten.

Beeindruckende iPhone-Verkäufe: 6,9 Millionen Stück in drei Monaten verkauft

Entsprechend zufrieden zeigte sich CEO Steve Jobs: „Apple hat gerade eines der besten Quartale der Firmengeschichte bekannt gegeben“, ordnete der visionäre Apple-Gründer die Bilanz ein, um im selben Atemzug den wahren Treiber des Erfolges zu nennen: „Mit einem geradezu unglaublichen Ergebnis beim iPhone!“

Tatsächlich erscheinen die Abverkäufe der zweiten Generation von Apples Mobiltelefon wie vom anderen Stern. Nach 1,2 Millionen Geräten im Vergleichszeitraum im Vorjahr wurden nunmehr 6,9 Millionen iPhones verkauft! Damit sind nicht nur die kühnsten Analystenschätzungen weit übertroffen worden, die noch von 5 oder 5,5 Millionen verkauften Endgeräten ausgingen: „Wir haben auch mehr Mobiltelefone verkauft als RIM“, frohlockte Steve Jobs.

So weit, so phänomenal. Während die iPod-Verkäufe mit mehr als 11 Millionen Einheiten auch im siebten Jahr ihrer Einführung nochmals gesteigert werden konnten (plus 17 Prozent), lagen die Abverkäufe bei Macintosh-Computern mit 2,6 Millionen Geräten leicht unter den Erwartungen der Analysten, die zumindest von 2,7 Millionen Mac-Verkäufen ausgegangen waren.

Anleger ignorieren „brutal schlechten Ausblick“

Eine echte Bombe ließ Apple-CEO-Steve Jobs jedoch im begleitenden Ausblick auf das laufende Quartal fallen. Traditionell neigt Apple dazu, sehr konservative Schätzungen herauszugeben. Doch so konservativ? Statt des von der Wall Street erwarteten Gewinns von 1,65 Dollar je Aktie leistete sich Apple den Luxus, eine extrem skeptische Einschätzung abzugeben.

„Vorausschauend ist eine genaue Prognose schwierig. Wir sind vorsichtig beim Ausblick auf das Dezember-Quartal“, erklärte CFO Peter Oppenheimer. „Bei Umsätzen von 9,0 Milliarden bis 10,0 Milliarden Dollar erwarten wir einen Gewinn je Aktie zwischen 1,06 und 1,35 Dollar.“ In einem ersten Statement nannte der frühere Merrill Lynch-Internetanalyst Henry Blodget die Zahlen „schockierend schlecht“.

Selbst wenn der Gewinn am positiven Ende der Schätzungen liegen sollte und Apple seine eigenen Prognosen in bekannter Manier übertrifft, dürfte es doch schwer werden, an das Vorjahresergebnis anzuknüpfen, das noch bei 1,76 Dollar je Aktie gelegen hatte. In anderen Worten bedeutet dies bei aller Hochstimmung über das iPhone: Die dramatische Finanzmarktkrise geht auch an Apple nicht spurlos vorbei. Erstmals seit dem Dot.com-Crash 2000 könnte sich das Gewinnwachstum damit rückläufig entwickeln. Das heißt nichts anderes als: Apple könnte im laufenden Quartal nach acht Jahren wieder schrumpfen.

Börsianer, die die Apple-Aktie angesichts der Rezessionsaussichten in den vergangenen Monaten hart abgestraft hatten, ignorierten diese eher düsteren Aussichten und schickten das Papier in einer Erleichterungsrallye über die starken iPhone-Absätze nachbörslich um mehr als 13 Prozent auf 104 Dollar nach oben.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige