Print lebt – zum Beispiel „Neon“

Viel ist die Rede davon in diesen Tagen, dass die Gattung Print stirbt. Auflagen von Regionalzeitungen befinden sich vielerorts im freien Fall, einigen Magazinen geht es auch nicht wirklich gut. Jaja. Aber "sterben" ist nun doch ein etwas zu großes Wort. Vielleicht stirbt Print nicht, es schrumpft bloß ein bisschen. Und auch das nicht überall. Nehmen wir "Neon". Das Magazin, das die ehemaligen Macher der "SZ"-Jugendbeilage "Jetzt" für Gruner + Jahr entwickelt haben. Weiter zum Blog von Stefan Winterbauer

Anzeige

Viel ist die Rede davon in diesen Tagen, dass die Gattung Print stirbt. Auflagen von Regionalzeitungen befinden sich vielerorts im freien Fall, einigen Magazinen geht es auch nicht wirklich gut. Jaja. Aber „sterben“ ist nun doch ein etwas zu großes Wort. Vielleicht stirbt Print nicht, es schrumpft bloß ein bisschen. Und auch das nicht überall. Nehmen wir „Neon“. Das Magazin, das die ehemaligen Macher der „SZ“-Jugendbeilage „Jetzt“ für Gruner + Jahr entwickelt haben.

Gerade habe ich die neue Ausgabe von „Neon“ in die Finger bekommen und muss sagen: Das Blatt ist toll. Schönes, ansprechendes Layout. Interessanter Themenmix. Da steht zum Beispiel eine grandiose Reportage über einen Mann, der mit einem verpflanzten Herz lebt. Oder die Titelgeschichte, warum man lernen sollte, sein wahres Alter zu akzeptieren. Dann ein schönes Interview mit Olli Dittrich, eine Kolumne zum Kindle und und und. Ehrlich gesagt fand ich fast alles in der neuen „Neon“-Ausgabe gut und lesenswert und schön anzuschauen.

Komisch, ich dachte die ganze Zeit, ich sei zu alt für das Blatt. Das sei ein Magazin für Endzwanziger und Anfangdreißiger, die denken „Eigentlich sollten wir erwachsen werden.“ Ich selbst bin Ende Dreißig und finde meine Lebenswelt in dem Heft ganz gut abgebildet. Ob das daran liegt, dass die Macher auch älter geworden sind? Wenn man den Chefredakteur Timm Klotzek grauhaarig, saturiert und verantwortungsbewusst auf Podiumsdiskussionen hocken sieht – der wirkt nicht gerade wie ein Hipster oder ein Revoluzzer. Der wirkt wie einer, der auch mal müde ist. Ich meine das positiv.

Mein subjektiver Eindruck von hoher Qualität wird durch die Auflage gestützt. Die „Neon“-Auflage steigt und steigt, zuletzt auf über 230.000 verkaufte Hefte, davon knapp 180.000 im Einzelverkauf. Und das für happige 3,30 Euro. Ein Traum für jeden Verleger.

Derzeit basteln die Macher ja an einem Nachfolge-Projekt, Arbeitstitel „Nest. Da sollen dann die etwas älteren Leser angesprochen werden, die schon Familie haben undsoweiter. Ich glaube ja nicht, dass das klappt. Die aktuelle „Neon“ deckt diese Zielgruppe meiner Meinung nach bereits perfekt ab. Ich gehe da mal von mir selbst aus. Ein auf hip getrimmtes „Eltern“-Heft würde ich wohl eher nicht kaufen wollen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige