Die größten Verlierer der Zeitungskrise

Die neuen IVW-Zahlen zeigen es: Die Auflagenkrise der Tageszeitungen weitet sich aus. Fast alle deutschen Blätter haben auch im dritten Quartal Käufer verloren. Am bittersten sah es dabei erneut für die "Berliner Zeitung" aus, die satte 6,4% ihrer Vorjahresauflage einbüßte. Auch "Bild", "Express" und die Zeitungen der WAZ-Gruppe gehören zu den großen Verlierern. Einzige echte Gewinner des Quartals: die "Süddeutsche Zeitung" und das "Handelsblatt".

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Die beiden überregionalen Blätter sind nämlich die beiden einzigen der über 50 von MEEDIA untersuchten wichtigsten Tageszeitungen des Landes, die ihre harte Auflage, also die Zahl der am Kiosk oder über Abo abgesetzten Zeitungen, erhöhen konnten. Die „Süddeutsche Zeitung“ glich leichte Verluste im Abonnentenstamm durch ähnlich viele hinzugewonnene Kiosk-Käufer aus, das „Handelsblatt“ gewann sogar in beiden Kategorien um 1,1% bzw. 0,6% hinzu. Im Ranking der überregionalen Zeitungen, bei der wir die gesamte verkaufte Auflage werten, sieht die Lage noch besser aus:

Neben der „Süddeutschen“ und dem „Handelsblatt“ gehört hier auch die „FAZ“ zu den Siegern. Doch ein genauerer Blick auf die Zahlen verrät den Grund: Eine massive Steigerung der in Flugzeugen verteilten Bordexemplare glich die Verluste am Kiosk mehr als aus. Auch „Süddeutsche“, „Welt“, „Frankfurter Rundschau“, „Handelsblatt“ und „Financial Times Deutschland“ haben ihre Bordexemplare zum Teil massiv erhöht, um die Auflagen-Zahlen besser aussehen zu lassen.

Noch deutlicher als bei den überregionalen Titeln zeigen die Auflagen der großen Regionalzeitungen, in welche Richtung sich der Markt entwickelt. Dort wird meist mit weniger Bordexemplaren und sonstigen verkäufen operiert, dementsprechend negativ sieht die Entwicklung aus. Nur eine der 43 von MEEDIA untersuchten Zeitungen oder Anzeigenkombinationen konnte zulegen – auch dort allerdings wegen der beliebten Bordexemplare. Bei der harten Auflage verloren also alle 43 Titel. Beginnen wir unsere kleine Deutschlandreise der Zeitungsauflagen gleich im größten Krisengebiet, dem Osten:

Die „Berliner Zeitung“ entpuppt sich dabei als der größte Auflagenverlierer Deutschlands. Mit einem Minus von 6,4% rutscht das Blatt auf den neuen Tiefststand von 162.343 verkauften Exemplaren. Nie zuvor verkaufte sich die „Berliner Zeitung“ so schlecht. Und: Ohne die gesteigerten sonstigen Verkäufe sähe es noch mieser aus. Deutlich verloren hat in der Hauptstadt zudem der „Berliner Kurier“: 4,4%. Auch in den fünf anderen Ost-Bundesländern geht es den Zeitungen nicht wirklich gut: Alle großen Titel verloren zwischen 2,4% und 4,0% ihrer Vorjahresauflage und liegen damit deutlich unter dem bundesweiten Marktdurchschnitt. Besonders viele Verkäufe gingen dabei der WAZ-Tochter Zeitungsgruppe Thüringen (-4,0%) und der „Mitteldeutschen Zeitung“ (-3,9%) verloren.

Auch im Norden und Westen leuchten die roten Zahlen in unserer Auflagenbilanz:

Zwar sind die großen Blätter im Vergleich zu ihren Ost-Kollegen noch halbwegs glimpflich davon gekommen, doch auch hier gibt es einige dicke Minuszeichen. So gingen dem „Express“ in NRW heftige 5,6% der verkauften Auflage abhanden, die Zeitungen der WAZ-Mediengruppe, die leider nicht einzeln ausgewiesen werden, büßten 3,2% ein. Die nicht ganz so schlecht aussehenden Zahlen des „Hamburger Abendblatts“ kommen wiederum aus gesteigerten sonstigen Verkäufen zustande, insbesondere am Kiosk sieht es auch hier schlecht aus.

Den oberflächlich betrachtet einzigen Gewinner unter den Regionalzeitungen finden wir in Hessen:

Die RheinMainMedia-Gruppe, darunter u.a. die „Frankfurter Neue Presse“, legte laut IVW um 1,2% zu. Ein Blick unter die Oberfläche zeigt aber auch hier: das Abo-Minus von 1,6% und das Einzelverkaufs-Minus von sogar 5,8% wurden einzig durch mehr Bordexemplare (+31,9%) und sonstige Verkäufe (+18,6%) ausgeglichen. Die positive Auflagenentwicklung ist also gar keine. Bitter sieht es auch bei der „Rhein-Zeitung“ und der „Saarbrücker Zeitung“ aus, die beide mehr als 2% verloren.

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