Yahoo: Von toten Katzen und totem Kapital

Juhu! Wieder Partytime bei Yahoo: Die Aktie legte Freitag um mehr als zehn Prozent zu – beinahe wie in alten Zeiten. Doch eben nur beinahe. Bei 13 Dollar ist der einstige Internet-Veteran angekommen.  33 Dollar wurden noch vor einem halben Jahr geboten – von Microsoft. Was sich seitdem abgespielt hat, kann getrost als eine der […]

Werbeanzeige

Juhu! Wieder Partytime bei Yahoo: Die Aktie legte Freitag um mehr als zehn Prozent zu – beinahe wie in alten Zeiten. Doch eben nur beinahe. Bei 13 Dollar ist der einstige Internet-Veteran angekommen.  33 Dollar wurden noch vor einem halben Jahr geboten – von Microsoft.

Was sich seitdem abgespielt hat, kann getrost als eine der größten Selbstzerstörungsaktionen der jüngeren Wirtschaftsgeschichte bezeichnet werden.  Und als eine der größten Tragödien! Denn allzu verständlich ist Jerry Yangs stoisches Bemühen, sich ja nicht vom Kraken Microsoft vereinnahmen zu lassen.

Schließlich scheint klar, was bei einer Übernahme aus Redmond passieren würde: Die kreativen Köpfe würden wie die Ratten das sinkende Schiff verlassen – zum Großteil haben sie das sogar schon. Das intellektuelle Kapital, das Yahoo groß gemacht hat, wird kaum für ein so träges Dickschiff wie Microsoft arbeiten wollen, dem noch immer die Aura der  Arroganz, des schlechten Geschmacks und der  Rückwärtsgewandtheit anhaftet. Und, was das Internet angeht, das inzwischen fast tragikomische Stigma, immer als Zweiter gekommen zu sein.

Ironischerweise passen Yahoo und Microsoft damit erstaunlich gut zusammen. Auch der einst mit enormen 100 Milliarden Dollar bewertete Dot.com-Pionier hat es nämlich nie ganz bis nach oben geschafft. Yahoo war immer die nette Marke, die am Ende des Tages aber keiner brauchte. Wer im Internet etwas sucht, geht zu Google und nicht zu Yahoo, wer etwas kaufen will, zu  Amazon oder Ebay und nicht zu Kelkoo, wer flirten oder andere Menschen kennenlernen will, geht zu Facebook, mySpace oder Match.com, aber nicht zu Yahoo 360° – usw, usf.  

Immerhin: Es gibt Yahoo Mail und den Y! Messenger, und es gibt die wirklich coole Foto-Community Flickr. Zusammen genommen würde eine Übernahme also sogar Sinn machen – für Microsoft.  Das Unternehmen wäre im Email- und Messaging-Bereich mit der Zusammenlegung führend und hätte endlich auch im Portalgeschäft Schlagkraft. Bekäme Steve Ballmer im nächsten Schritt auch noch den Zuschlag für Facebook, hätte sich der träge Software-Riese aus Redmond nach einem Jahrzehnt der – mehr oder weniger – kläglichen Versuche doch noch seine Dot.com-Welt zusammengekauft.

Doch das ist ein anderes Thema. Für Yahoo indes wird es eng – so oder so. Es ist längst mit den Dot.coms der Generation 1.0 ins Schlingern geraten, hat den Kampf bei der Internetsuche dramatisch gegen Google verloren und es sieht gegen die neuen Rivalen der 2.0-Ära  – namentlich aus dem Social  Network-Bereich – ziemlich  alt aus…

Kurzum: Yahoos große Zeit ist längst zu Ende. Keine Frage: Das Unternehmen hat seinen Wert, wie Internet-Staranalyst Henry Blodget betont und  richtigstellt – und wahrscheinlich ist es für sich genommen auch mehr wert als die 12 Dollar je Aktie, für die es in der Woche an der Wall Street gehandelt wurde und die 15 Milliarden Dollar entsprechen. Aber Jerry Yang täte gut daran, diesen Wert – und das ist als CEO auch seine Aufgabe – im Sinne der Aktionäre zu monetarisieren und Microsoft, wohl oder übel, noch zu einem akzeptablen Preis den Zuschlag zu geben. Verbessern dürften sich die Geschäfte und Chancen eher  nicht.

Während sich für Jerry Yang immer wieder neue Chancen als Firmengründer bieten werden, dürften Altaktionäre lange auf so eine Chance warten. Solange es beim Konfrontationskurs Yahoos gegenüber Microsoft bleibt, bleibt die Aktie totes Kapital, das nur bei Übernahmengerüchten kurzfristig nach oben  hüpft – wie die tote Katze kurz vor ihrem endgültigen Ableben. Börsianer nennen das, etwas zynisch, den viel zitierten“dead cat bounce“.

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige