Kostet Tour-Ausstieg 20 Millionen Euro?

Nach dem Ausstieg von ARD und ZDF aus der Tour de France-Berichterstattung ist zwischen den Sendern ein Streit um millionenschwere Folgekosten entflammt. Während ARD-Chef Fritz Raff davon ausgeht, dass es keinen rechtsgültigen Vertrag mit den Veranstaltern gibt, widerspricht das ZDF. Laut SPORT BILD online behauptet Chefredakteur Nikolaus Brender: "Es gibt einen Vertrag mit dem Tour-Veranstalter ASO. Und dieser bindet ARD und ZDF."

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Nach Ansicht von Brender ist es „juristisch eindeutig“, dass die öffentlich-rechtlichen Sender die Europäische Rundfunkunion (EBU) mit Verhandlungen zum Erwerb der TV-Rechte beauftragt habe, „und zwar schriftlich“. Angeblich stehen pro Sender knapp vier Millionen Euro pro Jahr auf dem Spiel; gerechnet auf eine dreijährige Vertragsdauer summiert sich dies auf insgesamt mehr als 20 Millionen Euro.

Nach Informationen von SPORT BILD online geht man bei der ARD davon aus, dass man der EBU im Frühjahr signalisiert habe, mit einer Entscheidung über ein weiteres Engagement bis Ende des Jahres abwarten zu wollen. Dem widerspricht auch die EBU, die sich darauf beruft, dass sie mit Billigung der angeschlossenen Sender bereits im Juli den Vertrag mit dem Veranstalter ASO bis 2011 verlängert habe. Brender dazu mit Blick auf die ARD: „Wir sind vertragstreu. Da gibt es keinen Grund, sich herauszumogeln.“

Auf MEEDIA-Anfrage erklärte ein ARD-Sprecher, dass der Sender in den vergangenen Monaten keine Entscheidung über eine Vertragsverlängerung getroffen habe. Offenbar war die EBU schon im Vorfeld der diesjährigen Tour an die Sender herangetreten und hatte diese um ein Mandat zur Vertragsverlängerung ersucht. Die Entscheidung darüber, so argumentiert man bei der ARD, sei aber bewusst auf das Ende der Radsportsaison vertagt worden. Dies habe man auch der EBU klargemacht. Möglicherweise war das ZDF unter der Annahme, dass die ARD weiterhin mit überträgt, eine Verpflichtung eingegangen. Deswegen scheint man beim ZDF die Vokabel „Ausstieg“ derzeit zu meiden, denn dies könnte eine juristische Position begründen. Dafür macht der Sender deutlich, dass eine Übertragung ohne ARD nicht zu leisten sei.

Die unterschiedlichen Auffassungen über die Vertragssituation sind Thema bei einem „zeitnahen“ Treffen von Verantwortlichen beider Sender. Auch mit der EBU werde man reden. Erste Gespräche sind frühestens kommende Woche zu erwarten.

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