Google: Der König ist zurück!

Was ist nicht alles vermutet worden: Die Werbeerlöse würden einbrechen, das One-Trick-Pony hätte seinen Zenit überschritten, die kreativen Köpfe würden das Unternehmen wegen einbrechender Aktienoptionen verlassen, und mit dem neuen Handy-Betriebssystem Android hätte sich die Internet-Suchmaschine verhoben. Reaktion der Börse: Die Google-Aktie näherte sich gestern im Handelsverlauf bedrohlich der Marke von 300 Dollar, bis eine […]

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Was ist nicht alles vermutet worden: Die Werbeerlöse würden einbrechen, das One-Trick-Pony hätte seinen Zenit überschritten, die kreativen Köpfe würden das Unternehmen wegen einbrechender Aktienoptionen verlassen, und mit dem neuen Handy-Betriebssystem Android hätte sich die Internet-Suchmaschine verhoben.

Reaktion der Börse: Die Google-Aktie näherte sich gestern im Handelsverlauf bedrohlich der Marke von 300 Dollar, bis eine Erholung einsetzte, die das Papier bis auf 350 Dollar hochspülte. Damit jedoch liegt der einstige Highflyer der Branche immer noch erstaunliche 400 Dollar bzw. mehr als 50 Prozent unter seinen Höchstkursen, die erst Ende letzten Jahres aufgestellt worden.

Ist Google also auf dem absteigenden Ast, wie die Börse suggeriert? Wie falsch diese Annahme ist, unterstrich das mit Abstand höchst bewertete Internet-Unternehmen gestern bei Vorlage seiner Quartalszahlen. In einem Umfeld, in dem jeden Tag von der Heraufkunft der Rezession bzw. gar von der größten Wirtschaftskrise seit den 30er-Jahren berichtet wird, verdienen Googles jüngste Geschäftsdaten besondere Beachtung.

Zugegeben: Das dritte Quartal, das am 30. September endete, reflektiert noch unzureichend das Ausmaß der großen Finanzmarktkrise, die mit der Lehman-Pleite ab 15. September nochmals an Dramatik gewann. Das weiß auch Google-CEO Eric Schmidt: „Wir machen uns bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nichts vor“, erklärte der Google-Vorstand gestern. Aber: „Wir sind optimistisch, was die Zukunft von Google betrifft.“

Das kann Schmidt auch sein. Denn was Google gestern veröffentlichte, war nicht weniger als bemerkenswert. 31 Prozent Umsatz- und 26 Prozent Gewinnwachstum konnte Google gestern Abend gegenüber dem Vorjahreszeitraum vermelden – noch immer. Gemessen in realen Zahlen entspricht dies einem Gewinnanstieg von 1,07 Milliarden auf 1,35 Milliarden Dollar bzw. einen Umsatzzuwachs von 4,07 Milliarden auf 5,54 Milliarden Dollar binnen eines Jahres.

Bemerkenswert ist außerdem, wie linear sich das Wachstum von Quartal zu Quartal vollzieht. So erwirtschaftete das Kultunternehmen aus dem kalifornischen Mountain View allein im Dreimonatszeitraum Juli bis September 100 Millionen mehr Gewinn als noch im Quartal zuvor – trotz Sommerloch, trotz aufkommender Finanzmarktkrise. Yahoo ist in diesen Tagen froh, dass es überhaupt Gewinne in Höhe von 100 Millionen Dollar pro Quartal ausweisen kann.

Keine Frage: Auch Google wird die Pleiteserie der US-Finanzbranche und das Abgleiten in die Rezession auf die eine oder andere Weise zu spüren bekommen. Doch tatsächlich erscheint es so, als wäre das Internet-Schwergewicht um ein Vielfaches besser für die Krise gerüstet als Skeptiker es dem Internet-Bluechip bislang unterstellen wollen.

Die Börse hat das in diesen turbulenten Tagen bislang nicht erkannt. Google wechselt bei 350 Dollar für ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 18 den Besitzer. Das 2009er-KGV beträgt gar nur 15. Für den mit Abstand Branchenbesten ist das eine erstaunliche Bewertung in einer erstaunlichen Zeit. Die Börse behandelt den König damit als Bettelmann. Tatsächlich erscheint es jedoch so, als habe der König noch eine lange Regentschaft vor sich. Es wäre nicht die erste Fehleinschätzung der (Wirtschafts-)Geschichte…

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