Börsencrash: Fiasko auch für Tech-Aktien

Der Tag X ist da. Seit mehr als zwei Jahrzehnten kursierten Crash-Vergleiche mit jenem historischen Schwarzen Montag vom 19. Oktober 1987. Am Montag war es so weit: Nicht weniger als 777 Punkte verlor der noch immer wichtigste Leitindex der Börsenwelt, der Dow Jones Industrial Average, nach Punkten so viel wie nie zuvor in seiner Geschichte. […]

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Der Tag X ist da. Seit mehr als zwei Jahrzehnten kursierten Crash-Vergleiche mit jenem historischen Schwarzen Montag vom 19. Oktober 1987. Am Montag war es so weit: Nicht weniger als 777 Punkte verlor der noch immer wichtigste Leitindex der Börsenwelt, der Dow Jones Industrial Average, nach Punkten so viel wie nie zuvor in seiner Geschichte. Prozentual entsprechen die Verluste 7 Prozent: Das ist der größte Eintagesverlust seit eben seit jenem 19.Oktober 1987
Noch größer fiel der Aderlass im marktbreiten S&P-500 aus, der 107 Punkte oder 8,8 Prozent abgab – und damit ebenfalls so stark verlor wie seit 21 Jahren nicht mehr. Am schlimmsten erwischte es jedoch erneut die Technologiebörse Nasdaq, die mehr als 9 Prozent einbüßte. Einen so starken Eintagesverlust hat der Nasdaq Composite lediglich einmal in seiner Geschichte zu verkraften gehabt: im April 2000, mitten im Crash der Internet-Blase.

Doch im Gegensatz zum Ende der Dot.com-Blase betrifft der Crash dieser Tage die gesamte reale Wirtschaft – und das in einem Ausmaß, das die Finanzwelt seit der Weltwirtschaftskrise von 1929 nicht mehr gesehen hat. Binnen zwei Wochen kollabierte die Investmentbanken-Landschaft der USA, die über acht Jahrzehnte maßgeblichen Anteil am Status der Wall Street als bedeutendsten Finanzplatz der Welt hatte. Innerhalb weniger Tage blamierte sich dann auch noch die meistrespektierte und handlungsfähigste Demokratie der Welt in einem historischen Akt von politischer Kakophonie. Statt einen 700 Milliarden Dollar schweren Rettungsplan auf den Weg zu bringen, der sowohl von der Regierung Bush als auch von beiden (!) Präsidentschaftskandidaten McCain und Obama befürwortet wurde, verweigerte das Repräsentantenhaus die Gefolgschaft. Nach Ansicht von Wall Street-Experten droht den Finanzmärkten nun der totale Kollaps: „Dies ist ein Desaster von unvorstellbarem Ausmaß, das die Dimensionen der Großen Depression erreicht“, erklärte CNBC-Marktkommentator James Cramer am Abend.

Entsprechend historisch war auch zuvor das Ausmaß der Panik an den Märkten. Die Zeche, so beurteilen Anleger das überraschende Scheitern des „Bailout“-Plans, zahlen nämlich nun gleichermaßen die Anleger als auch die Verbraucher. Die Zeichen, das wurde allerspätestens heute am Schwarzen Montag deutlich, stehen jetzt unwiderruflich auf Rezession – und zwar so dramatisch wie vielleicht seit Jahrzehnten nicht mehr.

Welches Echo ein solches Szenario an den Aktienmärkten hervorruft, wurde abermals im volatilen Technologiesektor besonders deutlich. Am Freitag wurde der Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM), der zu den Schwergewichten der Technologiebörse Nasdaq zählt, bereits nach Vorlage von Quartalszahlen so hart abgestraft wie noch nie seit dem Börsengang. Die Aktie des kanadischen Smartphone-Herstellers verlor nach Verfehlung der Gewinn-Erwartungen um 1 (!) Cent und Herabsenkung des Ausblicks für das laufende Quartal um maximal 9 Prozent sage und schreibe 28 Prozent an Börsenwert. Am gestrigen Montag kamen weitere 12 Prozent hinzu. Innerhalb der letzten 7 Wochen hat die Aktie des einstigen Highflyers gar unglaubliche 55 Prozent an Wert verloren, obwohl der Blackberry-Hersteller gegenüber dem Vorjahreszeitraum zuletzt immer noch 72 Prozent gewachsen war!

Ob überhaupt noch mit Wachstum im Umfeld einer Rezession zu rechnen ist, stellten gestern gleich mehrere Analysten beim großen RIM-Rivalen Apple in Frage. So senkten die Analysten von Morgan Stanley und der Royal Bank of Canada (RBC) in gemeinsamen Downgrades die Kursziele der Apple-Aktie drastisch: Morgan Stanley sieht das Papier auf 12-Monatssicht nun nur noch bei 115 statt bei 178 Dollar, RBC bei 140 statt bei 200 Dollar. Komplett verängstigte Anleger trennten sich dann auch daraufhin fluchtartig von ihren Papieren und schickten die Apple-Aktie krachend um 23 Dollar oder 18 Prozent noch deutlich unter die neuen Kursziele – nämlich auf nur 106 Dollar, dem tiefsten Stand seit 16 Monaten.

Morgan Stanley-Analystin Kathryn Huberty begründete ihre drastische Herabstufung mit der Annahme, dass die teureren Apple-Produkte in einer Rezession Absatzprobleme bekommen dürften: Während das Kultunternehmen aus Cupertino bei Computern über 1500-Dollar den größten Marktanteil aufweise, befinde sich das eigentlich verbliebene Wachstumssegment im Bereich von PCs unter 1000 Dollar, in dem Apple bis auf den Mac mini nicht präsent sei. Die RBC untermauerte ihre Argumentation unterdessen mit einer Studie, nach der im zuletzt deutlich weniger Verbraucher demnächst einen Mac erwerben wollten als noch im August.

Ob sich die Projektionen – denn darum handelt es sich bislang: nicht mehr und nicht weniger – in den kommenden Wochen und Monaten tatsächlich so in den Bilanzen widerspiegeln, war an diesem Schwarzen Montag eine andere, untergeordnete Frage. In Sippenhaft genommen, verloren auch die Papiere von Google knapp 10 Prozent und tauchten erstmals seit zwei  Jahren wieder unter die Marke von 400 Dollar (Schlussstand: 390 Dollar.) Seit Jahresbeginn liegen die Papiere der drei Technologie-Schwergewichte damit allesamt um mehr als 45 Prozent unter Wasser.

Glaubt man erfahrenen Anlegern müssen die optisch günstigen Kursniveaus dennoch nicht zwangsläufig auch Schnäppchenpreise sein: „Bitte – glauben Sie nicht den Leuten, die nun auf CNBC auftauchen und uns erzählen, wir sollten jetzt kaufen“, macht der renommierte Vermögensverwalter James DePorre ein klares Statement.

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