Anzeige

Telekom: Obermann wird zum Problem

Bislang galt René Obermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, als entscheidungsstark. Als der Mann, der die ererbten Probleme vom Steuerbetrug bis zum nicht enden wollenden Datenskandal lösen kann. Inzwischen aber wird Obermann selbst zum Problem. Mit seinen eigenwilligen Vorschlägen hat er den Aufsichtsrat des Konzerns gegen sich aufgebracht. Der Vorstandschef will von Rücktritt nichts wissen. Doch ob Obermann zu halten ist, scheint ungewiss.

Anzeige

Seit Monaten muss sich René Obermann in einer ungeliebten Rolle zurecht finden: Er ist der Überbringer schlechter Botschaften. Die Deutsche Telekom taumelt von einem Datenskandal in den nächst größeren: Zunächst musste Obermann eingestehen, dass dem Konzern die Daten von 17 Millionen Kunden bei T-Mobile abhanden gekommen sind, wenig später dann waren es 30 Millionen Kundendaten, die unzureichend geschützt waren. Eine Unzahl von Mitarbeitern hatte, wie der „Spiegel“ enthüllte, nicht nur freien Zugriff auf private Daten wie Adressen und Kontonummern der Kunden, sondern konnte diese auch mutwillig verändern. Erst als das Nachrichtenmagazin die Konzernspitze mit diesen Lecks konfrontierte, handelte man eilig und kündigte an, einen Vorstand für Datenschutz zu ernennen. Dabei war das Problem der mangelnden Datensicherheit im Konzern seit Monaten bekannt. Durch das unkoordinierte und träge Vorgehen ist die Telekom zum Synonym für fahrlässigen Umgang mit sensiblen Daten geworden, zum Schweizer Käse des Datenschutzes.

Die von Obermann versprochene Lösung des Problems ist bislang nicht erfolgt, versprochene Gegenmaßnahmen erwiesen sich als Rhetorik. Nun könnte Obermann an einer Personalie scheitern: Seinen Chefjustitiar Manfred Balz wollte Obermann auf den neu geschaffenen Posten des Vorstands für Datenschutz hieven. Die Mitarbeitervertreter im Aufsichtsrat sollen mit Fassungslosigkeit reagiert haben. Balz gilt intern nicht als aufgeschlossener Geist, sondern als loyaler Vertrauter Obermanns, der, wie zu hören ist, bislang wenig zur Aufklärung des Datenskandals beigetragen habe. Zudem ist Balz bereits 63 Jahre alt und gilt damit nicht als Macher für die Zukunft. Ist das der geeignete Mann, um der Telekom zum notwenigen Befreiungsschlag zu verhelfen?

Mitnichten, befand der Aufsichtsrat um den neuen Vorsitzenden Ulrich Lehner und verweigerte die Zustimmung. Ein deutliches Misstrauensvotum. Und das erste, das sich ganz offen gegen Obermann richtet. Galt der bislang „nur als Erbe der Telekom-Probleme“, so das „Handelsblatt“, wird er immer mehr zum eigentlichen Problem. Obermann hat die Dimensionen des Datenskandals unterschätzt, der immer häufiger mit seinem Namen verbunden wird.

Der Aufsichtsrat geht auf Distanz zu René Obermann, der Rücktrittsforderungen noch entschieden zurückweist. Er sei angetreten, um die Telekom zu modernisieren, ein Prozess, der einige Jahre in Anspruch nehme. Ein Prozess, der aber auch die Unterstützung der internen Konzernkräfte erfordert. Schon jetzt scheint aber klar: Unter Obermann steht die Telekom noch schlechter da als unter seinem glücklosen Vorgänger Kai-Uwe Ricke.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige