Heuschrecke kauft „TV-Guide“ für 1 Dollar

Der Zeitschriftenmarkt in den USA hat schwer unter der Anzeigenflaute zu leiden. Das in den USA traditionell schwierige Segment der TV-Zeitschriften trifft es besonders hart. Jetzt wechselt das Flaggschiff unter den amerikanischen Fernseh-Magazinen für einen Dollar den Besitzer: Der Private Equity-Fonds OpenGate Capital übernimmt den renommierten "TV Guide", dessen Umsätze 2008 dramatisch eingebrochen sind, inklusive drei Millionen Abonnenten zum Dumpingpreis.

Anzeige

Der „TV Guide“, der erstmals 1953 herauskam, ist die nationale US-Programmzeitschrift schlechthin. In ihren besten Zeiten, in den 1970ern, verkaufte sich das Magazin in einer Auflage von 20 Millionen Exemplaren. Seither ging es langsam aber stetig abwärts. Als Rupert Murdoch sich 1988 vom „TV Guide“ trennte, waren es noch stattliche 16,3 Millionen, zehn Jahre später 13,1 Millionen. Im ersten Halbjahr 2008 wurden noch 3,27 Millionen Hefte verkauft.

Allein 2007 machte die Programmzeitschrift Verluste von rund 20 Millionen Dollar. Im Januar dieses Jahres übernahm das Medienunternehmen Macrovision den „TV Guide“. Seither ging das Anzeigengeschäft um 9 Prozent zurück, der Einzelverkauf brach im ersten Halbjahr sogar um 29 Prozent ein. Die Abonnentenzahlen blieben bei einem Verlust von einem halben Prozent auf drei Millionen immerhin einigermaßen stabil.

Nicht nur die Anzeigenkrise alleine ist für die schwierige Situation der Programmzeitschriften verantwortlich. Die explodierende Sendervielfalt ist in einem Heft schon lange nicht mehr umfassend darzustellen. Viele Zuschauer informieren sich via Web über Senderprogramme. Weit dramatischer für die Verlage ist jedoch die Bedrohung durch den EPG: Der „Electronic Programme Guide“, so eine weitverbreitete Meinung, wird über kurz oder lang den traditionellen Magazinen das Genick brechen.

In Deutschland haben in den vergangenen Jahren alle TV-Magazine Federn lassen müssen. Allein das Springer-Produkt „TV Digital“ überrascht die Branche und kann gegen den Trend weiter auf deutlich mehr als zwei Millionen verkaufte Exemplare zulegen. Ansonsten nur Schwund: Binnen eines Jahres sackte die Auflage des einstigen Marktführers „TV Spielfilm“ im dritten Quartal 2008 auf 1,4 Millionen. „TV Movie“ verzeichnet 1,65 Millionen, im Herbst 2007 waren es noch 1,79 Millionen. Auch der Klassiker „HörZu“ folgt dem Trend, und liegt bei 1,43 Millionen (III/2007: 1,51).

Viele Ereignisse des Medien-Markts zeichnen sich immer noch zuerst in den USA ab. Wenn eine der führenden US-Zeitschriftenunternehmen für ein Drittel des Preises eines einzigen Hefts in die Hände eines Spekulanten gerät, dürfte das in deutschen Verlagshäusern keine Begeisterung auslösen.

Was gewinnen die Partner bei diesem Deal? – Macrovision wird ein defizitäres Objekt mitsamt seinen Verpflichtungen gegenüber den drei Millionen Abonnenten los. Vor allem diese drei Millionen plus ein sehr günstiger 9,5 Millionen-Dollar-Kredit von Macromedia sollen OpenGate Capital beim Kauf überzeugt haben. Die Pläne des Fonds mit dem Magazin bleiben dagegen nebulös. OpenGate-Gründer Andrew Nikou hielt sich mit seinem Vorhaben vollkommen bedeckt: Das Heft „benötigte weiteres Kapital. Wir investieren in dieses Unternehmen, um es in die nächste Phase zu bringen“.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige