Die Magazin-Cover der Krisenwochen

Die Finanzkrise hält die Welt in Atem. Nicht nur Politiker und Experten sind gefragt, sondern auch die Titel-Gestalter. MEEDIA hat die aktuellen Cover von Magazinen gesichtet. Die Zeitschriften wählten sehr unterschiedliche Wege, die Krise auf den Punkt zu bringen. Weltuntergangs-Fantasien ("Time", "Wiwo", "Economist") gibt es zuhauf, Monatstitel sehen alt aus. Und der "Focus" verschlief das Top-Thema und brachte noch vergangene Woche den Service-Titel "Nie wieder Brille".

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Die beiden „Spiegel“-Chefs Mathias Müller von Blumencron und Georg Mascolo mussten sich schon wieder dafür rechtfertigen, dass ihr aktuelles Cover fast genau so ausschaut, wie das eines ausländischen Magazins. Den aktuellen „Spiegel“ ziert eine Notbremse mit der Aufschrift „Not! Halt! Wer stoppt den freien Fall des freien Marktes?“. Auch die polnische Ausgabe der „Newsweek“ machte vergangene Woche mit einer Notbremse in sehr ähnlicher Symbolik auf. Im „Tagesspiegel“ sagte „Spiegel“-Chef Mascolo, es sei alles reiner Zufall. Weder er noch die Titelbild-Redaktion hätten das polnische „Newsweek“-Cover gekannt. Peinlich, denn bereits Ende August fiel der „Spiegel“ mit einem Cover auf („Macht das Internet doof?“), der fast eins zu eins wie ein älterer Titel der US-Zeitschrift „Atlantic Monthly“ wirkte.

Auch nicht wirklich glänzen konnte der „Focus“. In der vergangenen Woche, als die Krise bereits die Welt-Schlagzeilen beherrschte und der „Spiegel“ ein finsteres „Angst vor der Angst“-Cover brachte, machte das Fakten-Magazin „Nie wieder Brille! – Alles über die neuen, sicheren Linsen- und Laser-Techniken“ zum Titel. Die Finanzkrise schaffte es nur klein über das „Focus“-Logo. In dieser Woche ist das anders. Wie viele fragt auch der „Focus“: „Ist ihr Geld wirklich sicher?“. Die Antwort weiß Schwester-Blatt „Focus Money“: „Geld Anlagen mit Risiko-Schutz: Sicher“. Na ja.

Die Titelgrafiker von „WirtschaftsWoche“ und dem britischen „Economist“ sehen gleich den ganzen Erdball auf dem Weg nach unten. Beim „Economist“ rast die Erde als feurige Kugel abwärts, bei der „WiWo“ dotzt sie die Treppe runter. Untergangs-Stimmung auch bei dem US-Magazin „Time“. Die Amis schauen über den großen Teich und sagen der europäischen Finanzmetropole London voraus, dass sie untergeht. „Newsweek übt sich dagegen im Geldverbrennen und zeigt einen verkokelten Dollar. Am schönsten auf den Punkt brachte die Krise ein gefaktes „Econimist“-Cover, das im Internet kursiert. Auf schwarzem Grund sind die schlichten Worte zu lesen: „Oh Fuck!“.

Der intellektuelle „New Yorker“ räumt der Krise aktuell nur wenig Platz ein. Hier ist der Wahlkampf zwischen Barack Obama und John McCain das Titelthema. Von der Krise keine Spur auch bei der deutschen „Vanity Fair“ nicht, die Angelina Jolie ins rechte Licht rückt. People-Magazine haben offenbar noch keinen Dreh zu Krise gefunden. Ist ja auch alles so schrecklich negativ…

Schlechte Karten haben naturgemäß die Monatsblätter. Egal ob „Capital“ (Ferien-Immobilien), „manager magazin“ (Deutsche Post) oder „Geld Idee“ (Mieten). Die Krise hat offenbar keiner vor Redaktionsschluss vorausgesehen. Alleine der Titel von „Brand Eins“ passt: „Wir rechnen mit allem. Die Kunst der Improvisation.“ Damit liegt man nie daneben.

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