Auflagen-Einbrüche bei „Bild“-Titeln

Die Axel Springer AG ist einer der großen Verlierer der neuen IVW-Auflagenzahlen. Die meisten Titel des Verlags verloren, das konnte auch der erneute Sprung von "TV Digital" nicht ausgleichen. Besonders bitter sieht es bei den "Bild"-Titeln aus. Sowohl die Tageszeitung als auch alle ihre Ableger wie "Bild am Sonntag", "Auto Bild", "Sport Bild", etc. büßten zum Teil dramatisch an Auflage ein. Die Käufer kehren der Marke "Bild" offensichtlich zu Hunderttausenden den Rücken.

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Starten wir unsere Bestandsaufnahme mit dem Springer-Flaggschiff „Bild“. Die Tageszeitung verlor im Vergleich zum Vorjahr heftige 6,0% ihrer verkauften Auflage und liegt nun bei 3,336 Mio. verkauften Exemplaren – ein Minuswert seit deutlich mehr als 20 Jahren. Ähnlich bitter die Zahlen der „Bild am Sonntag“: Ein Sturz bei der verkauften Auflage um 4,9% auf 1,781 Mio. Das ist zwar kein neuer Minusrekord, aber der viertschlechteste Quartalswert der vergangenen 20 Jahre. Nur im ersten und vierten Quartal 2007 und im ersten des Jahres 2008 verkaufte sich die Sonntagszeitung noch schlechter.

Einen Meilenstein im negativen Sinne muss die „Bild der Frau“ verkraften. Erstmals in der Geschichte des Titels fiel er unter die magische Millionen-Hürde. Die Zeiten der Auflagenrekorde von bis zu 2,8 Mio. Mitte der 80er Jahre sind längst vorbei, seit 1998 gingen rund 50% der verkauften Auflage verloren. Doch nicht nur die Frauen greifen weniger zu „Bild“-Ablegern, auch die Männer. Vergleichsweise glimpflich davon gekommen ist dabei die „Computer Bild“. Mit einem Mini-Minus von 0,4% reiht sie sich zwar in die „Bild“-Verliererfamilie ein, doch insbesondere 2006 ging es dem Magazin schonmal wesentlich schlechter. Ableger „Computer Bild Spiele“ hat da schon mit ganz anderen Verlusten zu kämpfen: Von 363.328 verkauften Heften im dritten Quartal 2007 gingen satte 35,8% verloren. Noch vor vier Jahren verkauften sich rund 400.000 „Computer Bild Spiele“-Exemplare mehr. Da müssen wir kaum noch erwähnen, dass die neue IVW-Auflage von 236.370 Stück ebenfalls ein neuer Tiefststand ist.

Auch „Auto Bild“ und ihre kleinen Beiboote mussten Federn lassen. „Auto Bild“ verlor deutliche 10,2% ihrer 2007er-Auflage, „Auto Bild Allrad“ 1,9%, „Auto Bild Sportscars“ 18,0% und „Auto Bild motorsport“ 14,8%. Das sind zwar allesamt keine neuen Minusrekorde, doch die Quartale, in denen es in der Vergangenheit noch schlechter lief, sind nicht allzu zahlreich. Unsere „Bild“-Horrorshow geht mit der „Sport Bild“ weiter. Mit einem Minus von ganzen 11,4% fiel die Auflage auf 500.149 und damit fast erneut unter die 500.000-Hürde, die im dritten Quartal eines Jahres bisher erst einmal (2006) unterboten wurde. Zweistellig nach unten geht es auch bei den beiden letzten IVW-geprüften „Bild“-Ablegern: Der „Bildwoche“ gingen innerhalb eines Jahres 13,4% ihrer Käufer verloren, der „Audio Video Foto Bild“ sogar dramatische 31,7%. Die „Bildwoche“ rutschte damit zum ersten Mal in ihrer Geschichte unter die 200.000-Grenze. Zum Vergleich: 1991 gingen noch mehr als 1 Mio. Hefte pro Ausgabe über die Ladentische. Ähnliches gilt für die „AVF Bild“: Zum ersten Mal überhaupt unter 200.000 und weit entfernt von Zahlen aus den Jahren 2004 und 2005, als noch mehr als 600.000 verkauft wurden. So sehen die aktuellen Auflagenzahlen der „Bild“-Titel also aus:

Addiert man all diese Gruselzahlen, ergibt sich die bittere Wahrheit, dass die „Bild“-Familie mit ihren 12 Zeitungen und Zeitschriften innerhalb eines Jahres rund 8,6% ihrer Käufer verlor und die verkaufte Gesamtauflage von 9,56 Mio. auf 8,74 Mio. bröckelte. An einer Krise der Print-Marke „Bild“ gibt es also nichts mehr zu beschönigen.

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