Apple: Tolle MacBooks zur falschen Zeit

Steve Jobs hat nicht nur den schönsten Job der Welt – er hat auch den schwierigsten. Von Keynote zu Keynote muss der 53-Jährige eine Wunschliste seiner Jünger abarbeiten, der eigentlich nicht zu entsprechen ist. Wie bei einer Heerschar von kleinen Kindern, die unablässig nach „Mehr, mehr, mehr“ verlangen, giert die Mac-Community nach immer neuen Produktneuerungen. […]

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Steve Jobs hat nicht nur den schönsten Job der Welt – er hat auch den schwierigsten. Von Keynote zu Keynote muss der 53-Jährige eine Wunschliste seiner Jünger abarbeiten, der eigentlich nicht zu entsprechen ist. Wie bei einer Heerschar von kleinen Kindern, die unablässig nach „Mehr, mehr, mehr“ verlangen, giert die Mac-Community nach immer neuen Produktneuerungen.

Objekt der Begierde gestern: Die neuen MacBooks pünktlich zur kommenden Holiday Season. Was ist nicht wieder alles erwartet worden: Bahnbrechende neue MacBooks, die nicht nur schneller, schmaler, leistungsfähiger – und natürlich: schöner – seien würden als die der Konkurrenz. Und, wenn man den Analysteneinschätzungen der letzten Woche glauben durfte, so günstig wie nie zuvor würden sie auch noch sein – passend eben zur kommenden Rezession.

Teil eins der Pflichtaufgaben erfüllte der charismatische Apple-CEO mit Bravour. Die neuen MacBooks sind, wie immer, State-of-the-Art. Sie sind, technisch betrachtet – nach Prozessorengeschwindigkeit und Speichergrößen –, auf dem Niveau der Konkurrenz, in Innovation und Design aber weiter haushoch überlegen. Die schon aus dem iPhone bekannte Touch-Technologie auf dem Touchpad ist ebenso ein klares Kaufargument wie die bestechende Optik im iMac-Alu-Design. Keine Frage: Die neuen MacBooks sind das Must-Have unterm Weihnachtsbaum!

Doch zu welchem Preis? Offenbar nicht zu dem, den sich Apple-Aficionados vorgestellt haben. 800 Dollar hatten sich Analysten gewünscht – für 999 Dollar ist Apple nun erstmals in der Firmengeschichte bereit, ein Notebook auf den Markt zu bringen. Doch dafür sind die neuen Alu-MacBooks nicht zu erstehen – sondern lediglich ein Upgrade des bisherigen Plastik- MacBooks in Weiß. Wer will das jetzt noch?

Apple hält damit an seiner Premium-Preis-Politik fest – und geht gleichzeitig hohes Risiko. 1299 Dollar für das Einsteigermodell ist nicht unbedingt der Preis, den der durch die Kreditklemme strangulierte Durchschnittskäufer in den nächsten Wochen für ein Notebook aufbringen will oder kann, selbst wenn es noch so sexy daherkommt wie ein MacBook. Die Konkurrenz von Dell und HP bietet – fraglos abgespeckte – Einsteigermodelle bereits für die Hälfte oder sogar einem Drittel des Preises an.

Ob sich Apple damit in dem wirtschaftlichen Umfeld einen Gefallen getan hat, wird sich im Januar zeigen, wenn das Unternehmen Zahlen für das laufende vierte Quartal veröffentlicht, das bei Apple bereits das erste des neuen Geschäftsjahres ist. Schon am nächsten Dienstag erstattet das Kultunternehmen aus Cupertino Bericht über das letzte Geschäftsquartal des Jahres 2008, das Ende September zu Ende gegangen ist.

Aktionäre dürften den Zahlen eher sorgenvoll entgegenblicken. Es wird erwartet, dass Apple seine bei Börsianern gefürchteten konservativen Prognosen im Umfeld der ausufernden Finanzmarktkrise erst recht fortsetzt. Bereits im letzten Quartal hatte Finanzchef Peter Oppenheimer gewarnt, es werde wegen neuer Produkteinführungen zu „Anpassungen“ kommen. Nun wird klarer, was damit gemeint sein könnte – in Zeiten der Finanzmarktkrise wohl eher Anpassungen nach unten …

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