„Effes“ Heimspiel: Nervige Promi-Soaps

Sie lassen sich operieren, verschönern sich oder ihre Häuser, enthüllen Intimes und streiten. Promi-Doku-Soaps sind der Trend im deutschen Fernsehen. Die Sender springen jetzt auf den Exhibitionisten-Express auf: Brigitte Nielsen lässt sich runderneuern, Sarah Connor und ihr Mann Marc sind „Crazy in Love“, und am Sonntag startete RTL auch noch die Umzugs-Soap "Effenbergs Heimspiel" mit allerdings mäßiger Quote. Die Prominenz prostituiert sich zunehmend vor Kameras.

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Willkommen in der Langeweile und beim Beweis: Promis sind auch nur Menschen. Für die Demonstration dieser Banalität produziert die deutsche Fernsehindustrie seit diesem Sommer allerdings Doku-Soaps mit Promi-Anteilen am laufenden Band. Soulröhre Sarah Connor füllte mit familiärer Unterstützung schon zwei Staffeln lang die Bildschirme der Nation. Was treibt unsere A-, B- und C-Prominenz dazu, sich ständig aufs Neue vor der Kamera zu prostituieren? Am Sonntag zeigten die Effenbergs, was es bedeutet, prominent zu sein. „Effenbergs Heimspiel“ heißt die neue Doku-Kreation, die im Vorabend unter dem Senderdurchschnitt startete.

Prostituieren für die Promotion

Die inoffizielle Mutter der deutschen Promi-Soap Sarah Connor zerrte vor lauter Nichts auf acht Folgen verteilt sogar ihre kleine Schwester auf das Promi-Parkett und der weniger erfolgreiche Gatte gibt sich als harter Rocker, um seinen „Billie Jean“-Cover zu promoten. Und bei so viel „Family Buisness“ ist noch lange nicht Schluss. Sarahs Schwiegervater bekommt auf RTL sogar seine eigene Doku-Soap: „Der Schönmacher – Die Welt des Dr. Tacke“. Praxis und Geldbeutel werden sich über die wohl inszenierte Promotion sicher freuen. Medienerfahrung hat er allemal. Die Glamour-Soaps liefern damit den Ersatz für Frauentausch & Co. Otto Benz gegen Ikea, Kik gegen Prada. Fremdschämen und spannen? Sehr gerne, aber dann doch lieber in schön eingerichteten Heimlichkeiten.

Endstation Soap

Ab dem 12. Oktober zeigt der Sender in sechs Folgen den Umzug der Effenbergs von Florida nach Deutschland, begleitet das Paar bei der Wohnungssuche, bei einem Kalifornien-Urlaub und ist auch im Alltag «hautnah dabei». Sechs Folgen lang jeweils um 19.05 Uhr. Claudia Effenberg hatte ja schon 2007 mit dem eigens gegründeten „Club der Ex-Frauen“ auf RTL 2 Fernseherfahrung. Zusammen mit Maja von Hohenzollern und Giulia Siegel wollte man betrogenen Gattinnen zu neuem Selbstbewusstsein und süßer Rache verhelfen. Der Münchner Sender nahm die Doku-Soap aber schon nach zwei Folgen und 1,8 Prozent Marktanteil aus dem Programm.

Für die neue Ehe-Reality sind zunächst sechs Folgen geplant. Die Story ist schnell erklärt: Der Ex-Fußballstar gibt seine 900qm-Villa in Florida auf und zieht mit seiner Frau nach München. In der ersten Folge ließ man sich deswegen durch die schönsten Anwesen im Münchner Süden führen. Fündig wurde man noch nicht. Die Wortanteile lagen klar bei seiner Frau Claudia: „Stefan mag ja Hemden mit Glitzer“, „Stefan wäre meine Wohnung ja zu klein“, „Stefan braucht unbedingt eine große Küche“. Luxusprobleme eben. Trotzdem kamen die Effenbergs authentisch rüber: Als Münchner Jetset-Pärchen, das gerne feiert und auf großem Fuß lebt. Den Zuschauern missfiel anscheinend so viel Luxus. Mit 14 Prozent Marktanteil bei der werberelevanten Zielgruppe lag man leicht unter Senderdurchschnitt. Immerhin schauten knapp 2,8 Millionen den Effenbergs beim Packen zu. Auf Anfrage von MEEDIA erklärte ein RTL-Sprecher, dass auch die restlichen fünf Folgen wie geplant (sonntags, 19.05 Uhr) ausgestrahlt werden sollen.

Man muss sich wirklich die Frage stellen: Ist Privatsphäre out in deutschen Promi-Häusern? Wohl kaum. Raab, Schmidt und Jauch halten ihre Familien aus der Berichterstattung. Minder prominente Sternchen nutzen ProSieben und RTL vielmehr als letzte Chance, ihre Karrieren nach dem One-Hit-Wonder aufzumöbeln. Was sie brauchen, ist Aufmerksamkeit, weil sie nur dafür bekannt sind, bekannt zu sein. Oder  einfach aus Langeweile. Oder wegen des Geldes. Ende in Sicht? Erstmal nicht. Was noch fehlt, ist die erste öffentlich inszenierte Abtreibung. Die Adaption des „Stern“-Aufmachers aus dem Jahre 1971 im Zeitalter des Trash-TV.

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