E-Commerce-Duell: Amazon überholt Ebay

Die besten Zeiten von eBay scheinen vorbei – und das nicht erst seit der dramatischen Finanzmarktkrise, die die Konsumlust bremst. Ausgerechnet der lange Jahre distanzierte Rivale Amazon macht vor, wie Wachstum auch in schwierigen Zeiten funktioniert. Aktionäre haben in das weltgrößte Online-Auktionshaus eBay, das Mittwoch neue Quartalszahlen vorlegt, offenbar das Vertrauen verloren. Amazon ist an der Börse inzwischen mehr wert.

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Die Geschichte wiederholt sich. Mehr als acht Jahre ist es her, als die Weltbörsen plötzlich dramatisch in den Abwärtssog gerieten. Damals platzte die Internetblase, heute fordert die Finanzmarktkrise ihren Tribut. Und was für einen: In der vergangenen Woche stürzten die amerikanischen Aktienmärkte so dramatisch ab wie nie in ihrer 134-jährigen Geschichte. Kursverluste im Dow Jones: Mehr als 18 Prozent.

Auch die Technologie- und Internetaktien befinden sich im freien Fall. Die Technologiebörse Nasdaq verlor mehr als 16 Prozent. eBay, mit einer Marktkapitalisierung von 22 Milliarden Dollar noch immer das dritthöchst bewertete Internetunternehmen der Welt, schien da mit einem Abschlag von 12 Prozent noch gut bedient. Doch das Bild täuscht: Seit Jahresbeginn hat sich die einst so heiß begehrte eBay-Aktie halbiert – seit dem Allzeithoch Ende 2005 beträgt das Minus happige 75 Prozent.

Kommender Abschwung: eBay dies mal wieder „rezessionssicher“?

Dabei gilt eBay in Krisenzeiten eigentlich als prädestinierter Profiteur. Das war in der Rezession von 2001 der Fall: Als das Geld für ausdehnte Besuche in der Shoppingmall nicht mehr locker saß, schlug die Stunde des Online-Auktionators. Schnäppchenjäger stürmten den boomenden Online-Handelsplatz. „Wir sind zu einem gewissen Maße rezessionssicher“, freute sich eBay-Gründerin Meg Whitman seinerzeit.

Acht Jahre später steht erneut eine Rezession vor der Tür, doch diesmal sind ganz andere Töne aus San José zu hören. „Es sieht so aus, als ob uns ein typischer Wirtschaftsabschwung bevorsteht, der auch vor dem Konsumenten nicht Halt macht“, wird Whitmans Nachfolger John Donahoe in der „New York Times“ zitiert.

Was nicht verwundert: Wie der Online-Bezahldienst eBillme ermittelte, wollen 48 Prozent der Befragten ihre Käufe zurückstellen – und das vor der bevorstehenden Weihnachtssaison, der für den Handel mit Abstand wichtigsten Zeit des Jahres. Entsprechend passen die Analysten bereits ihre Prognosen an – nach unten. „Angesichts der gesamtwirtschaftlichen Schwäche glauben wir, dass die nachlassende Konsumentennachfrage auch zu schwächeren Durchschnittsverkaufpreisen führen wird“, folgert Youssef Squali von der Investmentbank Jefferies.

Branchenkollege David Joseph von Morgan Stanley kürzte unterdessen bereits seine Gewinnschätzungen: Statt 2,04 Dollar je Aktie rechnet Joseph im nächsten Jahr nun nur noch mit einem Gewinn von 1,91 Dollar je Anteilsschein. Das entspräche einem erwarteten Gewinnwachstum von gerade einmal zehn Prozent.
Amazon: Rasante Aufholjagd – mehr als 30 Prozent Wachstum erwartet

Wachstumsraten in mehr als dreifacher Höhe sind dagegen beim Rivalen Amazon zu erwarten. Nach 1,54 Dollar je Anteilsschein dürfte der weltgrößte Online-Einzelhändler im nächsten Jahr auf 2,04 Dollar kommen – ein Plus von 32 Prozent. 

Die Wachstumsunterschiede dokumentieren den erstaunlichen Wandel, in dem die beiden Online-Pioniere begriffen sind. Nach Jahren im Schatten eBays befindet sich Amazon nämlich rasant im Aufwind. Während eBay 2005 von der Wall Street noch dreimal so hoch bewertet wurde, hat Amazon den Online-Auktionator inzwischen mit einem Börsenwert von 24 Milliarden Dollar knapp hinter sich gelassen. 

Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass die Geschäftsmodelle der beiden Online-Pioniere nach Jahren der mehr oder weniger friedlichen Koexistenz immer mehr kollidieren – und Amazon dabei zuletzt einige harte Treffer landen konnte. So erwirtschaftet der einstige Buchversender 29 Prozent seiner Umsätze bereits durch den Handel mit Drittanbietern – eBays Kerngeschäft.

eBay vs. Amazon: Platz genug für beide?

Schlimmer noch für den Dot.com-Veteran aus dem kalifornischen San José: Der beliebte Handelsplatz hat es in den letzten Jahren versäumt, sich neben den klassischen Auktionsgeschäft neue Wachstumsfelder zu suchen. Vor allem die völlig überteuerte Skype-Übernahme steht bis heute exemplarisch für die verfehlte Wachstumsoffensive. Allein im vergangenen Geschäftsjahr musste eBay 1,4 Milliarden Dollar auf die Akquisition abschreiben. Amazon konnte dagegen mit der Einführung des  Digitalbuch-Lesegeräts Kindle einen Überraschungserfolg landen.

Dennoch: Obwohl Amazons Wachstumsdynamik beeindruckt und die beiden Online-Pioniere an der Wall Street praktisch gleichauf liegen, fährt eBay noch immer deutlich höhere Gewinne ein. Allein im letzten Quartal verdiente das Online-Auktionshaus mit 460 Millionen Dollar fast dreimal soviel wie der Seattler Konkurrent (158 Millionen Dollar).

Glaubt man eBay-CEO John Donahoe, wird das zum Infight stilisierte Dull der beiden Dot.com-Veteranen ohnehin zu hoch bewertet: „Ich glaube, dass es jede Menge Platz für beide im Markt gibt, um erfolgreich zu sein“, diktierte der 48-Jährige der „New York Times“ am Wochenende. Aktionäre werden die Einschätzung kritisch überprüfen, wenn eBay am Mittwoch nach Handelsschluss neue Unternehmensdaten für das abgelaufene Quartal vorlegt. 

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