Medienkrise: Wie hart wird der Aufprall?

Es ist alles schon einmal da gewesen. Zum zweiten Mal in diesem Jahrzehnt muss sich die Wirtschaft vor einer aufziehenden Krise wappnen. Im Gegensatz jedoch zum Platzen der Internet-Blase und den eher Verwerfungen nach dem 11. September trifft die große Finanzmarktkrise die globale Konjunktur wohl so sehr ins Mark wie seit der großen Weltwirtschaftskrise in den 30ern nicht mehr. Besonders die zyklische Medienbranche muss sich auf eine Zeit des Leidens einstellen.

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Der reflexartig greifende Mechanismus ist schnell erklärt: Nach dem Absturz der Hochfinanz, dem Einfrieren des Kreditmarktes und dem kommenden Absturz in die Rezession sind Einsparungen beim Werbebudget das leichteste Bauernopfer vieler Großunternehmen. „Safety first“ heißt es in diesen Tagen in vielen Vorstandsetagen der Republik, was leider bedeutet, dass bei Anzeigenetats oftmals der Rotstift angesetzt wird.

Die ersten Einschnitte sind bereits sicht- und spürbar: G+J verhängte den Einstellungsstopp, eBay kürzte schon jede zehnte Stelle, beim Technologiegiganten Hewlett-Packard fallen gar 25.000 Arbeitsplätze massiven Restrukturierungsplänen zum Opfer. Auch operativ ist die  Abwärtsspirale absehbar: Neue Projekte werden vorerst gestoppt, Ausgaben zurückgefahren – Markenartikler sparen bereits zweistellig.

Fest steht schon jetzt: Der nachlassende Konsum trifft die Medienbranche an einem wunden Punkt. Warum, ist augenscheinlich: Gegessen, gewohnt und gefahren werden muss immer. Aber mitten in der Krise hochpreisige Magazine gelesen? Pay-TV gesehen? Oder kostenpflichtige Online-Inhalte gekauft.

Dabei ist die Krise alles andere als selbstverschuldet. Obwohl die Verlage, TV-Sender und Online-Medien aus dem großen Knall der Dot.com-Blase gelernt und in den vergangenen Jahren vorsichtiger investiert hatten, werden sie nun vom brutalen Ausmaß der Finanzmarktkrise mit voller Wucht erfasst.

Fast im Stundenrhythmus laufen  neue Horrormeldungen über die News-Ticker – ein Allzeittief jagt das nächste an den Weltbörsen. Immer öfter kommen die schockierenden Nachrichten auch aus der realen Wirtschaftswelt. General Electric, über Jahrzehnte das höchst bewertete Unternehmen der Welt, warnt vor einbrechenden Geschäften, bei Opel stehen bereits die Bänder still. Die Kanzlerin sieht sich unterdessen gar gezwungen, in einem dramatischen Statement die Sicherheit von Spareinlagen zu bekräftigen („Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind“). Wann hat es das zuletzt gegeben?

Keine Frage: Die Welt befindet sich in diesen Tagen im Ausnahmezustand – in einer  regelrechten Schockstarre, wie es sie seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat. „Die Angst vor der Angst“, betitelte der „Spiegel“ in der aktuellen Ausgabe die Misere, die sowohl die Aktienmärkte als auch die reale Wirtschaft in diesen Tagen mit eiserner Hand im Griff hat.

Noch befinden wir uns in einer Grauzone: Nach dem Börsencrash ist vor der Rezession. Es ist der Vorabend der kommenden großen Medienkrise. In einer großen Sonderserie untersucht MEEDIA die Ursachen, blickt auf die letzte Talfahrt nach dem Platzen der Dot.com-Blase zurück und diskutiert mit Experten aus der Medienbranche, Werbung und Wirtschaft, wie schwer der Einbruch werden wird.

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