Eine DVD muss als Auflagen-Garant herhalten

Was lag näher, als im Vorfeld der Olympischen Spiele eine Titelgeschichte über China zu bringen? Der „Spiegel“ traute sich in Heft 32, schätzte die Zugkraft des Themas aber offenbar nicht allzu hoch ein. Durch den Einsatz einer Gratis-DVD mit einem „Spiegel TV“-Film über Maos Aufstieg zur Macht durchbrach der Titel dann doch locker die magische […]

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Was lag näher, als im Vorfeld der Olympischen Spiele eine Titelgeschichte über China zu bringen? Der „Spiegel“ traute sich in Heft 32, schätzte die Zugkraft des Themas aber offenbar nicht allzu hoch ein. Durch den Einsatz einer Gratis-DVD mit einem „Spiegel TV“-Film über Maos Aufstieg zur Macht durchbrach der Titel dann doch locker die magische 400.000er-Marke im Einzelverkauf und kam auf insgesamt 445.015 Exemplare. Ein Erfolg, der neuen Doppel-Spitze in der Chefredaktion deutlich seltener gelingt als Vorgänger Stefan Aust. Der „stern“ legte in derselben Woche mit der „Teilzeit-Falle: Warum die Rechnung mit Job und Familie nicht aufgeht“ einen soliden Wert im Einzelverkauf hin (372.198 Exemplare). Auch der „Focus“ schaffte es mit Heft 32, eine Schallmauer im Einzelverkauf zu durchbrechen. „Der Stille Killer Bluthochdruck“ kam auf über 210.863 Hefte. Mehr schaffte zuletzt nur ein Diät-Titel in Woche 24.

Bei Titelthemen kommt es auch aufs Timing an. Bei großen Events oder Rückblicken versuchen viele Blattmacher, quasi in die publizistische Pole Position zu kommen. Motto: Wer als Erster das Highlight zum Titelthema macht, hat die Nase auch am Kiosk deutlich vorn. So erscheinen Jahresrückblicke bereits in den ersten Dezembertagen, werden Stars lange vor dem runden Geburtstag gewürdigt.
Dass diese Rechnung nicht immer aufgeht, zeigt der Blick auf den MEEDIA-CoverCheck der Heftfolgen 30 und 31 von „Spiegel“ und „stern“. Der „Spiegel“ legte mit seinem Obama-Cover einen Frühstart hin und brachte die Titelgeschichte im Vorfeld des Berlin-Besuchs des US-Präsidentschaftskandidaten. Das Ergebnis: ein für „Spiegel“-Verhältnisse recht mäßiger Einzelverkauf von 355.867 Exemplaren. Grund hierfür könnte die eigenwillige Titelgestaltung mit der Typo der DSDS-Show von RTL und der weitgehend sinnfreien Headline „Deutschland trifft den Superstar“ sein. Der „stern“ machte es eine Woche besser und titelte journalistisch griffig: „Barrack Obama: Erlöser oder Verführer?“ Für den Nachzügler entschieden sich 351.618 Käufer im Einzelhandel und damit fast genauso viel wie für den „Spiegel“ der Vorwoche.

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