„Viele Start-ups erleben das Frühjahr nicht“

Trotz der Finanzkrise hat Lukasz Gadowski noch allen Grund zu feiern. Gerade verkauft der Berliner die polnische Jugend-Community ePuls an Gruner + Jahr. Nicht der erste erfolgreiche Exit des StudiVZ-Investors und Spreadshirt-Gründers. Im MEEDIA-Interview erklärt der Business Angel welche Auswirkung die Finanzkrise auf die deutsche Web-Wirtschaft haben wird, welche Start-ups kaum überleben werden und warum E-Commerce-Angebote Krisen-Gewinner sein können.

Anzeige

Gratulation. Gerade haben Sie Ihr Investment epuls.pl an Gruner + Jahr verkauft. Haben Sie viel gefeiert?
Wir haben uns sehr gefreut, aber noch nicht mit dem Team gemeinsam gefeiert.

Was ist ePuls.pl?
Eine Community für Kinder und Jugendliche. Die Kids chatten dort miteinander. In Polen hatte ePuls über zwei Millionen Mitglieder. Es gibt auch einen deutschen Ableger, aber der ist bei weitem nicht so groß.

Werden Sie in der nächsten Zeit noch häufiger Grund zum Feiern haben oder macht Ihnen die Kreditkrise das Investoren-Geschäft kaputt?
Nö. Ich denke nicht. Es wird schwieriger, aber nicht unmöglich.

Wird die Finanzkrise viele zarte deutsche Start-up-Pflänzchen eingehen lassen?
Nein. Wir haben es nicht mit einer Internet-, sondern einer Finanzkrise zu tun. Problematisch wird es dann, wenn die ganze Wirtschaft kaputt geht. Wenn die Situation vergleichbar mit der von 1929 wäre. Aber die sehe ich nicht. Problematisch könnte allerdings sein, dass wir mit der ersten große Krise unserer globalisierten Weltwirtschaft umgehen müssen. Hier fehlt die nötige Erfahrung. Es gab vorher noch keine Krise in der globalisierten Business-Welt.

Für welche Start-ups wird es besonders eng?
Für alle im direkten Kontakt mit der Finanzwirtschaft. Alle jungen Companys aus dem Bankenumfeld werden – egal wie gut sie sind – nur geringe Überlebenschancen haben.

Wie soll man sich in dieser Krise denn richtig verhalten?
Man sollte jetzt antizyklisch handeln, bzw. Geduld aufbringen, an seine Projekte glauben und weiterarbeiten. Technologie-Unternehmen oder Venture Capital Firmen, die 2000 bis 2003 einfach weitergemacht haben – natürlich mit nur geringen Wachstum – gehörten zu den großen Gewinnern der damaligen Krise. Spreadshirt ist ein gutes Beispiel dafür. Ich habe das Unternehmen 2002 gegründet und es entwickelte sich kontinuierlich weiter. Motto muss sein: an das Fundamentale glauben und daran halten.

Spreadshirt hatte immer den Vorteil, dass es von der ersten Minute an Einnahmen erzielte?
Ja. In der jetzigen Situation sind die Unternehmen im Vorteil, die kleine und relativ günstige Produkte verkaufen. Bei Luxusartikel wird gespart. Ein T-Shirt geht aber immer. Oder ein Angebot wie GameDuell, wo man nur kleine Summen auf einmal ausgibt. Gerade für solche Geschäftsmodelle bietet die gegenwärtige Situation viele Chancen.

Haben werbefinanzierte Angebote überhaupt noch eine Chance?
Ja. Allerdings ist es unklar, wie hart die Online-Werbung von der Krise getroffen wird. Man kann aber wohl nicht von einem Rückgang der Web-Werbeausgaben ausgehen. Es wird vermutlich eine Stagnation geben. Relativ zu anderen Medien wird das Internet auch in der Krise gewinnen.

Rechnen Sie in den nächsten Monaten noch mit Börsengängen von Technologie-Unternehmen. So scheinen die Pläne bei Sevenload beispielsweise ja sehr konkret zu sein?
Es würde mich sehr überraschen, wenn es in den nächsten Monaten Börsengänge im Technologie-Sektor geben würden. Aber ausschließen würde ich es auch nicht.

Macht es für Sevenload Sinn an die Börse zu gehen?
Ich kenne die Situation zu wenig, würde es aber bezweifeln.

Sie sind ein vor allem erfolgreicher Früphasen-Investor. Gehört es noch zu Ihren Träumen, ein Start-up erfolgreich an die Börse zu bringen?

Nein. Viele vor allem kleinere Börsengänge finde ich nicht sinnvoll. Die Unternehmen müssen einen riesigen Overhead-Bereich aufbauen. Ist mir viel zu viel Bürokratie.

Zurück zur Finanzkrise: Ist die Situation der Technologie-Unternehmen vergleichbar mit 2000 bis 2003?
Nein. Damals hatten die Leute das Vertrauen in das ganze Internet und die Venture Capital-Firmen verloren. Das ist heute nicht der Fall, es ist keine spezifische Krise des Technologiesektors.

Wie viele deutsche Start-ups machen Pleite, wie viele überleben?
Es wird viele geben, die das Frühjahr nicht erreichen werden. Aber das hat oftmals nicht mit der Bankensituation zu tun, sondern ist ein zyklischer Prozess. Vor über einem Jahr hatten wir eine massive Gründerwelle. Jetzt zeigt sich, welche Unternehmen überleben können und welche dicht machen müssen. Das ist ein ganz natürlicher Prozess der – wenn auch vielleicht schwächer – auch ohne Finanzkrise stattgefunden hätte.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige