„Keiner braucht 10 Sportler-Communities“

Jens Kunath gehört zu den umtriebigsten Gründern und Investoren in der deutschen Start-up-Landschaft. Bereits Ende der 90er Jahre baute der Hamburger den Web-Vermarkter Orangemedia auf. Sein neuestes Projekt ist Investment ist die Produktberatung Deals.de. Im MEEDIA-Interview spricht Kunath über die deutsche Start-up-Szene, den Boom von Frauen-Angeboten im Internet und die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise auf die Web-Wirtschaft.

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Haben sie heute schon den aktuellen Börsenverlauf gecheckt?
Ja, im Moment schaue ich wieder täglich auf meine Aktienanlagen. Es sind bewegte Zeiten, die viel Risiko bergen. Aber es gibt auch Chancen, günstig einzusteigen.
 
Macht Ihnen die aktuelle Finanzkrise als Investor, Business Angel und Seriengründer eigentlich Angst?
Für meine geschäftlichen Aktivitäten sind die Auswirkungen der Finanzkrise derzeit noch sehr überschaubar. Bei meinen privaten Geldanlagen spüre ich die Auswirkungen des Finanzmarktes deutlicher. Angst macht mir das aber nicht, denn jede Krise bietet auch unzählige Chancen.
 
Sie haben bereits den Crash 2000/01 miterlebt. Ähneln sich die Zeiten?
In der Tat gibt es Parallelen zu den Jahren 2000/2001. Auch damals waren die Börsen heiß gelaufen und viele Titel überbewertet. Eine Korrektur war damals nötig, und auch jetzt platzt die Spekulationsblase. Zur Jahrtausendwende brach der Werbemarkt ein, das sehe ich in der jetzigen Phase nicht. Aber auch in der Onlinewerbung wachsen die Bäume nicht mehr unbegrenzt in den Himmel. Das Wachstum verlangsamt sich, und das hat zum Teil wieder schmerzhafte Auswirkungen auf Agenturen, Vermarkter und Publisher. Der Markt wird sich im nächsten Jahr noch weiter konzentrieren – und das ist auch gut so. Aber einen entscheidenden Unterschied gibt es: Die Branche ist erwachsen geworden. Es gibt viele wirtschaftlich gesunde Unternehmen in der Branche, die hoch rentabel sind.
 
Wird die aktuelle Finanzkrise zu einem ernsthaften Problem für die deutsche Start-up-Szene werden?
Die Auswirkungen für die deutschen Start-ups sehe ich sehr begrenzt. Die VC-Investitionen in Deutschland sind rar und Börsengänge sowieso. Die meisten Start-ups wurden aus privaten Mitteln der Gründer oder überschaubare Angel-Investments finanziert. Es wird für Start-ups zunehmend schwieriger, Geld einzusammeln. Das hat aber nichts mit der Finanzkrise zu tun, sondern die Investoren betrachten den Markt einfach wieder realistischer.
 
Ist es nicht an der Zeit, dass sich der Markt ein wenig reguliert? Noch immer gibt es wohl zu viele Start-ups und zu wenig Kunden?
Ich begrüße es, dass sich der Markt reguliert. Auch ohne die Finanzkrise hätte der Markt nicht so viele Start-ups benötigt. Keiner braucht zum Beispiel zehn Social Networks für Sportler. Es wird Zeit, dass wieder über Umsatz und Gewinn gesprochen wird und nicht über Userzahlen.
 
 
Würden Sie in der aktuellen Situation noch Geld in ein Projekt stecken, das sich ausschließlich über Werbung finanziert?

Ja, denn man wird auch in den nächsten Jahren mit Onlinewerbung viel Geld verdienen können. Entscheidend ist es, das passende Angebot für die richtige Zielgruppe zu machen.
 
Wie müsste ein Projekt aussehen, in das Sie aktuell investieren?
Super Team, interessantes Geschäftsmodell. Idealerweise transaktionsgetrieben.
 
Ihr neuestes Projekt ist Deals.de. Was versteckt sich hinter dem Angebot?
Deals.de sammelt die besten Deals im Internet. Jeden Tag werden von unserem Redaktionsteam unzählige Schnäppchen geprüft, bewertet und für den Leser aufbereitet. Die besten Angebote werden dann auf deals.de veröffentlicht. Abgerundet wird das Portal durch einen Preisvergleich, der die Angebote von mehreren tausend Onlineshops vergleicht.
 
Darüber hinaus haben Sie vor nicht langer Zeit das Frauenportal „ForHer“ gestartet. Warum noch ein Frauen-Angebot?
Der Werbemarkt fragt nach Frauenzielgruppen. Diesen Bedarf stillen wir mit dem Angebot. Als wir die Entwicklung von forher.de beschlossen haben, gab es kaum Lifestyle-Portale für Frauen im deutschen Internet. Zum Launch im August diesen Jahres starteten dann plötzlich fünf Angebote gleichzeitig. Aber das macht uns keine Sorgen. Wir planen langfristig, und der Markt ist groß genug für mehrere Anbieter.
 
Wie läuft ForHer?
Sehr gut. Wir konnten im September 848.000 Visits verzeichnen, davon 337.000 unique Visitors. Damit sind wir innerhalb von zwei Monaten zu einem ernsthaften Player im Frauensegment aufgestiegen. In Kürze wird unsere Marketingkampagne starten, was zu weiter steigenden Besucherzahlen führen wird. Unser Vermarkter Orangemedia hat uns auch schon die ersten Werbeerlöse überwiesen.

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