WAZ-Gruppe: Angst vor Radikal-Umbau

Die Essener WAZ Gruppe steht vor einem tiefgreifenden Strukturwandel. Am Wochenende baten die beiden WAZ-Chefs Christian Nienhaus und Bodo Hombach die Chefredakteure zum Synergiegipfel. Was dort auf den Tisch kam, versetzt die Belegschaft in Angst und Schrecken: zentrale Mantelressorts, Zusammenarbeit von Titeln, Einsparung von Redaktionen. Nienhaus will offenbar seinen Erfolg bei der "Bild"-Gruppe wiederholen.

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Er setzt ganz auf Synergien, Sparen und Marketing. Effizienz regierte bereits die Synergie-Tagung der Chefredakteure. Statt wie geplant zwei Tag dauerte die Sitzung nur einen. Laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ erstellt die Personalberatung Schickler derzeit eine Expertise zu einem umfassenden Umbau der WAZ-Gruppe in Deutschland. Erst kürzlich hat Nienhaus via Interview verkündet, dass die Gruppe ein Rendite-Problem habe und einige Titel rote Zahlen schreiben. Per Brief hat die Geschäftsführung bereits eine „Umstrukturierung und Neuorganisation“ angekündigt. Worte, bei denen nicht nur beim Betriebsrat der WAZ-Gruppe die Alarmglocken schrillen. Der Betriebsrat hat vorsichtshalber bereits Juristen für drohende Arbeitsrechtsprozesse angeheuert. WAZ-Personalmanager Joachim Kopatzki bestätigte gegenüber der „SZ“ einen „erheblichen Personalabbau“, kursierende dreistellige Zahlen seien aber „Phantasie“.

In den Redaktionen ist die Stimmung hoch alarmiert. Bei der „Westfälischen Rundschau“ gibt es über die Angst vor der bevorstehendenSpar-Welle hinaus noch Ärger wegen Chefredakteurin Kathrin Lenzer. Sie lieferte sich eine hässliche Auseinandersetzung mit dem langjährigen „WR“-Redakteur und Sport-Ressortleiter Hermann Lamberty. Der soll sie mit Fäkalausdrücken beschimpft haben und wurde fristlos entlassen. Mittlerweile wurde die fristlose in eine fristgerechte Kündigung umgewandelt und die Vorwürfe fallengelassen. Der Fall zeigt, wie blank die Nerven in den WAZ-Redaktionen liegen.

Während die Redaktionen einen Kahlschlag fürchten, soll kräftig ins Marketing investiert werden. Beim Deutschen Patent- und Markenamt hat sich dieWAZ Gruppe den Namen „Produkt des Westens“ schützen lassen. Die Vermutung liegt nahe, dass Nienhaus die Zeitungen zum Vertriebskanal für allerlei verlagsfremde Produkte machen will. Genau wie er es mit den berühmten „Volks“-Produkten bei „Bild“ vorexerziert hat. Vielleicht bekommt der Verlag dann, genau wie „Bild“, eine eigene „Bibel“-Edition – die WAZ-Bibel.

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