Studie: Datenschutz in Networks mangelhaft

Das Netz vergisst nicht. Ob Kommentare oder Foren-Einträge: Vieles, was im Web veröffentlicht wird, bleibt stehen. In Social Networks fühlen sich die User dagegen sicher: jeder bestimmt selbst, was er preisgeben will, Accounts können gelöscht werden. Doch auch hier bleiben Daten nach Kündigung der Mitgliedschaft im Netz. Aktive User sind öffentlicher, als viele denken. Forscher des Fraunhofer Instituts haben StudiVZ und Co. untersucht. Ihr Urteil: mangelhaft.

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In der neuen Studie zur Privatsphäre in Social Networks des Fraunhofer Instituts für sichere Informationstechnologie werden die teils grotesken Zustände erfasst und StudiVZ, Facebook, MySpace, Wer-kennt-wen, Lokalisten, Xing und Linkedin untersucht. Das Fazit der Forscher: Wer glaubt, Social Networks seien geschlossene Veranstaltungen, irrt gründlich. Hier können Außenstehende mehr erspähen, als den Mitgliedern recht sein kann.

Das deutsche Netzwerk Lokalisten.de (ProSiebenSat.1) schneidet in der Studie am schlechtesten ab, vor allem wegen seiner mangelhaften Zugriffskontrolle, die darüber entscheidet, welche Daten andere User einsehen können oder nicht. Auf Anfrage von MEEDIA wies das Münchner Unternehmen Kritikpunkte der Studie als „unvollständig und teilweise falsch“ zurück. So gebe es anders als in der Studie behauptet bei den Lokalisten „Blacklists“, mit denen unerwünschte Besucher gesperrt könnten. Dennoch nähme das Unternehmen die Studie ernst und arbeite „kontinuierlich daran, die Einstellungen und den Schutz der einzelnen Mitglieder zu optimieren“.

Das US-Pendant Facebook ist laut Fraunhofer Institut das sicherste Netzwerk. „Bis auf wenige Ausnahmen können alle Daten geschützt werden“ heißt es in der Studie. Bei den beiden untersuchten Business Networks Xing und LinkedIn kommt LinkedIn besser weg. Hier ließen sich Accounts leichter kündigen, auch das Löschen von Angaben sei einfacher als bei der Konkurrenz. Für Xing-Pressesprecher Thorsten Vespermann sind Teile der Studie jedoch Augenwischerei: „Unsere Uer wollen von Außenstehenden gefunden werden und sich auf unseren Seiten umfangreich präsentieren, natürlich geben sie da mehr von sich preis als anderswo. Aber das ist ja auch Sinn und Zweck eine Business-Netzwerks.“ Doch auch Vespermann muss zugeben, dass die Studie Anlass zum Nachdenken bietet. Bisher ist es bei Xing etwa so, dass Gästebuch- oder Foreneinträge auch nach Kündigung der Mitgliedschaft unter dem Klarnamen stehen bleiben, „wir werden prüfen, ob dieses Verfahren so richtig ist und es gegebenenfalls ändern“, so Vespermann gegenüber MEEDIA.

Keine der getesteten Plattformen konnte die Forscher vollständig überzeugen. „Von der Nutzung mancher Dienstfunktionen ist sogar abzuraten, weil die Zugriffskontrollen teilweise einfach nicht funktionieren oder ganz fehlen,“ so Andreas Poller, Studienautor des Fraunhofer-Instituts. Unzählige geschützte Fotos, die nicht für die Öffentlichkeit freigegeben waren, fanden die Forscher im Netz. Aber auch persönliche Angaben, die etwa politische Ansichten oder Familienstatus betrafen und innerhalb der Netzwerke gemacht wurden, konnten die Forscher einsehen.

Unangenehm kann es für User vor allem werden, wenn Informationen wie Foren-oder Gästebucheinträge auch nach der Aufgabe der Mitgliedschaft weiter im Netz stehen bleiben, wie es bei einem Social Network der Fall war. „Auch Phishingbetrüger und Angreifer, die es auf Firmengeheimnisse abgesehen haben, freuen sich natürlich über solche Informationen. Denn damit können sie sich leichter das Vertrauen der Nutzer oder anderer Personen erschleichen“, so Andreas Poller.

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