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Schweizer entdecken den Newsroom

Jetzt auch die Schweiz! Wie Medienlese berichtet, plant der Ringier Verlag für seine „Blick“-Gruppe einen integrierten Newsroom. Ab Januar 2010 sollen Die Boulevardzeitung „Blick“ sowie ihre Ableger „SonntagsBlick“, „Blick Online“ und der Gratis-Titel „Blick am Abend“ gemeinsam produziert werden. Der integrierte Newsroom hat sich mittlerweile zu einem Standard-Modell in Zeitungshäusern entwickelt. Die „FTD“ hat einen, […]

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Jetzt auch die Schweiz! Wie Medienlese berichtet, plant der Ringier Verlag für seine „Blick“-Gruppe einen integrierten Newsroom. Ab Januar 2010 sollen Die Boulevardzeitung „Blick“ sowie ihre Ableger „SonntagsBlick“, „Blick Online“ und der Gratis-Titel „Blick am Abend“ gemeinsam produziert werden.

Der integrierte Newsroom hat sich mittlerweile zu einem Standard-Modell in Zeitungshäusern entwickelt. Die „FTD“ hat einen, das „Handelsblatt“ und natürlich die „Welt“/Morgenpost“-Gruppe von Axel Springer. Die waren wenn nicht die ersten aber auf jeden Fall die, die das Konzept am radikalsten vorangetrieben haben. Überhaupt machte so einiges Schule, was Springer teilweise unter lauten Buhrufen angestoßen hat. Über eine Fusion von Redaktion wie weiland bei „Welt“ und „Berliner Morgenpost“, regt sich heutzutage kaum jemand mehr auf. Auch ich sah damals so etwas wie den Untergang des Zeitungs-Abendlandes heraufziehen und habe mich getäuscht.

Es ändern sich einfach die Produktionsbedingungen. Allein das Wort „Produktion“. In den modernen Newsrooms wird effizient gearbeitet, Print und Online werden aus einr Hand geplant und dirigiert. In diesen Großraumbüros mit Rollcontainern und standardisierten Arbeitsplätzen ist kein Raum mehr für die Schrullen des Zeitungsmacherwesens von früher. Hier gibt es keine Aschenbecher schmeißenden, Choleriker als Chefs und keine Bierflaschen, die kurz vor Redaktionsschluss über den Flur kullern. Es gibt vielleicht die eine oder andere geniale Zeile weniger, alles läuft ruhig und smooth, aber hey: Ob der Leser wirklich die angebliche Genialität der Blattmacherkunst früheren Zuschnitts honoriert hat? Man weiß es nicht.

In der Schweiz prallen nun offenbar die alte, romantische und gefühlsbeladene Zeitungswelt und die neue Effizienz-Maschine ziemlich heftig aufeinander. Wie Medienlese schreibt, können sich die Redakteure von „Blick“ und „SonntagsBlick“ nämlich nicht leiden und die Sonntagsleute überlegen schon, wie sie den „Blick“-Kollegen ihre besten Geschichten denn vorenthalten könne, wenn sie bald gemeinsam in einem Newsroom aufeinander hocken. Das ist vielleicht ganz lustig, wenn man sich seine Feindbilder unter den Kollegen suchen kann und so die eigene Identität schärft, modern und zeitgemäß ist es jedenfalls nicht.

Von den „WAZ“-Titeln, wo gerade Herr Nienhaus seinen eisernen Spar-Besen schwingt, bis zum „Blick“ in die Schweiz. Redakteure von traditionellen Print-Titeln werden sich noch landauf landab wundern, mit wie wenig Personal man eigentlich eine Zeitung machen kann, die gar nicht mal unbedingt schlechter ist, als das Ding, das man früher hergestellt hat, in der vermeintlich guten, alten Zeit.

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