Arbeitsteilung ist schön,

ich käme wahrscheinlich nicht sehr weit, wenn ich das Kupfer für die Drähte der Elektromotoren der U-Bahn selber schürfen müsste. Es ist auch großartig, Geräte benutzen zu können, die CDs oder MP3s abspielen – ohne dass ich ganz genau wüsste, wie sie das tun. Aber die Arbeitsteilung hört hier nicht auf. Es gibt mittlerweile Geräte […]

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ich käme wahrscheinlich nicht sehr weit, wenn ich das Kupfer für die Drähte der Elektromotoren der U-Bahn selber schürfen müsste. Es ist auch großartig, Geräte benutzen zu können, die CDs oder MP3s abspielen – ohne dass ich ganz genau wüsste, wie sie das tun.

Aber die Arbeitsteilung hört hier nicht auf. Es gibt mittlerweile Geräte und Dienste, die mir sagen, was ich hören sollte, denn sie haben ein sehr gutes Gedächtnis. Sie kennen meine Vorlieben und die von Gleichgesinnten. Last.fm und iTunes ahnen, was ich will und bieten auch jede Menge Zusatzinformationen. Auch Radiosender kennen meine Wünsche genau – sie sprechen zu mir und duzen mich, sie spielen nur „deine Musik“, „deine Hits“.

Sie gehen zu weit ! denke ich dann. Obwohl sie mich natürlich immer wieder beschenkt haben. Aber selbst wenn die Apparate recht hätten, würde ich es nicht zugeben wollen. Und das nicht nur aus Widerwillen dagegen, von Maschinen erkannt worden zu sein.

Es ist eher das Unbehagen über den Dreh mit der Individualität. Ohne die gäbe es keine genau auf mich zugeschnittene Unterhaltung, keine mir ganz und gar entsprechenden Kunstwerke. Ohne sie könnte der Apparat nicht versuchen, mich bei der Eitelkeit zu packen, und könnte der Einzigartigkeit meines Geschmacks nicht schmeicheln. Besitze ich wirklich diese Individualität? Und wenn es irgendsoetwas geben sollte: Sollen mir die Maschinen deshalb alles vorverdaut servieren, mir jede Arbeit abnehmen?

Zum Erlebnis gehört auch die langsame, oft schwierige Annäherung. Es gibt einen Reiz am Unbekannten, eine Lust, Widerstände zu überwinden – auch bei Musik. Amy Winehouse bewegt mich gegen meinen Wunsch immer wieder. Zu der großartigen Musik von Xenakis hätte ich anfangs wohl kaum „gefällt mir“ gesagt. Und ein bestimmtes Album von Pablo Lubadika Porthos seit Jahren vergeblich zu suchen, lässt allein schon seine Musik besonders wertvoll erscheinen.

Vorlieben gehen verschlungene Wege.

Deshalb folgt hier ein Link auf einen Radiosender, der es uns nicht ganz einfach macht. Vor allem abends.
Der Link

(Nicht zu verwechseln mit dem deutschen Klassikradio)

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