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Premiere-Spitze: Wer fliegt als Nächster?

Schummeleien bei den Abo-Zahlen, haltlose Versprechen und ein operativer Jahresverlust von bis zu 70 Millionen Euro: Beim Bezahlsender Premiere herrscht das Chaos. Nachdem am Wochenende bekannt wurde, dass fast eine Million "Abonnenten" keine zahlenden Kunden sind, ging der Aktienkurs in den Keller. Experten rechnen jetzt mit Anzeigen von Aktionären. Auch Aufsichtsratchef Rainer Grosskopf steht wegen mangelnder Kontrolle in der Kritik.

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Am Montagmorgen notierte die Aktie an der Frankfurter Börse bei 4,60 Euro und damit fast 70 Prozent und dem Höchstwert. Zwar versuchte der neue Vorstandsvorsitzende Mark Williams die Lage zu beruhigen, indem er eine genaue Überprüfung der Vorgänge ankündigte und zugleich die Notwendigkeit einer Kapitalerhöhung ausschloss.

Nach dem Ausscheiden von Georg Kofler als geschäftsführender Gesellschafter 2007 und dem Abgang von Nachfolger Michael Börnicke und Finanzvorstand Alexander Teschner sind weitere personelle Maßnahmen wahrscheinlich. „Im Grunde steht jeder unter Verdacht, der schon länger dabei ist“, zitiert das „Handelsblatt“ einen Insider. Als Wackelkandidat gilt inzwischen Aufsichtsratschef Rainer Grosskopf, der die vom Management künstlich überhöhten Abo-Zahlen stets abgenickt hatte. Ob er seinen Kontrollpflichten dabei gerecht wurde, soll nun überprüft werden.

Im Zentrum der Kritik steht der einstige Wunderheiler Georg Kofler, der durch die angebliche Sanierung des Pay TV-Senders sein Privatvermögen auf rund 100 Millionen Euro hochwuchtete. Nun stellt sich die Frage, ob er nicht schon beim Börsengang 2005 mit falschen Zahlen Kreditgeber und Anleger getäuscht hat. Zumindest gegen ihn könnten Verfahren wegen Schadenersatz angestrengt werden. Börnicke hatte noch im Sommer offenbar wider besseren Wissens von bis zu 10 Millionen Abonennten gesprochen, die Premiere mittelfristig binden könne.

Offiziell hat Premiere-Chef Mark Williams noch keine Vorwürfe gegen Kofler erhoben. Allerdings dürfte ihn wie seinen Chef Rupert Murdoch extrem verstimmt haben, dass der Kaufpreis für das Aktienpaket, das sich Murdoch Anfang des Jahres sicherte, aus heutiger Sicht deutlich zu hoch ausfiel. Auf Kofler, der nicht mehr in der Medienindustrie tätig ist, könnten unangenehme Zeiten zukommen.

Alles andere als erfreut ist auch die Deutsche Fußball Liga (DFL). Nachdem gerade die Kontrakte mit Leo Kirchs Firma Sirius gekappt wurden, scheint der nächste Bieter auf die Fußballrechte angeschlagen. Experten halten es für unwahrscheinlich, dass Premiere ohne die Rechte an der Bundesliga überhaupt überlebensfähig wäre. Vor dem Hintergrund der aktuellen Verluste scheint für die DFL ein attraktiver Verkaufspreis für das Rechte-Paket ab 2009/2010 in weite Ferne gerückt. Die Ausschreibung läuft noch bis Ende des Monats. Es wird erwartet, dass die DFL Premiere bei Preis und Spielplan weiter entgegenkommt.

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