Brigitte Mohn soll Bertelsmann führen

Family-Business as usual im Hause Bertelsmann. Der 87-jährige Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn hat mal wieder ein Buch vorgestellt: "Von der Welt lernen. Erfolg durch Menschlichkeit und Freiheit." Eine kleine Passage, in der es um Brigitte Mohn geht, die Tochter von Reinhard und Liz Mohn, sorgt im Konzern für Aufregung. Laut "Handelsblatt" sehen Bertelsmann-Manager darin einen deutlichen Hinweis, dass Brigitte (44) als künftige Herrscherin von RTL, G+J, Arvato und Co. eingeführt wird.

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Mohn-Sohn Christoph wird im gleichen Satz quasi aus dem Rennen gekickt. Wörtlich heißt es in dem Buch: „Während sich unser Sohn Christoph durch große Eigenständigkeit auszeichnet, teilt Brigitte in ihrer zielgerichteten und verantwortungsvollen Art meine Auffassung, dass jedermann mit seiner Arbeit auch einen Beitrag für die Gemeinschaft zu erbringen hat“, schreibt der alte Mohn. Und weiter: „Sie wird als engagiertes Mitglied des Stiftungsvorstands zweifelsohne auch zukünftig ihren Beitrag zur Kontinuitätssicherung der Bertelsmann-Stiftung einbringen.“ Hier wird kräftig mit dem Zaunpfahl gewunken. Dass Christoph Mohn nicht der kommende starke Mann im Konzern ist, kommt nicht überraschend. Zu schlecht laufen die Geschäfte bei dem von ihm verantworteten Internet-Unternehmen Lycos Europe. Selbst im größten Web-Boom schaffte Mohn jr. es nicht, mit dem Unternehmen Gewinne zu erwirtschaften.

Brigitte Mohn ist dagegen ganz nach dem Geschmack von Reinhard und vor allem seiner zweiten Frau Liz. Promoviert an einer Privathochschule, Erfahrung im Direktmarketing von Verlagen, Tätigkeit bei der Unternehmensberatung McKinsey, wo heute noch ihr Mann arbeitet. Die Macht-Weitergabe an Tochter Brigitte wird von Liz Mohn schon seit geraumer Zeit vorbereitet. Zu Beginn 2007 holte Liz Mohn ihre Tochter in den Aufsichtsrat der Bertelsmann AG. Brigitte Mohn ist bereits seit 2005 Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung und seit 2002 Gesellschafterin der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft. Damit sitzt sie in allen wichtigen Kontroll-Organen des Medienkonzerns. Laut „Handelsblatt“ gilt es als ausgemacht, dass Brigitte Mohn einmal den Vorsitz der wichtigen Verwaltungsgesellschaft einnimmt. Mit dem aktuellen Buch von Reinhard Mohn bekommt die Inthronisierung der Tochter nun quasi höchste Weihen.

Johannes Mohn, der einzige Mohn-Sprössling aus Reinhard Mohns erster Ehe, der sich im Konzern engagiert hatte, verlässt dagegen das Unternehmen. Johannes Mohn hält selbst knapp über sechs Prozent Anteile an Bertelsmann und galt vor dem Aufstieg von Mohns zweiter Frau Liz als designierter Nachfolger von Reinhard Mohn an der Spitze des Unternehmens. Er war auch schon im Aufsichtsrat des Konzerns tätig und im Executive Board Council von Bertelsmann zuletzt für Media Technology zuständig. Nun räumt er das Feld für seine Halbschwester. Für beide Zweige der Mohn-Familie ist an der Spitze offenbar kein Platz.

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