Premiere-Aktie stürzt um 60 Prozent

Mit einer Mitteilung am Donnerstagabend hat Pay-TV-Unternehmen Premiere für helle Aufregung gesorgt. Erstmals in der Geschichte der Firma wurden realistische Abozahlen genannt. Ergebnis: Es gibt fast 1 Mio. nicht zahlende Karteileichen, die in der Vergangenheit einfach zur Abozahl hinzugezählt wurden. Gleichzeitig warnte Premiere vor einem EBITDA-Verlust von 40 bis 70 Mio. Euro im laufenden Jahr. Folge am Freitag: Ein zwischenzeitliches Aktienkurs-Minus von über 60%.

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Dass die Premiere-Abozahlen in der Vergangenheit weitgehend schön gerechnet wurden, war kein Geheimnis, das Ausmaß der Aktion war am Donnerstagabend dann aber doch überraschend: Statt mehr als 3,5 Mio. Kunden zählt das Unternehmen nach neuer, ehrlicherer Rechnung auf einmal nur noch 2,411 Mio. direkte Abonnenten. Zieht man die 118.000 Gelegenheits-Kunden mit Pay-per-View- oder Pre-Paid-Beziehungen ab, bleiben 2,293 Mio. Abos in Privathaushalten, Sportsbars und Hotelzimmern. Zusätzlich verfügte man Ende September über 704.000 so genannte Wholesale-Abonnenten, davon 493.000 Kunden, die über Unitymedia Premiere-Programme beziehen, sowie 211.000 über UPC Österreich, Liwest, Teleclub und T-Home.

Die nun heraus gerechneten Karteileichen von 940.000 Pseudo-Abonnenten setzen sich wie folgt zusammen: 606.000 stammen aus Verträgen mit Geschäftspartnern, die bisher nicht zu Abonnement-Aktivierungen geführt haben, 334.000 „Kunden“ verfügen noch über eine Premiere-Smartcard, haben aber derzeit kein Abo, zahlen also auch nichts an das Unternehmen. Unglaublich, dass diese 940.000 nicht existenten Geschäftsbeziehungen in der Vergangenheit ohne Schulterzucken als Premiere-Kunden gewertet wurden.

Zusätzlich zur Abo-Wahrheit legte Neu-Premiere-CEO Mark Williams eine weitere Hiobsbotschaft auf den Tisch: Für das Gesamtjahr 2008 rechnet er mit EBITDA-Verlusten von 40 bis 70 Mio. Euro. „Wir überprüfen gründlich sämtliche Bereiche im Unternehmen und sind zuversichtlich, dass dies in eine neue strategische Ausrichtung mündet, die durch einen finanziell belastbaren Businessplan für das weitere Wachstum und die Profitabilität von Premiere unterstützt wird.“ Optimistisch klingt das nicht gerade. Die Börse reagierte am Freitag dann auch dramatisch: Vom Vortageskurs von 9,27 Euro blieben am Morgen zwischenzeitlich nur noch 3,55 Euro übrig. Ein Minus von über 60%. Andererseits aber vielleicht auch eine gute Gelegenheit für Rupert Murdoch, seinen 25,01%-Anteil noch ein wenig zu erhöhen.

Premiere-Finanzvorstand Alexander Teschner nahm im Zuge der schlimmen Nachrichten seinen Hut. „Mit Zustimmung des Aufsichtsrats“ wie es offiziell heißt. Bis ein Nachfolger gefunden ist, macht Mark Williams Teschners Arbeit mit. Teschner arbeitete zuvor seit 1998 im Unternehmen. Die Ergebnisse für das dritte Quartal, die nun nicht mehr rosig aussehen können, will Premiere am 13. November veröffentlichen. Weitere Hiobsbotschaften nicht ausgeschlossen.

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