Emig muss fast drei Jahre ins Gefängnis

Seine Verteidiger hatten für eine Bewährungsstrafe plädiert, das Gericht kam zu einem anderen Urteil: Jürgen Emig, der ehemalige Sportchef des Hessischen Rundfunks, muss wegen Bestechlichkeit und Untreue für zwei Jahre und acht Monate ins Gefängnis. Der Angeklagte habe "mit System" in die eigene Tasche gewirtschaftet. Damit geht ein Schmiergeldskandal zu Ende, der den deutschen Sportjournalismus in ein zweifelhaftes Licht gerückt hat.

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Der Fall Jürgen Emig war ein viel beachteter Präzedenzfall für das Landgericht Frankfurt. Die Richter ließen auch in ihrem Urteil keinen Zweifel daran, dass es sich keineswegs um ein Delikt handele, dem mit Milde und Nachsicht begegnet werden könnte, wie die Verteidigung geltend machen wollte. Die berufliche und wirtschaftliche Existenz ihres Mandanten sei ohnehin zerstört. Dies müsse strafmildernd berücksichtigt werden
Der 63-jährige Emig, so das Landgericht Frankfurt in seinem Urteil, habe sich sich der Untreue und Bestechlichkeit schuldig gemacht. Mit System hatte sich Emig als Leiter der Sportredaktion des Hessischen Rundfunks zwischen 2001 und 2004 mehr als eine halbe Million Euro aus Schmiergeldern und Schleichwerbung in die eigene Tasche gewirtschaftet. Das Gericht erklärte, dass Emig den Hessischen Rundfunk um mindestens 285 000 Euro geschädigt habe.
Emig hatte in dem Verfahren die Vorwürfe weitgehend eingeräumt. Allerdings hatte er immer wieder darauf hingewiesen, dass die von ihm angewandten Methoden Teil des medialen Geldbeschaffungs-Systems seien: Der Sender habe die Praxis gebilligt, Produktionshilfen von Sportveranstaltern zu verlangen. Eine Argumentation, der das Gericht nicht folgen wollte. Es konnte keine Mitverantwortung von Emigs Vorgesetzten feststellen. Der Sportjournalist war verdeckt über seine Frau an der Vermarktungsagentur SMP beteiligt. Die Firma kassierte Produktionszuschüsse von Sportveranstaltern für Sendungen. Ein Teil der Gelder floss auf Emigs Konten.

Wegen Bestechung und Beihilfe zur Untreue wurde der mitangeklagte ehemalige SMP-Geschäftsführer Harald Frahm (64) zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Außerdem muss er 100.000 Euro zahlen.

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