Google & Co. greifen Medienhäuser an

Zeitenwende im US-Medienbiz: Vor nur zehn Jahren ging Google online, vor fünf Jahren galt die Seite als die Suchmaschine und heute bereits als eine der führenden US-Medien Companys. Das amerikanische Magazin AdAge erstellt jedes Jahr eine Liste 100 der umsatzstärksten Medien-Firmen. In der aktuellen Auswerung springt der Web-Gigant von Platz 19 auf zwölf und ist damit Vorbote einer unaufhaltsamen Entwicklung: Junge Web-Firmen verdrängen die arrivierten Medienhäuser.

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Nach dem AdAge-Ranking erwirtschaftete Google im Jahr 2007 Werbeeinnahmen von 6,02 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Wachstum von 47,3 Prozent. Die umsatzstärkste Medien-Company ist laut AdAge noch immer TimeWarner (35,63 Milliarden Dollar), gefolgt von Comcast (26,64 Milliarden Dollar) und Walt Disney (17,49 Milliarden Dollar). Insgesamt verzeichnete die Analyse das geringste Wachstum seit dem weltweiten Krisenjahr 2001. So wuchsen die Erlöse 2007 nur um 4,6 Prozent, im Jahr zuvor waren es immerhin noch acht Prozent. Die großen Verlierer sind die Zeitungsverlage mit einem Minus von acht Prozent.

Die Internet-Unternehmen konnten dagegen ein Wachstum von 10,8 Prozent verzeichnen. Die Web-Companys profitieren dabei von zwei Entwicklungen: Zum einen fließt immer Geld in Internet-Werbung und zum anderen verwandeln sich die Webseiten immer mehr Unterhaltungs-Allroundern.

Bestes Beispiel dafür ist Google. Von einer Suchmaschine transformierte sich die Firma in weniger als fünf Jahre in eine All-inclusive-Plattform mit Nachrichten- (Google-News) und Bewegtbild-Angeboten (YouTube). Mit AdSense besitzt das Unternehmen dazu das wohl noch immer effektivste Werbe-System im Netz.

Darüber hinaus steigt Google jetzt die TV-Werbung ein. Ein Deal mit NBC Universal und dem Dish Network wurde gerade abgeschlossen. „Dies ist ein Wachwechsel“, zitiert AdAge Rishad Tobaccowala, CEO der Puplicis-Tochter Denuo Group. „Vor 20, 30 Jahren lag die Basis der großen Medien-Firmen im Print-Geschäft. Dann kam der Wechsel zum TV-Business. Jetzt sehen wir die Verschiebung hin zu Digital- bzw- Technologie-Unternehmen.“

Aber nicht nur Google drängt in den Medienmarkt. Auch Firmen wie Amazon, Apple oder Microsoft wandeln sich von Technologie-Spezialisten zu Unterhaltungs-Allroundern. So verkauft der ehemalige Computer-Hersteller Apple heute Musik und Filme und produziert darüber hinaus noch die passenden Abspielstationen.

Auch Amazon handelt sowohl mit Inhalten (Bücher/Online-Videotheken), produziert mit dem Kindle aber auch bereits Hardware zum Medienkonsum und hält dazu noch Beteiligungen an Web2.0-Plattformen, die Werbefinanziert funktionieren.

Der ehemalige Software-Produzent Microsoft wiederum steckt immer mehr Geld in die Entwicklung eines Werbenetzwerkes (Navic Networks) zur zielgerichtete Auslieferung der Annoncen. Steve Ballmer hievte seine Firma in der AdAge-Liste so bereits auf Rang 31.

Noch braucht die Silicon Valley-Medien-Revolution aber noch ein wenig Zeit. Von den Ersten zwanzig des Rankings waren 19 Firmen bereits vor einem Jahr unter den Top 20. Mit Yahoo ist aber auch der einzige Neueinsteiger ein Web-Unternehmen.

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