Download-Portale vernichten die Musik ihrer Kunden

Viele Menschen waren von Anfang an misstrauisch. Zu verdächtig erschien ihnen der Euphemismus „Digitales Rechtemanagement“ mit ihren Versprechungen von „Schutz“ und „Sicherheit“, den Besitz der eigenen digitalen Daten einschränkt. Auf dem Musikmarkt konnte sich die Technik nie durchsetzen. Im April 2008 kündigt Microsoft MSN an, seine DRM-Server abzuschalten. Yahoo folgt im Juli. Nun plant Wal-Mart […]

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Viele Menschen waren von Anfang an misstrauisch. Zu verdächtig erschien ihnen der Euphemismus „Digitales Rechtemanagement“ mit ihren Versprechungen von „Schutz“ und „Sicherheit“, den Besitz der eigenen digitalen Daten einschränkt. Auf dem Musikmarkt konnte sich die Technik nie durchsetzen.

Im April 2008 kündigt Microsoft MSN an, seine DRM-Server abzuschalten. Yahoo folgt im Juli. Nun plant Wal-Mart diesen Schritt für den 9. Oktober. Der US-Einzelhandelsgigant ist bereit, Kunden um ihre erworbene Ware zu bringen. Denn ohne DRM-Server lassen sich die Schlüssel und Lizenzen der kopiergeschützten Musikdateien nicht von der Festplatte kopieren. Beim nächsten Computerkauf ist dann die bei Wal-Mart heruntergeladene Musik futsch.

MSN und Yahoo haben die Pläne übrigens vorerst wieder zurückgenommen – allerdings erst, nach einem Sturm der Entrüstung. Das könnte Wal-Mart auch passieren. Aber schon jetzt ist das DRM-Desaster nützlich, da es den Kunden so deutlich die Augen öffnet.

DRM ist heute tot. Sogar die vier großen Musikfirmen der Welt verkaufen kopierschutzfreie MP3s und sie beginnen damit Geld zu verdienen. Noch nie war es möglich, soviel Musik legal und gratis zu hören wie heute.

Trotzdem bleibt das Problem von Raubkopie und illegalem Datentausch. Während die einen deshalb gebetsmühlenartig strenge Strafen fordern, setzen die anderen weiterhin auf technische Lösungen. Der aktuelle Vorstoß, einen Kopierschutz zu etablieren, heißt „Digital Entertainment Content Ecosystem“. Ein wohlklingender Name: Kann „Öko“ schlecht sein? Vor allem wenn es verspricht, das Kopieren einfach zu gestalten, angenehmer womöglich, als ohne Kopierschutz?

Merkwürdigerweise zeigen sich Zweifel und Unsicherheit genau in dem Widerspruch zwischen dem wohlklingenden Namen und dem eigentlichen Zweck der Technik. Als würden die Erfinder ihren Ideen selbst nicht ganz zu trauen – und veranstalten deswegen diesen Budenzauber.

Bislang verstehen die Leute unter Besitz nicht nur das Recht auf einen einmaligen Konsum, sondern das freie Verfügen über die digitale Sache. Da sind künstliche Barrieren nicht akzeptabel. Sie werden künftig noch sehr oft die Erfahrung machen, dass ihre .docs, .jpgs oder .movs nicht einfach verblassen und zunehmend Altersspuren tragen, sondern sich gar nicht mehr öffnen lassen, weil die Datenträger in kein Gerät mehr passen und von keiner Software zum Leben erweckt werden können.

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