Die bescheuertsten Startup-Namen

Woher kommt es eigentlich, dass die Namen von Start-ups oft so gleich und vor allem so gleich bescheuert klingen? Benutzen die alle dieselbe Namensagentur? Oder haben sie gelesen, dass der Buchstabe "O" wie in swoopo oder swoodoo besonders sexy ist, womöglich wegen der Rundungen? Oder gelten das kleine "i" am Anfang als "i"nnovativ und "i"nteraktiv (iHaiku.de, imedo) und die Vorsilbe "my" als persönlich ("myparfuem")? MEEDIA stellt die bescheuertsten Start-up-Namen vor.

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Buchstabensalat mit "O", "A", "Y" und "R"

Einige Buchstaben haben es den Entrepreneuers der Start-up-Szene offenbar ganz besonders angetan. Dies sind vor allem das „O“, das „Y“ und, mit Einschränkungen, das Endungs-„r“. Das „O“ hat einen weichen Klang, weckt positive Assoziationen, so hört man den Guru der Namensagentur im Hintergrund raunen. Daher die Regel: Je mehr „O“s man in einen Namen packen kann, desto besser. Es gibt etablierte Beispiele, wie die Reise-Website Opodo.de, und unzählige Newcomer, die auf die Kraft des „O“ vertrauen: swoopo (ein Online-Auktionshaus), swoodoo (Suchmaschine für Flüge), Bayanoo (Handyvertrags-Tauschbörse), woobby (eine Art Community), owonda (Flirt-Börse) usw. Der Welterfolg von Google dürfte bei dem „O“-Tick der Internet-Szene auch eine gewisse Rolle spielen. Neben dem „O“ ist auch das „A“ beliebt, wahrscheinlich ebenfalls wegen seinem weichen, warmen Klang. Warum so viele Start-ups auf das Ypsilon stehen, ist dagegen eher rätselhaft. Vielleicht wegen den Assoziationen mit „Young“, „Yabbadabbadoo“, „Hype“ oder gar „Hyper“. Das Ypsilon wirkt seltsam modern und ein wenig schräg und sollte daher leicht zu merken sein. Nachteil gegenüber „O“ und „A“: Man kann es nicht mehrmals hintereinander bringen. Prominente Beispiele mit Ypsilon: Yasni (Personen-Suchmaschine), Qype (Bewertungs-Community), allyve (persönliche Homepage), cellity (Handy-Software). Auch beliebt: das Weglassen des „e“ vor dem Endungs-„r“. Beispiele: Rokr (erfolgloses Motorola-Handy), Brokr (Finanz-Community), cruisr (Community mit Auto-Kennzeichen). Klar, hier will man sich lautmalerisch an den Erfolg der Foto-Community Flickr dranhängen. Weiterer Sinn des Buchstaben-Salats bei Start-ups: Die Firmen brauchen einen Namen, der sich sowohl als Web-Adresse als auch als Marke schützen lässt. Sich dann aber in der Not auf den erstbesten, austauschbaren Quatschnamen zu stürzen, kann auch nicht das Patent-Rezept sein.

Vorsilben-Rätsel: "my" und "i"

Die beliebten Vorsilben „my“ und „i“. An der Popularität des kleinen „i“ ist Apple-Boss Steve Jobs schuld, der zuerst den iMac und später den iPod berühmt und erfolgreich gemacht seit. Seither versuchen Start-ups wenigstens klanglich ein wenig von dem Glanz der Erfolgsmarke Apple zu profitieren und knallen vor den Namen einfach ein „i“. Das kann dann bedeuten „innovativ“ oder „interaktiv“ oder „internet“ oder „istmirdochegal“. Man weiß es nicht. Hauptsache man denkt dabei unbewusst an den iPod und es klingt cool. iHaiku ist so ein Beispiel oder iVerein, die Vereinscommunity. Es gibt dann noch die „Profil-Zentrale“ iForia, iAmplify, iAmaze, iBazar, iBlast, iBit-Lab, iBiz Software usw. Fast ebenso beliebt ist das „my“. Das signalisiert: Oha, ich kann was personalisieren. Egal ob Müsli, (mymuesli.de), Parfüm, (myparfuem.de), Handwerker-Dienstleistungen (MyHammer.de), Blogs (myBlogLog.com), das Baby-Tagebuch (MyBabyourBaby.com), die Nachbarschaft (Myneighborhood.com). Besonders doll trieben es die Namensfinder bei einem US-Dienst fürs Synchronisieren von Daten. Die Firma heißt allen Ernstes MyBooo.com.

Der Zahlen-Tick

Neben den Buchstaben und Silben kann man auch mit Zahlen eine Menge Unsinn anstellen. Bei Start-ups erfreuen sich „24“ und „2“ besonderer Beliebtheit. Es gibt die bekannte Scout-Gruppe mit ImmobilienScout24.de, FriendScout24.de, JobScout24.de usw. Neueren Datums sind die Online-Stellenbörse JobTV24.de, EroticArts24.de, LiveShopping24.de, Tipp24.de usw. Die Zahl 24 soll wohl suggerieren, dass der jeweilige Dienst 24 Stunden pro Tag verfügbar ist. Wie eben jedes andere Internet-Angebot auch. Die Zahl „2“ wird dagegen als Ersatz für das englische Wörtchen „to“ verwendet, wie bei der total businessmäßigen Abkürzung B2B für Business to Business. Auch diese Unsitte feiert bei Start-up-Namen fröhliche Urständ. Beispiele gefällig: get2sport.de, learn2use.de oder, besonders schrecklich, mywhere2go.de

Und wie macht man es besser?

Einen griffigen, originellen Namen für ein Start-up zu finden, der noch dazu als Internet-Adresse und Marke frei ist und dazu nicht völlig bescheuert klingt – das ist nicht leicht. Es gibt aber auch einige Namen, die deutlich besser sind, als die hier genannten Negativ-Beispiele. Zum Beispiel die erfolgreiche Landeier-Community wer-kennt-wen.de. Das Videoportal Sevenload oder die Urlaubs-Bewertungssite HolidayCheck.de. Ein guter Name sollte zumindest eine Ahnung von dem Sinn und Zweck des Angebots vermitteln. Man sollte Buchstaben und Zahlen-Kapriolen meiden wie der Teufel das Weihwasser und gerne auch mal nach einer deutschen Lösung schauen.

Das US-Blog OnStartups.com hat eine Reihe von sinnvollen Regeln zur Namensgebung aufgestellt, wie wir hier übersetzt wiedergeben:

1. Der Name sollte so klar sein, dass er auch unmissverständlich geschrieben werden kann. Keine Wortspiele oder Tricks mit der Rechtschreibung. Falls jemand den Namen gesprochen hört, sollte man auch in der Lage sein, in korrekt zu schreiben. Zum Beispiel sollte man einen Namen wie “SightSoft” nicht nutzen, der könnte zu leicht mit “SiteSoft” verwechselt werden.

2. Der Name sollte relativ kurz sein. Generell gilt: je kürzer, desto besser.

3. Die „.com“, „.net“ und, in Deutschland natürlich, „.de“ Domains sollten verfügbar sein.

4. Der Marken-Name sollte zu schützen sein.

5. Der Name sollte in etwa beschreiben, was das Geschäft der Firma ist. Manche Firmen bevorzugen allerdings „Empty Vessel“-Namen, die für vieles stehen können. Dass kann nützlich sein, falls die Firma wächst und neue Betätigungsfelder erschließt, die ebenfalls unter dem gewählten Namen laufen sollen.

6. Man sollte sich den Namen leicht merken können und er sollte ein klares Bild bei allen erzeugen, die ihn hören.

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