Gratiszeitungen droht eine Pleitewelle

Die Anzeigenflaute trifft die kostenlosen Blätter zuerst: Nach nicht einmal eineinhalb Jahren haben die Eigentümer das niederländische Gratisblatt "Dag" eingestellt. Anfang September war bereits der dänische Titel "Nyhedsavisen" wegen fehlender wirtschaftlicher Perspektiven vom Markt verschwunden. Weitere Einstellungen sind in den nächsten Monaten wahrscheinlich – vor allem der eng besetzte Schweizer Gratismarkt könnte kollabieren: Dort gibt es sechs kostenlose Blätter.

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Der „Dag“ war im Mai 2007 als vierter Gratis-Titel in Holland gelauncht worden. In einer Erklärung teilten die Eigentümer, der Print-Verlag PCM und das Telekommunikations-Unternehmen KPN, mit, dass es nicht gelungen sei, ausreichend Anzeigenkunden für das Blatt zu finden: „Das Angebot an Gratiszeitungen war größer als die Nachfrage.“ Am Mittwoch erscheint die Zeitung zum letzten Mal, die Webseite dag.nl soll aber weiter betrieben werden.

Die Anzeigenkrise trifft Gratiszeitungen früher und härter als etablierte Abo- oder Kaufzeitungen, weil sie über keinerlei Einkünfte aus dem Vertrieb verfügen, mit denen Dellen im Anzeigengeschäft abgefedert werden könnten. Auch ist der Vertrieb häufig teuer, da viele Titel durch Handverteiler an die Kundschaft gebracht werden. Da das Segment der Gratistitel zudem in vielen Ländern sehr jung ist, fällt den Verlagen trotz Millionen-Investitionen die Entscheidung zur Einstellung leichter, als wenn es sich um Traditionstitel handelt.

Experten rechnen für die Zukunft gerade auf engbesetzten Märkten mit weiteren Einstellungen. Besonders der Schweizer Markt scheint anfällig: Dort gibt es inzwischen sechs kostenlose Zeitungen. Einzig der Erfolgstitel „20 Minuten“ von Tamedia scheint ungefährdet, alle anderen, darunter die Ringier-Blätter „Blick am Abend“ und „cash daily“ müssen kämpfen. Als größter Schweizer Zeitungsverlag hatte Ringier den Einstieg ist Gratisgeschäft vor Jahren verpasst und in der Folge schwere Verluste mit dem Boulevard-Blatt „Blick“ hinnehmen müssen. Inzwischen hat „20 Minuten“ den Blick bei Leserschaft und im Anzeigen-Business überholt. Erfolg mit einem Gratisblatt scheint also auch in Krisenzeiten möglich, allerdings nur für den Marktführer.

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